150 Jahre Eisenbahn

Auch Frauen schufteten beim Bau

Weilheim - Nicht im Stadt-, sondern im Pfarrarchiv liegen die meisten Schriftstücke zum Bau der Weilheimer Bahn. Und die bieten neue Details.

Man brauche die Eisenbahnlinie, „um die Bewohner des Bayerischen Oberlandes zur Kultur zu ermuntern“. Mit dieser Begründung aus dem kratzfüßigen Ansuchen der „Stadtgemeinde Weilheim“ beim „allerdurchlauchtigsten, großmächtigen König und Herr“ um Genehmigung des Bahnbaus sorgte Historiker Dr. Joachim Heberlein bei einem Vortrag bei „Pro Bahn“ zum 150-Jährigen der Zugverbindung nach Weilheim für Heiterkeit.

Doch er wusste auch Ernstes: Bei Wilzhofen gab es drei Erdrutsche, bei einem wurde Antonio dell’Agnese aus dem italienischen Castelnovo del Friuli im September 1863 verschüttet. „Er war der erste Eisenbahntote unserer Gegend“, sagte Heberlein, der erste von insgesamt 36 Verstorbenen aus dem Tätigkeitsbereich der Bahn im Bereich der Pfarrei Weilheim, darunter 18 Kinder und drei Frauen. Die Hilfsarbeiterinnen wurden als „die Schubs’n“ bezeichnet. Sie schoben die Schnappkarren nach, mit denen Männer Kies auf die Trasse zogen.

Der damalige Stadtpfarrer Carl Böhaimb notierte auch die üble Nachrede gegen zugezogene Arbeiter, zumeist Italiener. Dabei aber seien diese recht fleißig, während ein Großteil der Händel und Trunkenheitsfälle eigentlich auf Oberpfälzer Bahnarbeiter oder gar auf Einheimische zurückgehe. Dennoch sorgte sich der Stadtpfarrer wegen der Fremden um den Verfall der Moral. „Er musste 20 ledige Bahnarbeiterkinder verzeichnen, denen Namen wie Rufina und Sidonia gegeben wurden“, so Heberlein.

Neben Böhaimbs handschriftlichen Notizen brachte er noch ein besonderes Fundstück ans Licht: den Original-Fahrplan des Eröffnungsmonats. Sogar das lateinische Skript zur separaten Segnung der Signal-Telegrafen liegt säuberlich im Original im Pfarrarchiv vor.

Am großen Tag selbst, am 1. Februar 1866, wurde der erste Zug in Wilzhofen mit festlichen Kanonenschüssen und einem Auftritt der Schuljugend begrüßt. Und auch die Kreisstadt hatte sich herausgeputzt: „Ganz Weilheim war auf den Beinen“, so das Resümee. „Und sogar die Bahn wusste damals zu feiern“, bemerkte Heberlein und rezitierte süffisant, wie der Bahnhof damals auf Kosten der Bahndirektion mit Tannengirlanden, Wappen und Fähnchen geschmückt wurde. Betrübt über die Fertigstellung der Strecke Tutzing-Unterpeißenberg seien Weilheims Wirte gewesen, denn mit der Entlassung der Bahnarbeiter am 29. Januar 1866 verloren sie viele Kunden. Kaum besser erging es dem Posthalter, der im heutigen „Echter“ Kutschen, Pferde und Menschen umsorgt hatte. Immerhin: Zum Ausgleich wurde ihm die Pacht der neuen Bahnhofsrestauration angetragen.

-Andreas Bretting-

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