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Ab 15 Uhr war in den vergangenen Tagen die Weilheimer Innenstadt wie ausgestorben.

Online-Shops als vorübergehende Lösung

Brutaler Wandel im Handel - doch Unternehmer zeigen sich erfinderisch

Not macht erfinderisch – das gilt seit Mitte der Woche für alle Läden und Unternehmen, die auf staatliche Anordnung Distanz zu ihren Kunden halten und den Betrieb vorübergehend schließen müssen. Viele Geschäfte und Firmen im Landkreis machen sich das Internet zunutze und liefern ihre Waren nach Bestellung per Mail oder Telefon ins Haus.

Weilheim – Die Weilheimer Parfümerie Wiedemann verschickt ihre Cremes, Düfte und Pflegeartikel per Post und legt den Sendungen kleine Präsente wie Warenproben bei. „Das funktioniert sehr gut!“, freut sich Filialleiterin Regina Stoßberger, die ganz allein im zugesperrten Laden arbeitet und Kundenbestellungen von Altenstadt bis Herrsching entgegennimmt.

Dabei wechselt sie sich im Schichtbetrieb mit Kolleginnen ab, die jeden Abend die Päckchen zur Post bringen. „Bei einem Warenwert ab 15 Euro ist der Versand kostenlos“, so Stoßberger.

Kontaktvermeidung auch bei der Autoabgabe

„Unser Telefonservice ist Ihnen bei der Bestellung gern behilflich“, heißt es auf einem Schild bei K&L im Einkaufspark Neidhart. Unter der Rufnummer wird man um „einen Moment Geduld“ gebeten, es dauert dann aber doch einige Minuten, ohne dass jemand ans Telefon geht – offensichtlich sind die Leitungen überlastet.

Auf den direkten Draht zum Kunden verzichtet man auch bei S & W Automobile in Weilheim. Dort sind die Eingangstüren mit rot-weißen Absperrbändern versehen; auf einer Hinweistafel wird die „kontaktlose Fahrzeugabgabe“ erläutert: Wagen am Kundenparkplatz abstellen, Schlüssel und Serviceheft in die Auftragstasche stecken und in den Briefkasten werfen, später meldet sich dann ein Service-Mitarbeiter beim Autobesitzer.

Die Stühle in den Cafés werden auf absehbare Zeit gar nicht mehr genutzt werden können.

Auch bei der Schülerhilfe am Marienplatz sind die Unterrichtsräume verwaist; deshalb versuchen die Lehrkräfte von daheim aus, den Jugendlichen Online-Kurse anzubieten.

„Das fühlt sich alles wie in einem schlechten Katastrophenfilm an“, meint Rudolf Lengfelder, der in der Sparkasse gerade seine Geldgeschäfte am Automaten erledigt. Denn in der Schalterhalle mahnt ein Schild in blauer und roter Schrift: „Schützen Sie sich, schützen sie uns und nutzen unseren Serviceschalter nur in Notfällen!“

Kontrolle im Edeka-Markt: Hamsterkäufe werden unterbunden

Vor dem Stadtmuseum informiert ein Anschlag darüber, dass der Zugang zum Weilheimer Rathaus eingeschränkt und eine Hotline eingerichtet ist, falls sich Menschen wegen des Corona-Virus nicht mehr selbst versorgen können. Außer Stadtmuseum, -archiv, -bücherei und -theater bleiben auch Spiel- und Bolzplätze, Musikschule, Vereinsheime und viele andere Einrichtungen bis auf weiteres geschlossen.

Im Edeka-Markt werden pro Haushalt nur noch eine Packung Taschentücher und Toilettenpapier ausgegeben. „Wir kontrollieren das“, erklärt eine Kassiererin, „aber warum die Leute diese Sachen jetzt in Mengen horten, versteht niemand!“ Einige können es offensichtlich noch nicht recht glauben, dass die Läden tatsächlich zu sind. So rüttelt eine ältere Frau an der Tür des Schreibwarengeschäfts, weil sie ihren Lottoschein abgeben möchte. „Ich meide Orte mit vielen Menschen“, sagt sie, „aber Angst habe ich keine.“

Alle freuen sich, wenn sie die Kunden wieder persönlich begrüßen können

Wie viele andere Geschäfte verweist auch die Buchhandlung Zauberberg ihre Kunden auf den Online-Shop und versichert, dass bis 17.15 Uhr aufgegebene Bestellungen noch am gleichen Tag bearbeitet werden. „Wir sehnen schon jetzt den Tag herbei, wenn wir Sie wieder persönlich begrüßen dürfen“, ist im Fenster des Reisebüros Simader zu lesen.

Auch Photo-Bauer verbindet die Zwangsschließung mit freundlichen Worten: „Bleiben Sie uns gewogen – wir freuen uns schon sehr, Sie nach dieser Auszeit wieder bei uns begrüßen zu dürfen. Bleiben Sie gesund, alles Gute!“

Tahhan Mohanad arbeitet mit Mundschutz in seinem „Syria-Markt“ an der Schützenstraße.

Zu den wenigen Betrieben, die zur Versorgung der Bevölkerung von 9 bis 19.30 Uhr ohne Einschränkung offen bleiben dürfen, gehört der von Tahhan Mohanad. Der 60-jährige Syrer betreibt in der Schützenstraße den „Syria-Markt“ und trägt als Vorsichtsmaßnahme gegen Ansteckung Handschuhe und Mundschutz; dagegen ist das Kino gegenüber geschlossen.

VON PETER STÖBICH


Lesen Sie auch: Nicht nur die Ladenbetreiber trifft es dieser tage schwer. Auch die Busunternehmer im Landkreis Weilheim-Schongau bangen um ihre Existenz

Um noch Kunden zu bedienen und finanziell einigermaßen stabil zu bleiben, setzen viele im Landkreis Weilheim-Schongau jetzt auf Abhol- und Lieferdienste.

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