Für eine Foto-Aktion postierten die Kunstforum-Vorstandsmitglieder Susanne Kohler und Wolf Schindler die Virus-Verbotsschilder an verschiedenen Stellen Weilheims.
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Für eine Foto-Aktion postierten die Kunstforum-Vorstandsmitglieder Susanne Kohler und Wolf Schindler die Virus-Verbotsschilder an verschiedenen Stellen Weilheims.

Kunstaktion in Weilheim

Das Corona-Virus wird jetzt einfach verboten

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Warum ist die Menschheit da nicht früher drauf gekommen? Das Corona-Virus gehört schlichtweg verboten! Ein Würzburger Künstler hat dafür jetzt ein Verkehrszeichen entwickelt. Produziert wird es in Weilheim, verbreitet werden soll es in der ganzen Welt.

Weilheim – Meint der Typ das ernst? Das fragt sich, wer auf YouTube das Interview mit Sieghart Böhme zu seiner „Aktion Virus-Verbot“ anschaut. „Seit über einem Jahr können wir beobachten, dass die Bevölkerung und unsere Politiker mit der Bekämpfung der Seuche nicht klarkommen“, lächelt der freundliche Franke hoch seriös in die Kamera: „Schimpfen, Impfen, Mallorca, das funktioniert nicht. Wir brauchen klare Spielregeln. Und ich denke, es gibt nichts Besseres als ein eindeutiges, unmissverständliches Virusverbotsschild.“

Also hat Böhme – von Beruf Rechtsanwalt, aber nicht nur nebenbei Künstler – dieses Schild entwickelt: ein Verkehrszeichen, auf dem ein Virus in einem roten Verbotskreis prangt, angelehnt an das aus der Straßenverkehrsordnung bekannte Schild „Verbot von Viehtrieb“. Hergestellt wird es von der Weilheimer Firma „Bremicker Verkehrstechnik“, erste Exemplare waren in Böhmes Heimatorten Höchberg und Würzburg zu sehen, und bald soll es weltweit zum Einsatz kommen. „Nach Angaben von Epidemiologen läuft es darauf hinaus, die Tafel schneller zu verbreiten als das Virus“, schreibt der Urheber in einem Infoblatt. „Anderenfalls bestünde kaum eine Chance, die Seuche in absehbarer Zeit einzudämmen.“

Der Initiator der „Aktion Virus-Verbot“: Sieghart Böhme.

Einige Künstlerkollegen vom Kunstforum Weilheim konnte Sieghart Böhme mit seiner Idee schon mal anstecken. Er ließ ihnen zwei Verkehrsschilder zukommen, die die Vorstandsmitglieder Susanne Kohler und Wolf Schindler kürzlich für eine Foto-Aktion nutzten: Sie hängten die Tafeln kurz an mehreren Stellen in der Innenstadt auf und machten Bilder davon – die wiederum virtuell Kreise ziehen sollen. Fest installieren dürfe man das Schild ja allenfalls auf Privatgrund, erklärt Kohler und hofft, dass sich ein Platz dafür findet: „Ich fände es gut, wenn irgendwo in der Stadt permanent so ein Schild hängen würde.“ Auch für weitere Kooperationen zu diesem Kunstprojekt wäre sie offen.

Anknüpfungspunkte gibt es in Weilheim allemal. Bereits 2014 hat das Kunstforum – mit freundlicher Unterstützung von Bremicker – eine große Gemeinschaftsausstellung mit künstlerisch verfremdeten Verkehrsschildern gestaltet. Die sehr sehenswerten Ergebnisse dieses Projekts sind heute noch in einem Katalog sowie auf der Website www.kunstforum-weilheim.de zu begutachten.

An Böhmes „Aktion Virus-Verbot“ gefällt Susanne Kohler insbesondere die Zweideutigkeit: „Ein Schild hat in Deutschland ja so was Ernstes, das muss man ernst nehmen“, erklärt die Kunstforum-Vorsitzende. Zugleich wisse man in diesem Fall nicht, wie ernst gemeint die Sache sei. „Das hat so was Dadaistisches, das lässt so ein großes Fragezeichen“, lobt Kohler – „das gefällt mir“.

Kleine Verwirrspiele sind eine Spezialität von Sieghart Böhme, der den „Kunstfreunde 1971 Estenfeld/Würzburg“ vorsteht. Vor vier Jahren zeigte er in einer Ausstellung Plakate für „Veranstaltungen, die niemals stattfinden werden“. Statt zum Wale-Beobachten im Ozean lud da zum Beispiel ein fiktives Veranstaltungsplakat zum täglichen „Wels Watch“ unter der Alten Mainbrücke in Würzburg. Und bei der Vernissage flunkerte der zeichnende Jurist laut „Main-Post“ gewitzt von einem angeblichen Konzeptkünstler aus Kolumbien, der den Funkmasten von einer bekannten unterfränkischen Anhöhe auf Iphofens Marktplatz versetzen und kräftig einfärben wolle. In Zukunft sei von diesem noch „Großes zu erwarten“.

Wie groß die „Aktion Virus-Verbot“ wird, wird man sehen. „Einer der wenigen positiven Effekte der Pandemie ist, dass sie die Phantasie des Künstlers anregt“, meint Böhme. Und fügt in seinem Infoblatt an: „Der Gedanke liegt nahe, dass das neue Verkehrszeichen ebenfalls nur dem Bereich der schönen Erfindungen angehört und es den Betrachter lediglich von der einfachen Lösung eines existentiellen Problems träumen lassen soll. Virus verbieten, Party feiern! Oder so ähnlich.“

mr

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