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Seit eh und je unverändert: Die Bader Stuben in der Weilheimer Hofstraße.
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Auf der Häuserzeile liegt Ensembleschutz.
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Bald wird hier trotzdem nichts mehr sein wie es einmal war. Das Gebäude wurde verkauft.
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Innen hat sich all die Jahre nicht viel verändert.
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Das Haus stammt wohl vom Ende des 19. Jahrhunderts.
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Was drinnen wirklich ursprünglich und was später hinzugebaut wurde, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.
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Kurz vor dem Verkauf sind sogar die alten Bilder noch an den Wänden.
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In dieser Ecke hat so mancher Weilheimer unvergessliche Abende verbracht.

Ein letzter Rundgang in Bildern

Die Bader Stuben ist verkauft: So erinnern sich die Weilheimer an die Kult-Kneipe

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Sie ist legendär: die Bader Stuben in der Hofstraße. Nach jahrelangem Leerstand wird sie jetzt verkauft. Wir blicken ein letztes Mal in die Weilheimer Kult-Kneipe - und erinnern uns an wilde Nächte. 

Weilheim - Es muss eine Winternacht in den 1960er Jahren gewesen sein, so genau erinnert sich der alte Weilheimer nicht mehr. Seinen Namen will er lieber nicht nennen, man kenne ihn in der Stadt, und das, was er in jener Nacht in der Bader Stuben erlebt hat, ist ein bisschen pikant.

Der Weilheimer ist damals Anfang 20. Mit einem Spezl sitzt er an der Theke der Bader Stuben, die beiden sind Stammgäste. Als ein Bekannter aus der klirrenden Kälte draußen hereinkommt, haben die beiden einen Einfall. „Damals kamen beim Fußball die Flitzer auf, die nackert übers Spielfeld laufen“, erzählt er. Als solchen wollen sie den Bekannten durch die Bader Stuben schicken. Was für eine Gaudi!

Die Bader Stuben - ein Haus mit Geschichte:

Das Gebäude wurde vermutlich 1894 gebaut. Der Häuserzug in der Hofstraße steht unter Ensembleschutz. Die Innenausbauten entstanden Ende der 1960er Jahre. Der Schreiner und Zimmerer Martin Hammerl aus Bernried fuhr damals mit Max Bader nach Wielenbach, um ein altes Bauernhaus zu besichtigen. Dieses ließ Bader von Hammerl dann teilweise abbauen und als Innenausstattung für die Bader Stuben wiederverwenden. „Ihm gefiel das Rustikale“, erzählt Hammerl (77), der 1982 nach Kanada ausgewandert ist und bis heute dort lebt. 

Der Bekannte sagt tatsächlich zu, für einen Halbe mache er‘s. Einer der beiden an der Theke solle dann seine Kleidung hinausbringen. Auf der Toilette zieht er sich splitterfasernackt aus, öffnet die Tür, rennt an der Theke und der Wirtin Katharina Bader vorbei quer durchs Lokal und hinaus in die Kälte. „Ja spinn i, war der nackert?“, ruft die Bader Kathl. Die Spezln winken ab: „Kathl, du brauchst wohl a neie Bruin.“ Die Baderin lacht und schüttelt den Kopf. Die Spezln amüsieren sich köstlich - und vergessen den Nackerten bei Minusgraden vor der Tür. Irgendwann - es dürfte schon eines halbes Stündchen später gewesen sein - kommt ein Ehepaar zur Tür herein und richtet aus: Draußen stehe ein Nackerter, der darum bittet, dass man ihm die Kleider bringt. „Als er wieder angezogen mit an der Theke saß, haben wir ihm eine Halbe und einen Schnaps spendiert.“ Das habe er sich wirklich verdient.

Nach all den Jahren wurde das Haus nun verkauft

Es sind solche Geschichten, die die Bader Stuben legendär machen. Das Wirtshaus in der Weilheimer Hofstraße, mitten in Weilheims Altstadt, war vor allem in den 1960er, 70er und 80er Jahren der Treffpunkt in Weilheim. Hier gab‘s auch spät noch etwas zu essen, es schmeckte immer (der Überlieferung nach vor allem der Salat und die Steaks), gern ging es etwas freizügiger zu und man traf fast ganz Weilheim - sogar den gesamten Stadtrat nach der Sitzung. So erzählen es zumindest alte Weilheimer, die sich auf unseren Aufruf hin gemeldet haben. 

