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CSU/FDP will einen „Friedwald“ für Weilheim

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Von: Magnus Reitinger

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Im Weilheimer Friedhof gibt es bereits seit 2015 die Möglichkeit zur „Baumbestattung“. Mittlerweile stehen dort vier Bäume zur Verfügung, unter denen Urnenbeisetzungen möglich sind. Die CSU/FDP-Fraktion hätte zusätzlich gern eine solche Möglichkeit im Stadtwald – weil sich das viele Bürger wünschten, wie sie sagt.
Im Weilheimer Friedhof gibt es bereits seit 2015 die Möglichkeit zur „Baumbestattung“. Mittlerweile stehen dort vier Bäume zur Verfügung, unter denen Urnenbeisetzungen möglich sind. Die CSU/FDP-Fraktion hätte zusätzlich gern eine solche Möglichkeit im Stadtwald – weil sich das viele Bürger wünschten, wie sie sagt. © Ruder

In Weilheim sollen Bestattungen im Wald möglich werden: Das fordert die Stadtratsfraktion von CSU und FDP. Doch bei der ersten Debatte darüber gab es auch viele skeptische Stimmen – nicht nur, weil auf dem Friedhof zahlreiche Gräber leer stehen.

Weilheim – Geht es nach CSU und FDP, dann sollte im Weilheimer Stadtwald ein so genannter Friedwald angelegt werden – also ein Naturfriedhof, in dem die Beisetzung von (biologisch abbaubaren) Urnen an der Wurzel von Bäumen erfolgt. Das solle keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu bestehenden Bestattungsformen sein, sagte CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder vergangenen Donnerstag im Hauptausschuss des Stadtrates: Es gehe um Wahlfreiheit, immer mehr Menschen wünschten sich eine solche Form, die keinen Pflegeaufwand nach sich ziehe.

60 Prozent sind aktuell Urnenbestattungen

Jeder solle die für ihn passende Form der Beisetzung wählen können, meinte auch BfW-Vertreter Tillman Wahlefeld. Doch sehe er „keinen wirklichen Grund“, in Weilheim zusätzlich einen Friedwald zu schaffen, weil der Friedhof bereits die Möglichkeit einer „naturnahen Bestattung“ biete. Dort wurde 2015 mit Urnenbeisetzungen unter einem großen Ahorn begonnen; um diesen herum sind 40 kleine quadratische Platten in den Grasboden eingelassen – für die Namen der Verstorbenen. Laut Rathaus-Mitarbeiter Thomas Buchner gibt es auf dem Weilheimer Friedhof mittlerweile schon unter vier Bäumen diese Möglichkeit, ein fünfter folgt bald. Rund einhundertmal ist diese Form der Bestattung seit 2015 gewählt worden. Die Nachfrage nach klassischen Gräbern geht dagegen zurück: Im städtischen Teil des Friedhofs, so Buchner, stehen aktuell 17 Prozent der Gräber leer, im kirchlichen 15 Prozent. Rund 60 Prozent der Beerdigungen erfolgen aktuell als Urnenbestattung.

„Probleme größer als der Nutzen“

„Wir haben einen funktionierenden Friedhof mit zu vielen Leerständen“, befand Hubert Schwaiger (BfW); zugleich würde es „erheblichen Aufwand“ bedeuten, einen Friedwald zu betreiben. Somit wären für ihn in diesem Fall „die Probleme größer als der Nutzen“. Laut geltendem Recht müsse ein Naturfriedhof im Wald mindestens mit einer Hecke eingefriedet werden, erklärte Buchner, und es sei ein gefahrloser Zugang zu gewährleisten, auch bei Schnee- oder Eisglätte. Seinen Recherchen nach gibt es in Oberbayern bislang nur einen ausgewiesenen Naturfriedhof – in Dietramszell. Betreiber ist dort ein privater Träger. Dass es in Bayern „tausend Vorschriften“ dazu gebe, sei eigentlich gegen die Friedwald-Idee, kommentierte Karl-Heinz Grehl: „In Brandenburg zum Beispiel ist es einfach ein Wald.“ Er unterstütze die Idee sehr, betonte der Grünen-Stadtrat, doch Weilheims Stadtwald mit seinen „Fichtenstangerln“ sei dafür untauglich. Auch sei das Ganze nicht Aufgabe der Stadt: Wer vor Ort einen Friedwald betreiben wolle, solle „einen geeigneten Wald vorschlagen“, so Grehl, dann könne man darüber entscheiden.

Stadtwald dafür „nicht optimal“

Wenngleich ein Naturfriedhof in Weilheim ob des bestehenden Angebots „nicht erforderlich“ sei, stünden die städtische Friedhofsverwaltung und der Stadtförster dessen Errichtung „grundsätzlich nicht skeptisch gegenüber“, schrieb Buchner in den Sitzungsunterlagen. Doch seien die Gegebenheiten im Stadtwald „nicht optimal“: Am ehesten komme noch der Dietlhofer Wald in Frage. Dessen westlicher Teil sei gut erreichbar, bei der Tennisanlage am Narbonner Ring gebe es auch Parkflächen. Allerdings handle es sich dort um „Erholungswald“, der zudem noch sehr jung sei, und es stünden nur etwa fünf Hektar zur Verfügung. Übliche Größe für einen Friedwald seien mindestens zehn Hektar.

So viel brauche es nicht, hielt Lunz-Schmieder seitens der CSU dagegen, auf einem Hektar wären immerhin rund 200 Beerdigungen in zehn Jahren möglich. Und der „Kommune mit dem größten Waldbesitz weit und breit“ sollte es ihrer Ansicht nach „möglich sein, ein geeignetes Waldstück dafür zu finden“. „Das stünde unserer Stadt sehr gut an“, setzte 2. Bürgermeisterin Angelika Flock (CSU) hinzu. „Viele Menschen“ hätten ihr gegenüber den starken Wunsch nach einem Friedwald geäußert. Anders 1. Bürgermeister Markus Loth (BfW): „Es kommen wirklich sehr viele Bürger mit Anliegen zu mir, aber mit diesem ist noch kein einziger gekommen.“

Entscheidung vorerst vertagt

Loth schlug vor, zu dem Thema nun offizielle Stellungnahmen der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde einzuholen. Zwar hatte Flock bereits E-Mails verlesen, laut denen die evangelische Pfarrerin Sabine Nagel den Antrag unterstütze und der katholische Stadtpfarrer Engelbert Birkle einen Friedwald trotz Vorbehalten für „grundsätzlich denkbar“ halte. Doch diese liegen dem Rathaus nicht vor, wie Loth monierte.

Zudem will Loth bei einer Bürgermeister-Besprechung klären, ob es Möglichkeiten und Interesse für einen Naturfriedhof als „interkommunales Projekt“ gibt. Das hatte Petra Arneth-Mangano (SPD) vorgeschlagen. „Wir machen uns da mal schlau“, so Weilheims Rathaus-Chef. Die Entscheidung über den CSU/FDP-Antrag hat der Hauptausschuss in diesem Sinne vorerst vertagt – einstimmig.

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