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Die Projektpartner bei der Vorstellung des Konzeptes: (v.l.) Gwendolin Dettweiler, Susanne Lengger, Andrea Jochner-Weiß, Wolfgang Hug und Klaus Pukall.

Eine Firma aus München half bei der Planung

Baden mitten in Weilheim: Das will der Tourismusverband Pfaffenwinkel ermöglichen

Um die Ammer zu schützen und dennoch für alle zugänglich zu lassen, hat der Tourismusverband Pfaffenwinkel in Kooperation mit Vertretern aus Tourismus, Naturschutz und Kommunalpolitik ein Naturtourismuskonzept entwickelt. Das Projekt wurde jetzt vorgestellt.

Weilheim – Seit eineinhalb Jahren wird an einem Naturtourismuskonzept für die Ammer gefeilt. Mittlerweile ist das Projekt, das ein Leader-Kooperationsprojekt der Lokalen Aktionsgruppen Auerbergland-Pfaffenwinkel und Zugspitzregion ist, weitgehend fertiggestellt. 

Der Tourismusverband Pfaffenwinkel hat in Kooperation mit dem Naturpark Ammergauer Alpen und dem Projektbüro „Wildflüsse und Alpen“ des WWF Deutschland intensiv an der Entwicklung gearbeitet. Die Belange des Naturschutzes sollen in gleicher Weise wie die der erholungssuchenden Gäste berücksichtigt werden.

Ammer oft nicht geschätzt in der Bevölkerung 

Landrätin Andrea Jochner-Weiß sagte, der „Schutz der Naturräume hat für uns eine große Bedeutung“. Der Fluss werde vor allem als Hochwassergefahr wahrgenommen. „Die Ammer ist ein wahnsinnig sensibles Ökosystem und wird in der Bevölkerung oft gar nicht geschätzt“, sagte Susanne Lengger vom Tourismusverband Pfaffenwinkel. Dennoch sei die Ammer ein beliebtes Ausflugsziel und ein häufig genutzter Erholungsraum.

Um das Naturtourismuskonzept in Gang zu bringen, hatten die Verantwortlichen das Ammergebiet in sechs Flussabschnitte – von den Ammerquellen bis nach Altenau, von Altenau bis zur Böbinger Brücke, von dort bis zum Naturcampingplatz „Ammertal“, vom Campingplatz bis zur Oderdinger Brücke, von der Oderdinger Brücke bis zur Bahnbrücke in Wielenbach sowie von dort bis hin zur Mündung in den Ammersee – eingeteilt. Es wurde untersucht, ob und wie weit man diese Bereiche ausbauen oder verändern kann.

Naturschutz steht bei „Brennpunkten“ an erster Stelle

Für den Umsetzungsstart im Herbst wurde für jeden Abschnitt ein besonders wichtiges Ziel ausgesucht und als Startprojekt definiert. Unterstützt wurden die beteiligten Akteure von der außenstehenden Firma „Sweco“ aus München. Zu diesen Startprojekten zählen auch die „Brennpunkt“-Konzepte. 

Die „Brennpunkte“ – wie zum Beispiel im Naturschutzgebiet Weidmoos und in der Ammerschlucht – sind Bereiche, in denen der Naturschutz Priorität hat und die Besucherströme umgelenkt werden sollen, um die Natur zu schonen.

Klaus Pukall von der Ammergauer Alpen GmbH sagte, dass man aber keine Verbotsschilder aufstellen wolle. Vor allem in der Ammerschlucht lege man großen Wert darauf, ausgewiesene Badeplätze und Hinweistafeln mit Informationen zum Naturschutz umzusetzen. Im Bereich des noch bestehenden Wehres bei Peißenberg soll eine feste Grillstelle für Jugendliche errichtet werden.

Lengger bemängelte, dass in Weilheim der Bezug zwischen Stadt und Ammer fehle. Deswegen soll die Stadthalle – in einem weiteren Startprojekt – besser an den Fluss angeknüpft und dort ein Wasserzugang geschaffen werden. 

Versicherungstechnisch noch nicht alles geregelt 

Auch hier sollen Informationstafeln und spielerische Erlebniselemente zur Verfügung gestellt werden. Um das Angebot attraktiver zu gestalten, plant man Ruhe- und Schaukelliegen aufzustellen. „Man muss allerdings noch Absprachen mit der Versicherung treffen, ob es eine offizielle Badestelle werden kann oder nur ein ,Baden erlaubt’-Schild aufgestellt wird“, so Lengger.

Ruheliegen sollen auch in weiteren Ammerabschnitten aufgestellt werden, um den ruhigen Charakter der Gegend zu bewahren. In Kooperation mit dem Wasserwirtschaftsamt wurden die Plätze begutachtet und ausgewählt. Den ruhigen Charakter des österreichischen Dorfs Hallstatt konnte man zum Beispiel nicht bewahren. Dort überrennen Millionen Touristen das kleine Örtchen.

VON FRANZISKA FLORIAN

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