Der bisherige Entwurf des Bebauungsplans „Nördlich der Geistbühelstraße“  in Weilheim
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Der bisherige Entwurf des Bebauungsplans „Nördlich der Geistbühelstraße“ sah die geplante Kindertagesstätte direkt an der Bahnlinie (links im Bild) vor. Nun wird überlegt, diese eher im mittleren Bereich, zwischen den vorgesehenen Wohnbauten, zu platzieren. Dann könnte auch der Radweg – wie derzeit – direkt auf Höhe der Einmündung Schwaigerstraße durch das künftige Neubaugebiet geführt werden.

Bebauung nördlich der Geistbühelstraße

Weilheim: Ein bisschen Umplanung am Dietmayr-Anger

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Die Grundzüge für die geplante Bebauung zwischen Pöltner Kirche, Bahnlinie und Geistbühelstraße sind fix: Rund 270 Wohnungen, eine Kita und ein Park sollen dort entstehen. Doch was die Anordnung der Neubauten betrifft, lässt die Stadt nun Alternativen prüfen. Grund dafür sind „neue Erkenntnisse“.

  • Das Baugebiet nördlich der Geistbühelstraße soll ein Vorzeigeprojekt in Sachen Nachverdichtung werden
  • Über 1000 Weilheimer machten bei der Bürgerbeteiligung Vorschläge zur Gestaltung
  • Doch parallel dazu ging bereits ein Bebauungsplan-Entwurf ins Verfahren

Weilheim – Mit ihren Dimensionen und auch mit den angestrebten Zielen in Sachen Nachhaltigkeit ist die Bebauung des als „Dietmayr-Anger“ bekannten Areals eindeutig Weilheims Groß- und Vorzeigeprojekt in Sachen Nachverdichtung. So wurde im Sommer eine aufwendige Bürgerbeteiligung unter dem Motto „Neues wagen“ durchgeführt. Dass parallel dazu bereits die erste Runde des Bebauungsplanverfahrens lief, hat auch das ein oder andere Stadtratsmitglied etwas verwundert, wie in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung deutlich wurde – vor allem aber den AK „Stadtentwicklung“ der Weilheimer „Agenda 21“ (siehe unten).

Insgesamt 21 Stellungnahmen sind im Rahmen der Behördenbeteiligung und der öffentlichen Auslegung des Entwurfs eingegangen. Sie wurden in der November-Sitzung des Weilheimer Bauausschusses vorbesprochen, doch im Grunde ist der Entwurf schon nicht mehr aktuell, wie deutlich wurde. „Aufgrund neuer Erkenntnisse“, so hieß es geheimnisvoll seitens des Stadtbauamtes, müsse „der Bebauungsplan insgesamt überarbeitet werden“.

„Charta“ für Weilheims Baugebiete entwickelt

Zum einen liege inzwischen der Entwurf der „Charta“ vor, die im Rahmen der Bürgerbeteiligung erarbeitet wurde und Vorbild auch für weitere Weilheimer Bauprojekte sein soll; die Ergebnisse würden demnächst vorgestellt. Der Rücklauf dafür war übrigens gewaltig: Über 1000 Postkarten hätten Weilheimer ans Rathaus geschickt, sagte Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt-Sommer, und 165 E-Mails seien eingegangen.

Kommt die Kita nun zwischen die Wohnhäuser?

Zum anderen wird neuerdings überlegt, die Kindertagesstätte – die bislang am West-Ende des Areals, direkt an der Bahnlinie, eingezeichnet ist – stattdessen mitten im Baugebiet vorzusehen. So könnten laut Stadtbauamt „mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen“ werden: Die sehr teure Verlegung von Hauptleitungen (insbesondere des Abwasser-Hauptkanals), die sich unter dem jetzigen Geh- und Radweg in Verlängerung der Schwaigerstraße befinden, würde entfallen. Und auch der Radweg selbst könnte weiterhin auf direktem Weg durch das Neubaugebiet geführt werden – und nicht mit einem Versatz, wie es im bisherigen Entwurf der Fall ist und von vielen moniert wird.

An der Bahnlinie, erläuterte Roppelt, wäre als Schallschutz „ein höherer Baukörper als eine zweigeschossige Kita nötig“. „Eine Ausführung des Kindergartengebäudes als Riegelbebauung reicht keinesfalls aus“, schreibt auch der Agenda-AK „Stadtentwicklung“ in seiner Stellungnahme – und fordert, „den Bebauungsplan um das Gebot eines aktiven Schallschutzes an der Bahnlinie zu ergänzen, um die gesetzlich geforderten Grenzwerte einhalten zu können“. Zudem müsse die Stadt das Thema „Elektrosmog“ nahe den Bahngleisen „durch eine fachlich kompetente Stelle abklären lassen“. Ein entsprechendes Gutachten werde in Auftrag gegeben, hieß es dazu im Bauausschuss.

