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Übersicht des Staatlichen Bauamts zu den Trassen.

Bürgerdialog zur Umfahrung: „Guter und schlechter Flächenverbrauch“

Der naturschutzfachliche Beitrag zur Voruntersuchung einer Entlastungsstraße für Weilheim stand im Mittelpunkt des letzten Themenabends, zu dem das Staatliche Bauamt Weilheim im Rahmen des Bürgerdialogs eingeladen hatte. Er stieß wieder auf großes Interesse.

VON BIANCA R. HEIGL

Weilheim – Auch dieses Mal kamen – trotz brütender Hitze – Vertreter aller Gruppierungen zu dem Gespräch, von Parteien und Verbänden ebenso wie von anderen Interessensgemeinschaften. Und so resümierte denn auch Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamts, dass diese Art des Bürgerdialogs Pilotcharakter hat: „Ich werde dies auch im Austausch mit anderen Behördenleitern vorstellen.“

Zu Beginn präsentierte Landschaftsarchitekt Ulrich Martini vom Büro Dr. Schober detailliert den naturschutzfachlichen Beitrag. Dabei ging er auf die Abgrenzung des Untersuchungsraumes ein, erläuterte die Datenerhebung, gab einen Überblick zum Bestand, zur FFH-Verträglichkeitsabschätzung und zur artenschutzrechtlichen Abschätzung sowie zu den möglichen Projektwirkungen und Maßnahmen. In die Untersuchung einbezogen wurden die Korridore der grundsätzlich realisierbaren Trassenführungen einer West- oder Ostumgehung und eines Zentrumstunnels.

Staatliches Bauamt: Trassenverschiebung zugunsten naturschutzrechtlicher Belange

Er wie auch Vertreter des Staatlichen Bauamts betonten in der anschließenden Diskussion, dass – egal bei welcher Variante – immer auch Trassenverschiebungen zugunsten der naturschutzrechtlichen Belange möglich seien. Aus dem Plenum gab es viele Nachfragen und Anmerkungen zu den Untersuchungsergebnissen.

So wies Reinhold Schuhmacher (Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos) darauf hin, dass im Weilheimer Moos 180 Vogelarten, davon 22 Brutvogelarten, sowie eine Vielzahl seltener Schmetterlinge ihren Lebensraum haben. Michael Lorbacher (SPD, Bauausschuss) hakte nach, ob es einen Vergleich der Trassen unter naturschutzrechtlichen Gesichtspunkten gebe. „Es gibt nicht die eine Trasse, die ich empfehlen kann“, erwiderte Ulrich Martini, wenngleich er einräumte, dass ein Tunnel natürlich nicht so stark in die Natur eingreife.

Themenabende: Sammeln von weiteren Informationen

Auf die Frage von Rupert Pentenrieder (BfW, Referent für städtisches Grün, Landwirtschaft und Forsten), wie ein Öko-Ausgleich erfolgen könne, antwortete Martini, dass auch ein Punkte-Verkauf vom städtischen Öko-Konto an den Bund möglich sei. Die Frage des Flächenverbrauchs brannte vor allem Peter Höldrich (BBV) auf den Nägeln. Helmut Hermann (BUND) monierte, dass ein Vorgängergutachten zu dem Schluss gekommen sei, eine Umfahrung im Westen sei nicht möglich. Hierzu konterten sowohl Martini als auch Uwe Fritsch und Andreas Lenker (Staatliches Bauamt), dass Sinn der Themenabende eben das Sammeln weiterer Informationen sei und auf der jetzt erreichten niedrigen Planungsstufe keine konkrete Trassenfindung gefragt sei, da diese noch in der Lage variabel sind.

Nachdem sich ihre Vorredner sehr auf die Westvarianten eingeschossen hatten, wollte Brigitte Holeczek (BfW) wissen, was denn im Osten sehr schützenswert sei. Daraufhin stellte Martini nochmals anhand der Kartierung klar, dass es in jedem Bereich, der von einer der möglichen Trassen betroffen ist, schützenswerte Güter aus naturschutzrechtlicher Sicht gebe, im Westen das Weilheimer Moos, im Norden und Süden die Ammer und im Osten den Dietlhofer See und das Gebiet Gögerl/Hechenberg. „Die Belangabwägung macht die Regierung und der Naturschutz ist nur einer dieser Belange!“, konstatierte er.

Eine stärkere Einbeziehung des Schutzgutes Mensch forderte Mona Helmenstein (BI „Weilheims Zukunft“), denn es sei nicht zu vernachlässigen, wie viele Menschen entlastet würden. Irmingard Kemmer (Landratsamt) bedauerte, dass eine veraltete Biotopkartierung den Erhebungen zugrunde liege. „Leider war die neue noch nicht freigegeben“, so Martini hierauf, „allerdings haben unsere Fachleute sehr wohl selbst die Flächen in Augenschein genommen.“

Stefan Zirngibl (CSU) merkte an, er habe das Gefühl, dass es ein guten und einen schlechten Flächenverbrauch gebe: „Wenn ein Radweg gebaut wird, ist der Flächenverbrauch gut, wenn es eine Straße ist, schlecht!“ Und Manfred Weber (FW) äußerte die Sorge, dass Schutzgüter aus monetären Gründen gefährdet sein könnten. Viele der Rückfragen und Einwendungen wiederholten bereits angesprochene Themen und so stellte Bürgermeister Markus Loth nochmals fest, dass es bei der Stadt keine Vorzugstrasse gebe: „Wir sind uns interfraktionell einig, dass wir die Bürger befragen wollen!“

Ergebnisse sollen im Oktober im Stadtrat vorgestellt werden

Einen Ausblick auf die kommenden Schritte gab Uwe Fritsch, der zugleich allen Beteiligten und Fachmann Martini dankte: „Der Naturschutz war einer der Belange, die wir nun alle in eine Matrixbewertung betrachten. Als nächstes werden wir uns mit dem Bund als Geldgeber abstimmen.“ Im Oktober, hofft er, könne man die Ergebnisse im Stadtrat vorstellen. Die Erkenntnisse der Infomärkte und Themenabende sollen im Herbst für sechs bis acht Wochen in der Stadt zu sehen sein. Und danach plant man ein weiteres Treffen mit den beteiligten Gruppierungen der Themenabende.

Lesen Sie auch: Themenabend des Staatlichen Bauamts zur „Umfahrung Weilheim“: Jede Trasse hat ihre Tücken

Und: Umfahrung Weilheim: Viele Fragen an Gutachter Kurzak

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