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Arbeiten quer durch die Stadt: Ein Spielplatz im Neubaugebiet am Prälatenweg (hier auf dem Bild) gehört ebenso zu den Projekten, die das Stadtbauamt betreut wie die umfangreiche Sanierung der Ammerschule, die seit mehreren Jahren andauert und die in diesem Sommer abgeschlossen sein soll.

Baupreise steigen seit 2015 

Baukosten bleiben fast immer im Rahmen

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Mancher Bürger kritisiert die Summen, welche die Stadt Weilheim für Bauprojekte aufwendet. Auch, dass die Kosten am Ende immer höher liegen als geplant, wird gern moniert. Es ist ein Vorurteil, wie eine Nachfrage beim Stadtbauamt zeigt. Und warum Bauen immer teurer wird, hat auch Gründe.

Weilheim – Für gewöhnlich begutachten die Mitarbeiter des Stadtbauamts Baustellen, doch derzeit sitzen sie selbst auf einer. Das Weilheimer Rathaus wird schon seit Längerem saniert – und ist ein Beispiel dafür, dass Kosten schnell anwachsen können. Im Jahr 2011 war im Bauausschuss von 3,3 Millionen Euro die Rede. Damals hatte man lediglich die Deckenkonstruktionen im Visier. In der Folge traten immer weitere Problemstellen in dem Gebäude zutage. Die Ausgaben werden sich bis zum Abschluss – anvisiert ist das Jahr 2023 – wohl auf 11,1 Millionen Euro summieren. Darin sind allerdings auch Erweiterungen (unter anderem ein Dachgeschoss-Ausbau) enthalten, die ursprünglich nicht geplant waren.

Stetige Steigerung

Das Rathaus ist in Sachen „Teuerung“ ein krasses Beispiel, aber auch – was Weilheim betrifft – ein Einzelfall. Michael Schleich, Sachgebietsleiter „Hochbau“, hat sich auf Anfrage der Heimatzeitung extra die jüngsten Bauprojekte angesehen, für die das Bauamt zuständig war. Sein Fazit: „Wir lagen stets unter zehn Prozent Teuerung.“ Und das sei voll im Rahmen, sagt Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt.

Der Baukosten-Index (zeigt die Entwicklung der Baupreise an) weist derzeit pro Jahr einen Preisanstieg zwischen 4,5 und zehn Prozent aus. Die Baupreise „steigen seit 2015 gigantisch“, sagt Roppelt. Für dieselbe Leistung verlangen die Firmen im Vergleich mit damals bis zu 20 Prozent mehr. Das liege nicht zuletzt an der Konjunktur im Baugewerbe, die auch durch die Nachfrage nach Immobilien befeuert werde. Sind Firmen voll ausgelastet, „können sie auch höhere Preise anbieten“, so Schleich.

Zeit ist Geld

Öffentliche Projekte, sagt Roppelt, „laufen in der Regel länger als private“, was sie teuer macht. Zwischen dem Beschluss des Stadtrats für eine Maßnahme und dem Start der Bauarbeiten „können zwei, drei Jahre vergehen“. Es müssen Mittel im Haushalt eingestellt und spezielle Vergabeverfahren eingehalten werden. Allein das Thema „Ausschreibungen“ ist mittlerweile so kompliziert, dass derlei Fachfirmen erledigen. Übersteigen die Angebote bestimmte Werte, muss manchmal komplett neu ausgeschrieben werden. Steht ein Anbieter fest, entscheidet erneut der Stadtrat oder – in gewissen Fällen – schon der Bauausschuss.

Die Kostentreiber

Kostentreiber sind laut Roppelt vor allem Umplanungen, wenn die Bauarbeiten schon begonnen haben. Das können Wünsche von Bauherren, der Öffentlichkeit oder – im Falle etwa von Kindergärten – der Träger einer Einrichtung sein. Die Nachträge erfolgen dann „zu den marktüblichen Preisen zu dem jeweiligen Zeitpunkt“, sagt Schleich. Oftmals müsse man zähneknirschend zustimmen, so Roppelt, da sich sonst der Baufortschritt verzögert, weil andere Gewerke in Terminschwierigkeiten kommen. Änderungswünsche „kommen regelmäßig“, berichtet Schleich.

Eine Rolle bei den Kosten spielen auch die zahlreichen Fachplaner (Elektro, Heizung, Bauphysik, Brandschutz, Statik, Bodengutachten), die nötig sind. Jeder Aushub muss untersucht werden, ehe er abtransportiert werden darf. Hinzu kommen vermehrt „Fach-Fach-Planer“, wie sie Roppelt schmunzelnd nennt. Bei einem Kindergarten-Bau wird heutzutage gern auch ein Akustiker hinzugezogen. Damit will man dem Problem begegnen, wenn sich – wie öfters schon geschehen – Eltern darüber beschweren, dass es in den Räumen zu laut sei.

Risiko „im Bestand“

Entscheidend für die Kosten und die Möglichkeit, sie einzuhalten, ist es laut Roppelt auch, ob es sich um einen Neubau oder Bauarbeiten „im Bestand“ handelt. In Altbauten – wie eben dem Rathaus – ergeben sich oftmals böse Überraschungen. In Decken, Wände und Rohre „kann man vorher nicht reinschauen“, sagt die Stadtbaumeisterin.

