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Neue Weilheimer Berufsschule: Radler werden ausgebremst — „Das war vorher ein durchgehender Radweg“

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Von: Magnus Reitinger

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Früher müssten Radler hier nicht bremsen, doch wegen der Zufahrt zum Berufsschulparkplatz gilt für sie an dieser Stelle des Narbonner Rings jetzt: „Vorfahrt gewähren“. en
Früher müssten Radler hier nicht bremsen, doch wegen der Zufahrt zum Berufsschulparkplatz gilt für sie an dieser Stelle des Narbonner Rings jetzt: „Vorfahrt gewähren“. © EMANUEL GRONAU

Der Radweg am Narbonner Ring gehört zu den Hauptrouten in Weilheim. Doch mit der neuen Berufsschule müssen sich Radler in diesem Bereich umgewöhnen – und bremsen.

Weilheim – Für die Stadtverwaltung ist die Sache klar: Wer längs des Narbonner Rings auf dem Radweg radelt, muss an der Einfahrt zum Berufsschulparkplatz geschützt werden – und wird deshalb mit dem Schild „Vorfahrt gewähren“ zum Bremsen aufgefordert. „Oberster Maßstab für die Verwaltung ist stets die Verkehrssicherheit aller Beteiligten“, erklärt Walter Weber, Leiter des Ordnungsamts im Weilheimer Rathaus. Und die sei hier nur mit dieser neuen Beschilderung gegeben. Denn seit Eröffnung der Berufsschule ist der Radweg in diesem Bereich mehr als sechs Meter von der Straße entfernt. Wer mit dem Auto in den Schulparkplatz ein- oder von dort ausfahre, könne wegen des großen Abstands kaum mehr erkennen, dass Radler an dieser Stelle Vorrang haben sollen – auch wenn kleine Schilder auf kreuzende Radfahrer hinweisen.

Radweg an Weilheimer Berufsschule: „Es geht nicht darum, Radler auszubremsen, sonder zu schützen“

„Es geht nicht darum, die Radler auszubremsen, sondern die Radler zu schützen“, verteidigte Sitzungsleiterin Angelika Flock (CSU) im Verkehrsausschuss des Stadtrates die neue Regelung, laut der Radfahrer dort Vorfahrt gewähren müssen. Doch andere Mitglieder übten heftige Kritik daran. „Vor dem Berufsschulbau war das ein durchgehender Radweg ohne Unterbrechung“, sagte Manuel Neulinger (Grüne), der Verkehrsreferent des Stadtrates: „Wenn wir durch solche Bauten immer wieder Unterbrechungen für unsere Radwege schaffen, entfernen wir uns von unserem Ziel durchgängiger Radrouten.“ Das widerspreche dem Anspruch, „fahrradfreundliche Kommune“ werden zu wollen.

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Dabei, so Neulinger weiter, wäre die Sicherheit für Radler an dieser Stelle auch zu gewährleisten, indem man dem Radverkehr Vorrang einräumt und Zweifel daran durch eine rote Markierung beseitigt. Dieter Schleiermacher vom Kreisverband des Fahrradclubs ADFC unterstützte das: Auch das Konzept des Landkreises besage, dass Radfahrer auf solchen Hauptrouten Vorrang haben sollten. Es sei „immer auch eine politische Entscheidung“, ob man Radverkehr priorisiere oder nicht, so der ADFC-Vertreter: Die Stadt solle hier „ein klares Zeichen setzen.“

Radweg an der Weilheimer Berufsschule: „Die Sicherheit der Radfahrer geht vor“

Radler an dieser Stelle auszubremsen, sei „nicht nachvollziehbar“, befand Roland Bosch (ÖDP): „Wenn die Stadt hier Vorrang für Radler will, ist das möglich.“ Problematisch sei indes, dass der Radweg dort aktuell nicht mehr erkennbar sei, weil er ohne eigene Spur über den Vorplatz der Berufsschule führt. Die Stadt sei hier seitens des Landkreises „nicht in die Planung einbezogen worden“, bemängelte auch Ordnungsamt-Chef Weber. Angesichts der jetzigen Situation sei die neue Beschilderung „zweifelsfrei richtig“.

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Für Horst Martin (SPD) wäre es „vielleicht sogar noch verkehrssicherer“, den Radweg rot zu markieren und für ein- und ausfahrende Autos „Vorfahrt gewähren“ anzuordnen. Dagegen warnte Gerhard Bäck von der örtlichen Straßenverkehrsbehörde vor Unfällen, „wenn man suggeriert, Radler dürfen dort bevorrechtigt fahren“. Auch Johannes Langer (CSU) warb dafür, bei der jetzigen Beschilderung zu bleiben: „Priorisierung hilft nichts, wenn es zu gefährlich ist.“ Ähnlich Roland Schwalb: „Die Sicherheit der Radfahrer geht vor“, sagte der BfW-Vertreter – und fügte an: Schon jetzt sei in Weilheim zu oft zu beobachten, dass Radler „einfach durchbrettern“.

Radweg an der Weilheimer Berufsschule: Vorfahrtsschilder bleiben vorerst

Letztlich entschied der Verkehrsausschuss einstimmig, die Schilder bei der Berufsschule vorerst so zu belassen, wie sie sind. Doch solle die Situation für Radfahrer dort in den kommenden Wochen „genau angeschaut“ und deren mögliche Priorisierung rechtlich geprüft werden. Dabei wird auch das Büro „Gevas“ befragt, das für die Stadt das Radverkehrskonzept erstellt hat.

Momentan sei die Regelung richtig, meinte in der Sitzung auch Michael Jahn, der Sachbearbeiter Straßenverkehr bei der Polizeiinspektion Weilheim. Bei solchen Bauvorhaben sollten freilich „von vorneherein die Verkehrsbehörden einbezogen werden“, merkte er an: Dann hätte man den Radweg in diesem Fall schlicht näher an die Straße gelegt. (mr)

Zur offiziellen Eröffnung der neuen Berufsschule, in der seit fast einem Jahr bereits der Betrieb läuft, kam kürzlich Ministerpräsident Markus Söder höchst persönlich und nahm in seiner Festrede Landrätin Andrea Jochner-Weiß aufs Korn. Was er genau sagte, lesen Sie hier.

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