Jetzt, etwa zehn Jahre nachdem die Bader Stuben geschlossen wurde und brach lag, wird das Altstadthaus verkauft. Maximilian Bader, der letzte Besitzer der Bader Stuben, ist im Dezember 2017 gestorben. Seine Erben, ein Sohn und eine Tochter, hatten - auf Wunsch des Vaters, wie sie betonen - keinen Kontakt zu ihm und verbinden nichts mit dem alten Gemäuer. „Irgendwie hätte ich das Haus trotzdem gern übernommen“, erzählt der Sohn, der namentlich nicht genannt werden will. Wären er und seine Schwester jünger, so der Sohn weiter, hätten sie‘s wohl gemacht. So kauft das Haus jetzt eine Familie aus dem Umland. Sie will es großzügig sanieren und umbauen. Wohnungen sollen rein, was in den ehemaligen Wirtshaus-Räumen im Erdgeschoss entsteht, ist noch offen.

Video: Werfen Sie einen letzten Blick in die Bader Stuben

Eines steht aber fest: Dort wird nach dem Umbau nichts mehr so sein wie zuvor. Jetzt ist also die letzte Gelegenheit, mit unserer Fotostrecke und unserem Video einen letzten Blick in die Kult-Kneipe zu werfen - und sich zu erinnern. Das hat auch Siegfried Knebel getan. Ihm sind die Bedienungen aus den 1960er Jahren in Erinnerung geblieben. „Die wussten, wie man mit den jungen Hüpfern umgehen musste“, schreibt er. Das kann auch Ludwig Bindl (73) aus Weilheim berichten. Er war in seiner Jugend „mit einer ganzen Blosn“ regelmäßig in der Bader Stuben - und hat sehr oft Steak gegessen. „Eines war mal recht zäh. Da hat die Bedienung nur erwidert: Ja soll ich‘s vorher probieren?“ Immer nett und lustig seien die Kellnerinnen gewesen, immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Allen voran natürlich die Wirtin Bader Kathl, sagt Siegfried Knebel. Freizügig sei die Kathl außerdem gewesen, eine echte Lebefrau. „Da hat sie nach der Sperrstunde nackt auf dem Tisch getanzt, barfuß in den Scherben der zertretenen Gläser.“

Bedienung zeigte Busen - für 50 Mark pro Seite

Man merkt schon, es gibt einige Nackerten-Geschichten zur Bader Stuben. Sogar an Sex auf einer Sitzbank in einer verwinkelten Ecke erinnert sich ein ehemaliger Gast, der verständlicherweise lieber nicht seinen Namen nennt. Statt sie hinauszuwerfen habe der Bader Max, der letzte Wirt, nur gebeten, leiser zu sein und sei lachend wieder gegangen. Wilde Zeiten waren das damals in der Bader Stuben. Der alte Weilheimer vom Anfang, der seinen Namen hier nicht lesen will, hat auch noch eine Geschichte von damals parat. Ein älterer Gast habe eine junge Bedienung an der Bar einmal gebeten, ihm ihren Busen zu zeigen. Das Mädel war entsetzt, die Bader Kathl allerdings witterte ein Geschäft und empfahl der Jüngeren, 50 Mark dafür zu verlangen. Dem Gast war es das wert, die Bedienung spielte mit und hob eine Seite ihres Oberteils. „Den anderen Busen wollte er aber auch sehen“, erinnert sich der Weilheimer. Da hat die Bader Kathl interveniert: Zwei Busen, das kostet 100 Mark, habe sie gesagt. Die hat der Gast dann doch nicht zahlen wollen. Gelacht haben schließlich aber alle.

So freizügig und ungehemmt es in der Bader Stuben zuging, so sehr war sie aber auch ein Ort, an dem viele große und sehr persönliche Momente erlebten. Die Weilheimerin Elisabeth Hösl saß am 9. November 1989 gegen 19 Uhr mit ihrem Mann und sechs weiteren Ehepaaren in der Bader Stuben zusammen, als plötzlich die Bedienung aufgeregt herbei lief. „Habt's es ghört, die Berliner Mauer soll heit Nacht aufgeh", habe sie gerufen. „Von der ganzen Gesellschaft leben heute nur noch drei Frauen und nun geht auch noch die Bader-Stuben.“ 

Hermann Worle hat auch eine ganz persönliche Erinnerung an die Wirtschaft in der Hofstraße, die zeigt, welche Bedeutung das Wirtshaus damals hatte. „Ende November 1987 hatte ich dort mein letztes Bier und mein letztes Essen. Gegen drei Uhr morgens verließ ich die Bader Stuben, am nächsten Tag wanderte ich nach Australien aus.“ Worle ist nie wiedergekommen. An seinen letzten Abend im legendären Wirtshaus in der Hofstraße wird er sich aber immer erinnern.

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