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Der „Pöltner Hof“ si eht sich mit Boykott-Vorwürfen konfrontiert. 

„Verletzt und beängstigt“

Weil er umstrittene Treffen zulässt: Wirt im Netz massiv angefeindet - nun folgt seine emotionale Reaktion

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Gut angelaufen ist das Geschäft im neuen Weilheimer Hotel und Restaurant „Pöltner Hof“, doch jetzt sieht sich Geschäftsführer und Wirt Reinhard Bott einem Boykott-Aufruf im Internet ausgesetzt. 

Weilheim – Lange Zeit hat die Weilheimer AfD ihre monatlichen Treffen beim Neuwirt in Oderding abgehalten, letztmals im Juli. Seit den Sommerferien ist das anders: Erstmals am 16. September traf sich die Partei im frisch eröffneten „Pöltner Hof“. „Wir wollten nach Weilheim, das ist besser als außerhalb in Oderding“, sagte Kreisvorsitzender Rüdiger Imgart.

Die regelmäßigen AfD-Besuche waren bisher kein Problem, doch vor rund zehn Tagen hat sich das geändert. Grund war eine Zeitungsanzeige der AfD-Landtagsfraktion zu einem Bürgerdialog „Sichere Städte statt sichere Häfen“, in dem unter anderem Express-Abschiebungen und ein Verbot des Familiennachzugs gefordert wurde. Die Veranstaltung fand am 9. Dezember im „Pöltner Hof“ statt. Tags darauf wurde ein Foto der Anzeige auf der Facebook-Seite des Hotel-Restaurants gepostet mit den Worten: „Ich bin wirklich sehr gern gekommen. Schöne Location, sehr gutes Essen, der Service wurde stetig besser seit Eröffnung. Wer aber der AfD im wahrsten Sinne Raum gibt, von dem distanziere ich mich deutlich. Wirklich schade. Aber es gibt Dinge, denen man mit null Toleranz begegnen sollte.“

Unser Kommentar zum ThemaRichtiges Ansinnen, falscher Weg

Diese Nachricht löste eine mittelgroße Schockwelle aus. Nicht nur auf der Pöltner-Hof-Seite, sondern auch auf der Facebook-Seite „Du kommst aus Weilheim...“ wurde über das Thema eifrig diskutiert.

Manche schlossen sich dem Boykott an („gehe auch nimma hin, geht gar nicht!), andere wiesen darauf hin, dass es sich bei der AfD um eine „demokratisch anerkannte Partei“, handelt, die nicht verboten sei: „Man muss wirklich nichts für die AfD übrig haben, aber man das Gefühl, hier wird ein Wirt von sogenannten Demokraten auf übelste Art und Weise gemobbt und an den Pranger gestellt.“

Weilheim: Wirt von Schärfe der Debatte vollkommen überrollt

Tatsächlich ist Wirt Reinhard Bott von der Debatte, die die vergangenen Tage noch an Schärfe zugenommen hatte, überrollt worden. Er sieht sich als Spielball einer politischen Kontroverse zwischen linken und rechten Gruppierungen – und hat jetzt die Notbremse gezogen. In einem langen Beitrag auf seiner Homepage betont er, dass man im „Pöltner Hof“ ein internationales Team aus sieben Ländern sei und deshalb „mit großer persönlicher Betroffenheit“ die vielen Kommentare lese, weil er die AfD bewirtet habe. Er habe die Veranstaltungen angenommen, weil er im Sinne des Grundgesetzes niemanden benachteiligen oder bevorzugen wollte – „und diese Haltung wird mir als Sympathie für rechtsextreme Politik ausgelegt“, so Bott. Davon distanziere er sich genauso wie die von der AfD vertretenen rechtsextremistischen politischen Inhalte.

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Von einigen persönlichen Angriffen fühle er sich „verletzt und beängstigt“, schreibt Bott, gibt aber zu, dass es im Nachhinein unüberlegt war, Veranstaltungen der AfD durchzuführen. „Ich entschuldige mich dafür, dass ich die Tragweite nicht bedacht habe.“ Um ein Zeichen zu setzen, werde er künftig keine Anfragen der AfD mehr annehmen. Diese Entscheidung habe er der AfD auch bereits mitgeteilt.

Kreisvorsitzender Imgart hat den Druck „mutmaßlich aus dem linken Lager“ auf den Pöltner Hof scharf verurteilt, gleichzeitig aber Verständnis für Bott geäußert. Dass der sich auf Facebook öffentlich entschuldige, überhaupt jemals an die AfD vermietet zu haben, ist für Imgart „Beleg für die schon an Nötigung grenzende Einschüchterung von außen“.

AfD-Chef Imgart übt massive Kritik an Entscheidung

„So etwas darf in einer Demokratie nicht hingenommen werden“, sagte Imgart. Vor allem vom Hotel- und Gaststättenverband erwarte er „eine deutliche Stellungnahme, die allen Wirten den Rücken stärkt, weil derartige Vorgänge nicht nur in Weilheim passieren“. Die AfD sei eine legitime demokratische Partei, die im Bundestag und in allen Landesparlamenten vertreten ist. Sie habe ein Recht, sich ungestört zu versammeln und sich am politischen Wettbewerb zu beteiligen.

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