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Was ist wichtiger: Energiewende oder Stadtbild?

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Von: Magnus Reitinger

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Aufgeständerte Photovoltaik-Module an der Hausfassade: Was es andernorts bereits gibt – hier ein Beispiel in Riemerling bei Hohenbrunn –, wäre in Weilheim ein Novum. Der Bauausschuss sieht ein Gestaltungsproblem.
Aufgeständerte Photovoltaik-Module an der Hausfassade: Was es andernorts bereits gibt – hier ein Beispiel in Riemerling bei Hohenbrunn –, wäre in Weilheim ein Novum. Der Bauausschuss sieht ein Gestaltungsproblem. © mm-Archiv

Was ist wichtiger: das Ortsbild oder ein Beitrag zur Energiewende? Diese Frage stellt sich für die Stadt im Falle einer Photovoltaik-Anlage, die ein Weilheimer an der Fassade seines Hauses montieren möchte, und zwar „aus der Außenwand gekippt“. Das wäre ein Novum in Weilheim – und ist höchst umstritten.

Weilheim – Es wäre wohl die einzige Möglichkeit, dieses Reiheneckhaus im Bereich Römerstraße / Am Eselsberg sinnvoll für Solarenergie zu nutzen: Weil es auf dem Dach „wegen zahlreicher Giebel kaum möglich wäre“ – wie es jüngst im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates hieß –, möchte der Eigentümer Photovoltaik-Module an der Südfassade des Hauses anbringen: jeweils um 60 Grad „aus der Außenwand gekippt“.

Zwar sei die Errichtung einer PV-Anlage prinzipiell verfahrensfrei zulässig, erklärte das Stadtbauamt, doch das entbinde nicht von der Einhaltung anderer Vorschriften. So müsse die Anlage „dem Hauptgebäude untergeordnet sein“ und es gelte „auf die äußere Gestaltung des Gebäudes Rücksicht zu nehmen“. Sprich: Das Orts- und Straßenbild dürfe nicht verunstaltet werden.

Folgefälle in ganz Weilheim erwartet

An sich gehören Solaranlagen natürlich längst zu Weilheims Stadtbild dazu und sind seitens der Lokalpolitik explizit gewünscht. Doch die hier geplante, an der Außenfassade aufgeständerte Version wäre „für das Stadtbild neu“ und würde Folgefälle in ganz Weilheim nach sich ziehen, sagte Manfred Stork, der Leiter der Bauverwaltung im Rathaus. Er riet im Ausschuss von einer solchen Aufständerung ab: „Das ist etwas, was wir ortsplanerisch nicht wollen – bei aller Liebe zur Photovoltaik und allen Bemühungen um die Energiewende“.

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BfW-Fraktionssprecherin Brigitte Holeczek sah es ähnlich: „Da müssen wir wirklich auch das Gestalterische berücksichtigen, sonst tun wir uns keinen Gefallen.“ PV-Module senkrecht an der Fassade, das wäre ihrer Meinung nach in Ordnung. Immerhin hat die Stadt zwischenzeitlich auch so genannten Stecker-Solaranlagen zugestimmt, die senkrecht an Balkonen installiert werden. Doch an dem genannten Eckhaus ergäbe sich ohne ein Kippen nach außen wohl nicht der nötige Wirkungsgrad.

Es geht um eine Grundsatzentscheidung

„Natürlich wäre es ein neues Bild“, meinte Horst Martin (SPD) zu der Anfrage des Bauwerbers. „Aber wenn wir die Energiewende wollen, müssen wir für was offen sein.“ An dieser Stelle wäre die Aufständerung denkbar, betonte Martin, und war sich darin mit Gerd Ratter (ÖDP) einig. „Hier könnte ich es mir auch vorstellen“, sagte Marion Lunz-Schmieder (CSU). Doch es gehe um eine grundsätzliche Entscheidung – und an vielen Stellen Weilheims sei eine solche Anlage an der Fassade „nicht vorstellbar“. Wobei die CSU-Sprecherin betonte: „Wir streiten hier nicht um Geschmack, es geht um eine gestalterische Frage.“

So „gewöhnungsbedürftig“ die gewünschte PV-Anlage auch wäre, rundweg ablehnen wolle er sie nicht, erklärte Alfred Honisch (Grüne). Es stelle sich die Frage: „Wollen wir die Energiewende oder wollen wir sie nicht?“ Vielleicht wäre doch eine andere Anordnung der Module möglich, „und sie müssen auch nicht pechschwarz sein“, so Honisch. Darüber solle mit dem Antragsteller noch einmal gesprochen werden.

Stadt sucht jetzt das Gespräch

So wird es nun auch gemacht, war sich der Bauausschuss einig und vertagte die Entscheidung vorerst. Die Verwaltung soll zudem Erfahrungen anderer Orte erfragen. Das hatte Grünen-Sprecher Manuel Neulinger angeregt: „Weilheim ist wahrscheinlich nicht der erste Ort, wo solche Anträge gestellt werden.“ Bezüglich klarer Kriterien, die es hier dringend brauche, gebe es womöglich „Blaupausen, die man übernehmen könnte“.

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