+
Wie im Urwald sieht es auf der Baustelle des Finanzamtes in Weilheim aus. Seit Mitte Juni ruhen die Maschinen. Wann am Oberen Graben wieder gearbeitet wird, ist noch unklar. Ein Gutachter überprüft derzeit die Baumängel.

Ruine mitten in der Stadt

Baustopp beim Finanzamt Weilheim: Was ist los am Oberen Graben?

  • schließen

An der Baustelle des Finanzamtes in Weilheim herrscht Baustopp. das ganze Gelände wächst mehr und mehr zu. Was steckt dahinter?

Weilheim - Das Gestrüpp wuchert, die ersten Pflanzen bahnen sich ihren Weg durch die Lücken des Baugerüstes, die Abdeckplanen wehen durch die Luft. Auf der Baustelle des Finanzamtes am Oberen Graben in Weilheim herrscht Stille. Arbeiter sucht man vergeblich. Seit 11. Juni ist Baustopp. Dies bestätigte das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr auf Nachfrage des Weilheimer Tagblatts.

Die Baustelle am Oberen Graben schräg gegenüber des Ärztehauses existiert seit Mai 2017. Aus dem ehemaligen Gesundheitsamt, das bis zum Umbau Teile des Finanzamts beherbergte, soll zusätzlich die neue Finanzkasse werden. Dafür wird das Gebäude um ein viertes Stockwerk sowie insgesamt 340 Quadratmeter Nutzfläche erweitert. Auch ein Anbau für ein Servicezentrum soll entstehen.

Der Grund für den momentanen Baustopp sind Fehler des vom Staatlichen Bauamt Weilheim beauftragten Architekturbüros, erklärte Wolfgang Eichner, stellvertretender Leiter im Bereich „Hochbau“ beim Weilheimer Bauamt. Die für das vierte Stockwerk verwendete Holzkonstruktion sei nicht zulässig. Bei einer Baustellenbegehung Anfang Juni waren Sicherheitsbedenken aufgetreten. „Mit der Statik hat es nicht gepasst“, betont er. Bei einer vorherigen Durchschau der Architekten-Unterlagen war dies nicht aufgefallen. „Wir prüfen dabei nicht die Details – sonst bräuchten wir ja keinen Architekten einzustellen“, sagt Eichner. Zudem kamen Fehler bei der Schichtenfolge des Rohbaus zu Tragen. Diese hätten später womöglich Feuchteschäden ausgelöst. Die Folge: Eichner und Co. kündigten dem Architekturbüro. 

Seither ruhen die Baumaschinen. Ein externer Gutachter prüft derzeit, ob die bereits angebrachte Holzkonstruktion repariert werden kann oder gar komplett neu gebaut werden muss. „Je nachdem verfahren wir weiter“, sagt Eichner. „Eine Reparatur würden wir wohl selbst vornehmen, bei einem Neubau suchen wir uns erneut ein Architekturbüro.“ Auch die Höhe des finanziellen Schadens ermittelt der Prüfer, der seine Ergebnisse Ende September vorlegen will. Wer die zusätzlich entstandenen Kosten des ursprünglich auf 3,8 Millionen Euro bezifferten Projektes übernimmt, entscheidet ein Gericht. Für Eichner ist klar, dass der Architekt dafür aufkommt. „Wir sind der Auffassung, dass der Fehler ganz klar von ihm kommt.“

Die Bauzeit verlängert sich durch die Vorfälle um mehr als ein Jahr. Statt Anfang 2019 ziehen die betroffenen Mitarbeiter des Finanzamtes wohl erst Mitte 2020 in ihre neue Heimat um. Bei Wolfgang Waechter hält sich der Ärger darüber in Grenzen. „Klar, es ist bedauerlich, aber wir können es eh nicht ändern“, sagt der stellvertretende Leiter des Weilheimer Finanzamtes. Die Mietverträge mit den Ausweichbüros an der Bahnhofstraße, wo sich seit Beginn der Baumaßnahmen die Finanzkasse sowie die Bewertungsstelle befinden, würden nun entsprechend verlängert. Die mit dem Umbau einhergehende Bündelung der umliegenden Finanzkassen muss somit auch noch bis Mitte 2020 warten. Für Waechter jedoch kein Problem. „Das ist ja eher eine administrative Sache. Für den Steuerzahler hat diese Geschichte keinerlei Auswirkungen“, beteuert er. „Wir können unserer Arbeit nachgehen wie bisher.“

nutz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bernrieder Bürgermeisterkandidat wurde vom amtierenden Bürgermeister empfohlen
Die Überparteiliche Freie Wählergruppe (ÜFW) hatte zu einer Infoveranstaltung zum Thema „Wohnen in Bernried“ eingeladen. Moderiert wurde der Themenabend von Georg …
Bernrieder Bürgermeisterkandidat wurde vom amtierenden Bürgermeister empfohlen
Sicht vom Hohen Peißenberg bis zum Stuttgarter Fernsehturm
Wieder ein Monat, der zu warm ausfiel: Der November 2019 war nach dem Bericht der Wetterbeobachter auf dem Hohen Peißenberg 1,4 Grad wärmer als der …
Sicht vom Hohen Peißenberg bis zum Stuttgarter Fernsehturm
Gewalttat in Schule: 22 Schüler verletzt, einer muss ins Krankenhaus - Großeinsatz
Zehn Rettungswagen, drei Notärzte, 22Schüler mit Atem- und Kreislaufproblemen - das ist die vorläufige Bilanz eines Ausrasters in der Pausenhalle der Realschule …
Gewalttat in Schule: 22 Schüler verletzt, einer muss ins Krankenhaus - Großeinsatz
„GrAS“ für Seeshaupt
Für alternative Politik in Verbindung von Ökologie, lebendiger Demokratie und Gerechtigkeit setzt sich die parteifreie Wählervereinigung „Grüne Alternative Seeshaupt“ …
„GrAS“ für Seeshaupt

Kommentare