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Firmenchef will hier Mitarbeiter-Wohnungen bauen - und sorgt damit für Angst bei den Nachbarn

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Von: Magnus Reitinger

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An der Ecke Am Öferl/Fischerried in Weilheim will Jürgen Bremicker das Bauvorhaben umsetzen. © Gronau

Neben seinem Betrieb am Öferl will der Weilheimer Unternehmer Jürgen Bremicker Wohnungen bauen und sie bevorzugt an Mitarbeiter vermieten. Bei Nachbarn lösen die Pläne Befürchtungen aus.

Weilheim – Die Begeisterung war groß, als Bremicker vor elf Monaten im Bauausschuss des Stadtrats seine Pläne für das Eckgrundstück Am Öferl/Fischerried vorstellte. Das Projekt habe „Vorbildcharakter“, sagte Bürgermeister Markus Loth (BfW); der beantragten Änderung des Bebauungsplans „Am Öferl“ wurde einmütig zugestimmt.

Drei größere Wohnhäuser mit insgesamt rund 30 Wohnungen will Bremicker auf dem bisher unbebauten Areal, das gegenüber seiner Firma und hinterhalb des Bahnhofs liegt, errichten – „rein privat“, wie er im Januar betonte. Doch würden keine Wohnungen verkauft, sondern alle zur Vermietung angeboten, und „Bremicker“- Mitarbeiter hätten dabei Vorrang. Zusätzlich ist, direkt zur Straße „Am Fischerried“ hin, ein „Boardinghaus“ vorgesehen, in dem beispielsweise Mitarbeiter befristeter Projekte kurzzeitig wohnen können. Für ein solches Angebot besteht Wirtschaftsvertretern zufolge dringender Bedarf in Weilheim.

Bremicker-Wohnungen: Stadt ist begeistert - die Anwohner weniger

An der positiven Haltung der Stadt zu den Plänen hat sich nichts geändert, wie sich nun in der Dezember-Sitzung des Bauausschusses zeigte. Doch im Verfahren zur Bebauungsplan-Änderung sind mehrere Einwände aus der Nachbarschaft eingegangen. Sie wurden in der Sitzung ausführlich besprochen, ehe es erneut einhellige Zustimmung gab. Beispielsweise befürchten die Eigentümer von höher liegenden Nachbargrundstücken, diese könnten durch die Neubaumaßnahmen abrutschen. Dem Bauherren, so die Antwort im Ausschuss, werde aufgegeben, die nötigen Vorkehrungen zu treffen; in der Weiterentwicklung habe der Planer den Hang schon entsprechend einbezogen.

„Kampfmittel-Experte“ soll Baggerarbeiten für Bremicker-Wohnungen begleiten

Auch baten Anlieger darum, die Bäume und Sträucher an den Grundstücksgrenzen zu erhalten – was Stadtbauamts-Mitarbeiter Stefan Kirchmayer unterstützte: „Das ist zwar weitgehend Wildwuchs, doch es wäre fast eine Sünde, das zu beseitigen.“ Der Erhalt wird im Bebauungsplan nun festgesetzt – „nicht jede einzelne Staude“, wie Loth betonte, „aber als Gruppe“. Einfriedungen dürfen im Bebauungsplangebiet maximal 1,20 Meter hoch sein, Mauern und Gabionenwände werden ausgeschlossen.

Zudem sind einige Nachbarn besorgt, dass bei den Bauarbeiten „Kampfmittel“ aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden könnten. Zwar sei bei bisherigen Arbeiten in diesem Bereich wohl nichts gefunden worden, so Loth, doch die Möglichkeit bestehe. Deshalb gelte die Empfehlung, dass bei Baggerarbeiten ein „Kampfmittel-Experte“ dabei sein soll.

Weitere Ängste der Anwohner: Baulärm und Wertminderung der Grundstücke

Andere Einwände von Anliegern bezogen sich auf Lärm in der Bauphase und durch die folgende Nutzung, auf Emissionen durch die geplante Tiefgarage, und auch eine Wertminderung der eigenen Grundstücke wird befürchtet. Doch laut Stadtbauamt ergeben sich „keine unzumutbaren Beeinträchtigungen“, das Neubauvorhaben nehme „hinreichend Rücksicht auf die Nachbarbebauung“, deshalb bleibe es bei dem Konzept.

Das Landratsamt fordert in seinen Stellungnahmen unter anderem, auf dem Gelände einen Kleinkinderspielplatz anzulegen – und einen durchgängigen Fußweg zum öffentlichen Spielplatz im Paradeis zu schaffen. Beides wird in den Bebauungsplan aufgenommen. Auch ist laut Landratsamt darauf zu achten, dass der Plan angesichts der neuen Wohnbauten nicht „zu Lasten des Gewerbes kippt“. Deshalb müsse das vorgesehene „Boardinghaus“ näher definiert werden – im Sinne einer gewerblichen Nutzung.

Dass die anderen Wohnungen vorzugsweise für „Bremicker“-Mitarbeiter gedacht sind, das will die Stadt mit einem städtebaulichen Vertrag regeln. Eine solche Festlegung sei wichtig, um die Besonderheit des Vorhabens herauszustellen, sagte BfW-Fraktionssprecher Dr. Claus Reindl. Denn es gebe immer wieder Bestrebungen, in Gewerbegebieten Wohnraum zu schaffen – was die Stadt aber zurecht meist „sehr restriktiv“ ablehne.

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