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Zwar gab es einige inhaltliche Einwände von Anwohnern (etwa bezüglich der Massivität der Neubauten, des Verlusts von Retentionsfläche für Hochwasser oder befürchteter Verkehrsprobleme), doch die Stellungnahmen seien fast durchweg „sehr sachlich“, hob BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek im Ausschuss hervor. Daran zeige sich, so fügte Klaus Gast (CSU) hinzu, dass das Vorgehen samt offensiver Bürgerbeteiligung „sehr richtig war“. Wenngleich der Bauausschuss einstimmig die Stadtverwaltung beauftragte, das Ganze im Sinne der neuen Erkenntnisse noch mal zu überplanen: An den Grundzügen – also an rund 270 neuen Wohnungen, einer Kita und der Schaffung eines „Bürgerparks“ – dürfte sich nichts mehr ändern.

Empfehlung für einen Kreisverkehr

Holeczek mahnte an, die Planungen in Sachen „Regenrückhalt“, die auch das südlich gelegene Viertel betreffen, schon parallel zum Bebauungsplanverfahren voranzutreiben. Ebenso, da war man sich einig, brauche es frühzeitig Lösungen für den zusätzlich zu erwartenden Verkehr. Ein erster Zwischenbericht des mit der Untersuchung beauftragten Fachbüros empfehle für die Kreuzung Geistbühelstraße/Pollinger Straße einen Kreisverkehr, berichtete Bauverwaltungs-Leiter Manfred Stork. Demnach würde dort eine Ampel-Anlage „wesentlich mehr Rückstau erzeugen“.

Auch ist angedacht, auf der Geistbühelstraße die Fahrbahn zu verengen und mehr Raum für Fußgänger und Radler zu schaffen. Viele Anwohner wollten wissen, „wo dann die Längsparker an der Geistbühelstraße hinwandern“, sagte Alfred Honisch (Grüne). Das sei ein schwieriger Spagat, antwortete Stork seitens der Stadtbauamtes: Einerseits wolle man die Zahl der Autos in Weilheim gern reduzieren, andererseits fehlten bei älteren Wohnbauten meist Stellplätze, weshalb Anwohner auf der Straße parken. Doch die Geistbühelstraße müsse für Autos „so unattraktiv wie möglich“ werden, auch um Schleichverkehr zu verringern. Und laut Stork wäre es auch „Sinn und Zweck der ganzen Sache, dass der ein oder andere auf sein Zweit- oder Dritt-Auto verzichtet, weil er keinen Stellplatz an der Straße findet“.

Am Donnerstag diskutiert der Stadtrat

Die Bebauung „Nördlich der Geistbühelstraße“ wird auch in der Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag, 19. November, behandelt – ab 18.30 Uhr in der Stadthalle Weilheim.

Agenda-AK: „Wir wurden faktisch ausgeschlossen“

„Eigenartig“ nennt der Arbeitskreis „Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen“ der Weilheimer Agenda 21, dass zeitgleich zur aufwendigen Bürger-Information und -Beteiligung zur geplanten Bebauung nördlich der Geistbühelstraße „bereits der fertige Bebauungsplan-Entwurf“ ins Verfahren ging. Zudem moniert AK-Sprecher Peer Prechtel in der an Weilheims Bürgermeister und den Stadtrat adressierten Stellungnahme, aus der Presse erfahren zu haben, dass mehrere „Expertenrunden“ und „Runde Tische“ zur gemeinsamen Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie veranstaltet wurden, jedoch sein Arbeitskreis über das Vorhaben nicht informiert und nicht beteiligt worden sei. „Der AK bringt sich seit 20 Jahren konstruktiv in Sachen nachhaltiger Stadtentwicklung ein und hätte sich gerne fachkundig engagiert“, so Prechtel: „Die Weilheimer Agenda 21 ist eine Einrichtung der Stadt, und dennoch wurde der AK Stadtentwicklung bei der bislang größten Stadtentwicklungsmaßnahme Weilheims faktisch ausgeschlossen. Dies ist für uns nicht nachvollziehbar und erfordert eine Erklärung.“ Das Schreiben des Arbeitskreises wurde in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung im Rahmen der Abwägung der Einwendungen zum Bebauungsplan-Entwurf behandelt. Dabei wurde die Rüge zum Verfahren vom Stadtbauamt zurückgewiesen – mit dem Hinweis, die praktizierte Bürgerbeteiligung sei „weit über das übliche Maß hinausgegangen“. Doch zum Vorwurf, der AK sei an den „Expertenrunden“ und „Runden Tischen“ nicht beteiligt worden, gab es keine Erklärung.

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