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Einige Apotheken helfen jetzt auch bei Demenzerkrankung. 

Schulungen absolviert

Bei Demenzerkrankungen bekommt man jetzt auch in der Apotheke Hilfe angeboten

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Aufhalten lassen sich Demenzerkrankungen nicht. Doch sie lassen sich verlangsamen, sagt Apotheker Philipp Kircher. Um Betroffene und Angehörige beraten zu können, haben sich Mitarbeiter von sieben Apotheken im Landkreis im Rahmen des Projektes „Demenzfreundliche Apotheke“ schulen lassen.

Landkreis – Nicht selten bemerkt Philipp Kircher bei seinen Kunden erste Alarmzeichen. „Wenn Patienten beispielsweise immer wieder vergessen, wie sie Medikamente einnehmen müssen, kann das ein Hinweis auf eine beginnende Demenz sein“, sagt der Apotheker aus Peißenberg, der auch Pressesprecher der Apotheken im Landkreis ist.

Um Menschen mit einer Demenzerkrankung und deren Angehörige beraten zu können, haben sich Kircher und die Mitarbeiter der St. Ulrich-Apotheke in Peißenberg für das Projekt „Demenzfreundliche Apotheke“ schulen lassen. Seit dem 11. Juli trägt die Apotheke, ebenso wie sechs weitere Apotheken im Landkreis, ein entsprechenendes Siegel. Es soll regelmäßige Fortbildungen geben.

Auch für Angehörige sind Apotheken Ansprechpartner

„Wir wollen damit vor allem zwei Gruppen ansprechen: Patienten, die noch nicht an Demenz erkrankt sind, bei denen wir aber Signale erkennen – und außerdem die Angehörigen von Demenzkranken“, so Kircher. Viele Senioren seien regelmäßige Kunden. Mit dem Personal können sie sich in Beratungsräume zurückziehen.

„„Wir haben hier die Möglichkeit zur niedrigschwelligen Beratung. Es gibt relativ einfache Tests, die auf eine mögliche Erkrankung hinweisen. Beispielsweise kann man die Patienten in Siebener-Schritten von 100 runterzählen lassen – oder sie bitten, Begriffe, die man vorab aufgezählt hat, zu wiederholen“, sagt der Apotheker.

Bestätigt sich der Verdacht einer Erkrankung, wird der Patient an einen Arzt weiterverwiesen. „Die Hemmschwelle, direkt zum Arzt zu gehen, ist sehr viel höher. Oft sind sich die Kunden nicht bewusst, dass sie ein Problem haben“, so Kircher weiter.

Auch Angehörige sollen in den „demenzfreundlichen Apotheken“ Unterstützung finden. „Nicht nur Betroffene, sondern auch deren Angehörige wissen oft nicht, wie sie mit der Diagnose umgehen sollen. Die Apotheke um die Ecke kann eine erste Anlaufstelle sein“, sagt er.

Prävention ist besonders wichtig 

Wie Kircher erklärt, sei die Krankheit „ein Riesenthema“: Etwa zehn Prozent der über 65-Jährigen seien demenzkrank. Bis 2060 könnten es bis zu 30 Prozent werden. „Das liegt daran, dass die Leute immer älter werden – aber auch an schlechter Ernährung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Demenz begünstigen“, sagt er.

Prävention sei deshalb besonders wichtig. „Demenz ist bis heute nicht heilbar. Wenn die ersten Anzeichen da sind, ist die Krankheit nicht aufhaltbar. Aber sie lässt sich verzögern“, so der Apotheker. Wichtig sei neben gesunder Ernährung und viel Bewegung vor allem geistige Betätigung. Kreuzworträtsel, das Erlernen einer neuen Sprache oder musizieren könne helfen.

„In der vergangenen Woche habe ich einen Patienten auf erste Anzeichen angesprochen“, sagt Kircher, „er meinte, dass er sich dessen gar nicht bewusst war – und dass er bald einmal wieder nach München fahren und in ein Museum gehen will.“

„Demenzfreundliche“ Apotheken

sind bislang folgende Apotheken im Landkreis: Rigi-Apotheke in Hohenpeißenberg, St. Ulrich-Apotheke in Peißenberg sowie in Weilheim Ammer Apotheke, Bahnhof Apotheke, Center Apotheke, Apotheke St. Pölten und Stadt Apotheke. Gekennzeichnet sind sie durch ein Siegel sowie durch einen Verweis auf der Homepage.

VON MARION NEUMANN

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