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Der Angeklagter zeigte vor Gericht keine Reue. 

„Gipfel der Rücksichtslosigkeit“

Gestohlen, um Stelle zu bekommen - Anklagter (20) zeigt keine Reue

Wegen Diebstahls in Tateinheit mit zweimaliger falscher Verdächtigung verhängte das Amtsgericht Weilheim gegen einen 20-Jährigen einen einwöchigen Jugendarrest. 

Weilheim – „Die ganze Sache hier ist der Gipfel an Rücksichtslosigkeit“, schimpfte Jugendrichterin Claudia von Hirschfeld bei der Urteilsbegründung. Der 20-Jährige, der im Weilheimer Bürgerheim im Januar 2018 ein Praktikum begonnen hatte, stahl nachweislich in fünf Fällen Geldbörsen, Schmuck, und Wertgegenstände – zunächst aus den Taschen seiner Kollegen. In den unversperrten Umkleidekabinen wurde der Angeklagte fündig. Einen Teil seiner Beute entsorgte er sofort in diversen Mülleimern. Perfide war, dass er zwei Kollegen Diebesbeute unterschob und somit den Verdacht auf sie lenkte.

Auf die Frage der Richterin von Hirschfeld, warum er das gemacht habe, antwortete der junge Mann „Ich sah in dem einen Kollegen einen Konkurrenten.“ Der 20-Jährige wollte nach seinem Praktikum die einzige verfügbare Stelle im Bürgerheim bekommen. „Und deshalb haben Sie ihm etwas untergeschoben?“, fragte die Richterin nach. Der Angeklagte bestätigte das und gab an, sich an dem Diebesgut nicht bereichert zu haben. Bei einer Hausdurchsuchung fand man bei ihm diverse Scheckkarten aus den gestohlenen Geldbörsen.

Kurioses Verhalten bei der Vernehmung

Kurios war das Verhalten bei der ersten polizeilichen Vernehmung. Er nutzte eine Pause, um einen Teil seiner Diebesbeute im Mülleimer der Toiletten im Polizeigebäude zu entsorgen.

Im Zuge der Ermittlungen kam heraus, dass der Angeklagte auch Heimbewohner, die teilweise an Demenz litten, bestohlen hatte. Eine Tatsache, die die Richterin fassungslos machte. „So ein rücksichtsloses Verhalten ist einmalig in meinem Gerichtssaal“, sagte sie. Der zuständige Polizeibeamte sagte vor Gericht aus, dass man einen großen Teil des Diebegutes gar nicht mehr seinen rechtmäßigen Besitzern habe zuordnen können, da diese sich an ihre Wertsachen nicht mehr erinnerten.

Keine Erklärung für sein Verhalten

Der 20-Jährige konnte keine Erklärung für sein Verhalten abgeben: „Ich weiß nicht, was mit mir los war“, sagte er immer wieder. Er betonte nur, dass er sofort bei der Polizei seine Taten zugegeben hatte und sich nicht habe bereichern wollen, da er immer alles entsorgt habe. Insofern sah er sich nicht als besonders schuldig.

In seinem letzten Wort bat er um eine neue Chance und wies auf seine zwei unehelichen Kinder hin, die er zu versorgen habe. Unterhalt zahlen kann er nicht, da er arbeitslos ist. Als Berufswunsch gab er – ausgerechnet – Altenpfleger an.

Als das Urteil verkündet wurde, wollte es der junge Mann kaum glauben. „Wieso soll ich eine Woche in Arrest?“, fragte er und gab an, nur an den Wochenenden seine jüngste Tochter besuchen zu können. Da käme ihm der Arrest ungelegen.

Von Regina Wahl-Geiger

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