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Weilheim: Soll das Erdbeerfeld zum Solarpark werden?

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Von: Magnus Reitinger

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Ein Solarfeld möchte ein Investor aus diesem Gelände in prominenter Lage an Weilheims Südrand machen.
Ein Solarfeld möchte ein Investor aus diesem Gelände in prominenter Lage an Weilheims Südrand machen. © Gronau

Ein neuer großer Solarpark am Südrand von Weilheim, direkt neben den dortigen Wohnhäusern? Diese Bauanfrage spaltet Weilheims Bauausschuss. Jetzt wird erst mal ein Konzept abgewartet, in dem das Rathaus prinzipiell die Kriterien für solche Projekte absteckt.

Weilheim – Der Boom in Sachen Solarparks in Weilheim hält an: Für zwei große Projekte an der Staatsstraße westlich von Tankenrain gab die Stadt im Frühsommer grünes Licht. Kurz darauf hat der Bauausschuss des Stadtrates im Juli drei weitere potenzielle Solarwiesen auf Weilheimer Flur diskutiert – je ein neues Projekt in der Lichtenau und im Weilheimer Moos sowie eine Erweiterung der bereits bestehenden Anlage zwischen Jörg-Ganghofer-Straße und Trifthof-Anbinder im Süden der Stadt. Letztere hat der Stadtrat bereits abgesegnet.

Die Anlage brächte Strom für 500 Haushalte

Und kaum traf sich der Bauausschuss vergangenen Dienstag zur ersten Sitzung nach der Sommerpause, lag die nächste Anfrage auf dem Tisch: Die Schwabsoiener Volllast GmbH, die in Weilheim bereits eine Solarwiese an der Bahnlinie bei Unterhausen betreibt und auch hinter einem der beiden neuen Projekte westlich von Tankenrain steckt, plant schon die nächste Anlage vor Ort: Auf dem zuletzt als Erdbeerfeld genutzten Grundstück zwischen Pollinger Straße und Prälatenweg, direkt neben den Wohnhäusern südlich der Waxensteinstraße, würde Volllast gern 144 Modultische mit insgesamt 3450 Solarmodulen aufstellen. Auf zwei Hektar Fläche, so rechnete die Firma vor, würden damit jährlich ca. zwei Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt – so viel, wie etwa 500 Haushalte verbrauchen.

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Doch angesichts der „prominenten Lage“ hat Manfred Stork, der Leiter der städtischen Bauverwaltung, „erhebliche Probleme“ mit dieser Vorstellung: So wichtig die Bemühungen zur Energiewende seien – „das ist einfach der falsche Platz dafür, zu nah am Stadtgebiet“. Auch würde man sich mit einer solchen Nutzung dort „lange binden“. Auch Stadtbaumeisterin Katrin Fischer sieht die vorgelegte Planung „zu nahe an der Bebauung“. Es handle sich um eine „nicht unerhebliche Fläche“, die mehr Abstand zu den Wohnhäusern verlange.

Die Bewohner dort haben kein Anrecht auf schönen Ausblick.

FDP-Stadträtin Saika Gebauer-Merx

FDP-Vertreterin Saika Gebauer-Merx hielt dagegen: Die Bewohner dort hätten „kein Anrecht auf schönen Ausblick“, und ohnehin würde das Areal „irgendwann bebaut“. Derzeit aber brauche man Photovoltaik-Anlagen, deshalb solle man das Projekt „genehmigen wie beantragt“. Auch Alfred Honisch (Grüne) plädierte „massiv dafür, diese Anlage weiterzuverfolgen“ – und fügte an: „Wenn ich da wohnen würde, wäre ich froh um diese Nutzung, weil dann auf 25 Jahre keine andere, höhere Bebauung kommen würde.“ Gerd Ratter (ÖDP) missfiel an den Plänen nur, dass keine „Agri-PV mit vertikalen Modulen“ vorgesehen ist; die wäre seiner Ansicht nach „auch an dieser Stelle richtig“.

BfW-Vertreter warnt: „Das wäre wie ein schwarzer Wall vor der Stadt Weilheim“

Der Standort sei „optimal“ für eine Solarwiese, befand Horst Martin (SPD), denn hier gebe es „bessere Einspeisemöglichkeiten als irgendwo draußen“. Dazu meinte Bürgermeister Markus Loth (BfW): „Das wissen wir nicht.“ Martin aber blieb dabei: „Wenn wir die Energiewende wollen, und wir haben eine Energiekrise, dann sollten wir solche Projekte unterstützen.“

Die CSU-Fraktion könne der Planung zustimmen, sagte Klaus Gast, jedenfalls „mit etwas mehr Abstand und Begrünung“. „Es ist ein sensibler Bereich“, betonte dagegen Rupert Pentenrieder (BfW) – und warnte: „Diese große Solarfläche wäre, von Süden aus gesehen, wie ein schwarzer Wall vor der Stadt Weilheim.“

Im Oktober soll Kriterienkatalog für Solarparks in Weilheim vorliegen

Klimaschutzmanagerin Katharina Segerer verwies auf einen generellen Kriterienkatalog bezüglich künftiger Solarparks in Weilheim, der gerade erarbeitet und im Oktober im Klimaausschuss vorgestellt werde. Bis dahin solle man die Entscheidung über einen Solarpark auf dem Erdbeerfeld zurückstellen, forderte Bürgermeister Loth und stellte einen entsprechenden „Antrag zur Geschäftsordnung“. Der wurde gegen drei Stimmen angenommen, das Thema also vertagt.

Gebauer-Merx gefiel das gar nicht: Andere Kommunen dächten angesichts der Energielage über Notstromaggregate nach, so die FDP-Frau, „und wir diskutieren über zehn Meter Abstand“. Das war für den Rathaus-Chef indes eine „Vermischung“, die er nicht stehen lassen wollte: „Man muss das schon klug abwägen“, betonte Loth.

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