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Schließt bald: die K&L-Filiale in Schongau.

Kunden bald vor verschlossenen Türen

Mode-Kette K&L insolvent: Diese Filialen in Bayern schließen

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Ein beliebtes Modeunternehmen schließt bis Ende April in Süddeutschland 14 seiner 54 Filialen. Darunter ist Schongau. Knapp 220 Mitarbeiter sind insgesamt betroffen.

Weilheim/Schongau – Das Weilheimer Traditionsunternehmen K&L ergreift drastische Maßnahmen, um in ruhiges Fahrwasser zu kommen. Der Textilmode-Händler schließt zum 30. April 14 seiner 54 Filialen (eine Auflistung aller Filialen in Bayern finden Sie weiter unten). Betroffen sind knapp 200 Mitarbeiter, wie das Unternehmen bekannt gab. Darunter ist auch die Filiale in Schongau mit elf Beschäftigten. Dort sitzt der Schock tief.

Der Standort an der Bahnhofstraße gehört zu den kleineren im Portfolio und wurde 2009 eröffnet. Die weiteren Standorte in der Region, das Stammhaus in Weilheim (43 Mitarbeiter) und im Neidhart-Park (6) sowie die Filiale in Garmisch-Partenkirchen, stehen nicht auf der Liste. Allerdings werden auch in der Weilheimer Hauptverwaltung rund 20 Stellen gestrichen, 160 Beschäftigte verbleiben dort. Insgesamt beschäftigt K&L dann noch knapp 900 Mitarbeiter. Schon im November sorgte ein Plakat in Weilheim für Sorge.

Die Entscheidung ist Ergebnis der Neustrukturierung, die K&L-Geschäftsführer Jens Bächle seit September 2017 vorantreibt. Bächle hatte das Unternehmen von der Gründerfamilie Ruppert übernommen. Als Ursache für die Probleme wurden strategische Fehler der Vergangenheit, ein hart umkämpfter Modemarkt sowie das schlechte Geschäft mit der Winterkollektion im heißen Sommer 2018 genannt. 

Filiale von K&L in Schongau schließt für immer

Zudem schleppt das Unternehmen 18 Millionen Euro an Pensionsverbindlichkeiten mit. Diese Zahl nennt Dr. Christian Gerloff, der 2018 von der Gesellschafterversammlung in die Führungsspitze als Geschäftsführer/Chief Restructuring Officer (CRO) berufen worden war. Dank der Neuausrichtung bestehe jedoch ausreichend Liquidität, K&L sei bis Ende 2019 durchfinanziert, teilt die Firma mit.

Anfang Oktober hatte K&L mitgeteilt, dass es beim Amtsgericht Weilheim die Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens für eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht stimmte zu und eröffnete am 1. Januar das Insolvenzverfahren. Geschäftsführer Bächle bezeichnet es als „genau den richtigen Schritt zum richtigen Zeitpunkt bei rückblickender Betrachtung der Gesamtentwicklung im Textilmarkt im Herbst/Winter“. Unter Mithilfe von Gerloff, der Modehäuser wie Wöhrl und Escada beraten hatte, wurde in den vergangenen drei Monaten ein Sanierungskonzept erarbeitet.

Dazu wurden die Filialen auf den Prüfstand gestellt. Vergangenen Freitag unterzeichneten Geschäftsleitung und Betriebsrat einen Interessensausgleich samt Sozialplan für die betroffenen 220 Mitarbeiter. „Es waren keine einfachen Verhandlungen“, räumt Bächle ein. „Uns ist bewusst, dass von dieser Maßnahme auch viele langjährige Kollegen betroffen sind, die wesentlich dazu beigetragen haben, K&L mit aufzubauen“. Man habe deshalb mit dem Betriebsrat nach Lösungen gesucht, diesen Wegfall des Arbeitsplatzes soweit wie möglich abzumildern. 

Schließt bald: K&L-Filiale in Schongau.

Christian Strauß, Betriebsratsvorsitzender „Zentrale Verwaltung“ und Mitglied der Gesamtarbeitnehmervertretung, bezeichnet das Ergebnis als „vernünftige Lösung“. Es sei Ziel gewesen, „einen bestmöglichen Interessensausgleich zu schaffen“. Den Betroffenen wurde die „Veränderungskündigung“ bereits zugeschickt. Ihnen werden laut Strauß Arbeitsplätze in anderen Filialen angeboten. Allerdings handele es sich in der Mehrzahl um Teilzeitkräfte, nur ein Bruchteil werde das Angebot wohl annehmen. Ist dies nicht der Fall, wird die Kündigung zum 30. April wirksam – samt Abfindung.

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Wie lange das Insolvenzverfahren dauert, steht laut Anwalt Gerloff in den Sternen. Einher geht ein strategischer Umbau: K&L will sich breiter aufstellen, um eine größere Käuferschicht anzusprechen. Der Anteil der Eigenmarken werde reduziert, dafür Produkte anderer Hersteller aufgenommen. Sukzessive werden die 40 Filialen modernisiert. Zugleich ist K&L auf Investorensuche. Erste Angebote lägen vor, heißt es. Mit einem Ergebnis könne in den nächsten Wochen gerechnet werden.

Nach der Konsolidierung habe man „das Wachstum wieder im Blick“, kündigt Firmenchef Bächle an. Erste positive Anzeichen gibt es laut Unternehmen. „Unser Weihnachtsgeschäft ist sehr gut gelaufen“, bilanziert der Manager. Was auch für die ersten Wochen des neuen Jahres gelte. Allerdings rechnet die Firmenspitze wegen der Filialschließungen mit weniger Umsatz in den kommenden Jahren. Dieser wird sich laut Bächle jährlich auf rund 95 Millionen Euro einpendeln – allerdings dann rentabeler Umsatz. 2018 wurden rund 112 Millionen Euro erwirtschaftet, 2017 waren es rund 120 Millionen Euro.

Insolvenz von K&L - diese Filialen in Bayern sind betroffen

Die von der Schließung betroffenen K&L-Filialen liegen bis auf Schongau nicht im Oberland. Neben Bayern finden sie sich in Baden-Württemberg und Sachsen. Es handelt sich bei den Standorten laut Unternehmen um Verkaufsflächen zwischen 500 und 3200 Quadratmetern.

Folgende Filialen macht K&L zum 30. April dicht: Ingolstadt (Ludwigstraße), Straubing (Ludwigsplatz), Rosenheim (Münchener Straße), Mühldorf (Stadtplatz), Neu-Ulm (Bahnhofstraße), Hof (Karolinenstraße), Pfaffenhofen (Hauptplatz), Schongau (Bahnhofstraße), Ulm (Hirschstraße), Ulm/Blautalcenter (Blaubeurer Straße)), Bad Mergentheim (Johann-Hammer-Straße), Ellwangen (Spitalstraße), Ludwigsburg (Marstall) und Plauen (Postplatz).

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