Arbeiten quer durch die Stadt: Ein Spielplatz im Neubaugebiet am Prälatenweg gehört ebenso zu den Projekten, die das Stadtbauamt betreut wie die umfangreiche Sanierung der Ammerschule (hier zu sehen), die seit mehreren Jahren andauert und die in diesem Sommer abgeschlossen sein soll.

Die Ammerschule (der „Altbau“ stammt aus dem Jahr 1967) ist ein weiteres Beispiel für „Umbauen im Bestand“ – und während des Unterrichts. Seit 2017 wird sie saniert, für die Mittagsbetreuung gab es einen Neubau. In diesem Sommer sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Das Stadtbauamt rechnet mit einer Teuerung „von insgesamt zwölf Prozent“, so Schleich. Die Summe wird dann insgesamt 6,2 Millionen Euro betragen. Ein Problem war, dass die Binder im Dach unerwartet ertüchtigt werden mussten. „Die wollten wir eigentlich gar nicht anfassen“, sagt Roppelt. Viele Arbeiten waren aufwendiger als bei der zuvor sanierten Hardtschule. Bauteile mussten gleich mehrmals bearbeitet und bewegt werden.

Kosten und Förderung

Zu unterscheiden ist zwischen reinen Baukosten und Nebenkosten, zu denen Planung, Gutachten, Versicherung, Architekten etc. gehören. Der Anteil der Nebenkosten am Gesamtetat hat sich mit den Jahren von 17 auf mittlerweile 25 Prozent erhöht. berichtet Stadtbaumeisterin Roppelt. Die Gesamtkosten, die bei Stadtratssitzungen genannt werden, sind nicht immer die Kosten, die die Kommune letztlich zu bezahlen hat. Für Schulen und Kindertageseinrichtungen gibt es nach dem FAG (Finanzausgleichsgesetz) Zuschüsse, die zwischen 15 und 80 Prozent der Bausumme liegen können. Die Städtebauförderung (mit Programmen wie „Soziale Stadt“, „Zukunft Stadtgrün“, „Stadtumbau“ etc.) ist ein weiterer Topf, aus dem Geld fließt. Für den Bau der Grünanlage „Am Riss“ an der Stadtmauer waren im Haushalt 2018 genau 150 000 Euro eingestellt. Weit über die Hälfte davon wurden bezuschusst, der Rahmen wurde eingehalten.

Unsichtbarer Aufwand

Oftmals mögen Bauarbeiten überteuert scheinen, weil Außenstehenden der Aufwand nicht ersichtlich ist. Bei der Anlage „Am Riss“ waren laut Sachgebietsleiter Schleich Rückbau und Neuanlage des Gehwegs nötig. Beleuchtung, Verwendung von Naturstein und die Boulefläche bedeuteten weitere Kostenpunkte. Darüber hinaus war ein Archäologe involviert.

Der Aufwand ist nicht gleich ersichtlich: Für die Stege am Dietlhofer See war eine Spezialfirma in Aktion.

Bei den fünf Stegen am Dietlhofer See stellte sich heraus, dass der gesamte Unterbau erneuert werden musste. Rückbau und Entsorgung machten laut Roppelt fast die Hälfte der Kosten aus. „Der Bürger sieht nur den neuen Belag und nicht das, was darunter ist“, so Schleich. Letztlich waren die Arbeiten – die Firma „Papperger“ rückte mit Spezialgerät für Arbeiten auf dem Wasser an – mit 130 000 Euro günstiger als ursprünglich gedacht. Im Vorfeld war mit 160 000 Euro kalkuliert worden.

Das Stadtbauamt

Langweilig wird den insgesamt 14 Mitarbeitern im Stadtbauamt nicht. In Sachen „Hochbau“ ist die Abteilung aktuell mit drei größeren Projekten beschäftigt: der Ammerschulsanierung sowie den Neubauten der Kitas an der Kanalstraße und am Sonnenäcker. Zu den kleineren Aktionen derzeit zählt der Spielplatz im Neubaugebiet am Prälatenweg. Der Busbahnhof, der Ende Juni fertig werden soll, zählt in großen Teilen zum „Tiefbau“. Auf der Agenda stehen zudem die Erschließung des Gewerbergebiets „Achalaich“ sowie die Wartung von Hochwasserschutzanlagen am Waitzackerbach und der Straßenunterhalt. Viel Zeit nehmen auch die Projekt-Planungen ein sowie die Erstellung städtebaulicher Verträge und die Schaffung von Baurecht. Zu den kommenden größeren Projekten zählen die Sanierung des Töllernhauses und des Stadtmuseums (vorerst zurückgestellt). Bei beiden spielt der Denkmalschutz eine große Rolle – auch eine Sache, die Baukosten massiv beeinflusst.

Lesen Sie auch: Die Gemeinde Huglfing will das Umfeld ihres Bahnhofs neu gestalten. Doch das Vorhaben droht wegen der angespannten Lage auf dem Wartegleis zu landen. Der Gemeinderat zog die Notbremse.

Mittwochs wirds im Krankenhaus kreativ: Mitarbeiter von sämtlichen Stationen treffen sich, um kurze Videos für die Internet-Plattform TikTok zu drehen.

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