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Viel Interesse: Jan Weber-Ebnet von „bauwärts“ (r.) leitete mit Max Kemer und Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt den Stadtspaziergang.

Neues Quartier und Bürgerpark an der Geistbühelstraße

Weilheim: Die etwas andere Art der Bürgerbeteiligung

Andere Zeiten erfordern andere Methoden: Weil eine Bürgerversammlung in der Stadthalle coronabedingt nicht möglich ist, hat die Stadt für das neue Quartier samt Park an der Geistbühelstraße eine neue Form der Bürgerbeteiligung getestet – mit einem „partizipativen Rundweg“ und geführten Stadtteilspaziergängen.

Weilheim – Das Ziel der Stadt ist ehrgeizig: Bis August soll es eine Machbarkeitsstudie für nachhaltiges Wohnen und eine Bestandsaufnahme für den Architektenwettbewerb zum neuen Bürgerpark geben. Denn nördlich der Geistbühelstraße sind mittelfristig nicht nur etwa 270 neue Wohnungen, sondern auch eine Kita und eine öffentliche Grünanlage geplant. Ein „partizipativer Rundweg“ gab den Bürgern von Donnerstag bis Samstag an verschiedenen Stationen die Möglichkeit, Themen der Nachhaltigkeits-Charta, Ansätze der vorbereitenden Untersuchung zur Stadtteilentwicklung sowie die Ideen der Planungsteams zu studieren. Dazu hatten Experten aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft zusammen mit den beauftragten Planungsteams „Die Stadtentwickler“, den Verkehrsexperten von „Ingevost“ und „bauwärts“ die Themenfelder Bauen, Wohnen, Mobilität, Grün, Soziales und Partizipation abgesteckt.

Gute und schlechte Entwicklungen im Quartier

Nun waren also die Bürger gefragt, die ihren Stadtteil am besten kennen. Stärken und Schwächen des Gebiets sowie gewünschte Planungsinhalte konnte man auf Plakatwände und Postkarten schreiben oder online eingeben. Zudem bot die Stadt zwei Stadtspaziergänge rund um St. Pölten: An acht Stationen erläuterten Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt, Max Kemer vom Büro „Die Stadtentwickler“, Jan Weber-Ebnet („bauwärts“) und Kreisheimatpfleger Klaus Gast in Vertretung des erkrankten Stadtarchivars Joachim Heberlein positive und negative Entwicklungen des Quartiers und kamen mit den Bürgern ins Gespräch.

Hier „grünes Band“, dort viel Verkehr

Los ging’s am Theaterplatz Richtung Oberer Graben, dem „grünen Band“ der Altstadt. Doch schon beim Abbiegen in die Greitherstraße mit ihrem höheren Verkehrsaufkommen und dem fehlenden Grün wurde klar, dass sich nicht alles zum Guten entwickelt hat. Auch die Querungssituation an der Ecke Pollinger Straße/Unterer Graben gehört zu den problematischen Punkten. Von der Terrasse hinter der Kirche St. Pölten, deren Rolle als älteste Weilheimer Kirche und früheres Zentrum des Dorfes Weilheim Gast erläuterte, hatten die Teilnehmer Sicht auf das gesamte Planungsgebiet. Hier war auch ein erster Entwurf zu sehen, den Stadtentwickler Kemer erläuterte. Ein Ausflug in das benachbarte Wohngebiet am Veilchenweg sollte die positiven Möglichkeiten für Wohnen in Weilheim verdeutlichen. Auch wenn einmütig dieses Gebiet als gutes Beispiel beurteilt wurde, so zeigte sich doch auch, dass insbesondere Verkehrsthemen die Bürger bewegen: zugeparkte Wohnstraßen ohne Gehweg, Verkehrschaos zu Stoßzeiten, Gefahren für Radfahrer...

Lesen Sie auch: Direkt beim Kindergarten gibt es schon konkretere Wohnbaupläne

Im Planungsgebiet selbst folgte dann eine ausführliche Vorstellung der bisher vorgelegten Ideen für einen Bürgerpark. Dieser soll vom Kindergarten an der Schwaigerstraße bis hin zum geplanten Neubaugebiet und von der Pöltner Kirche bis zum Bahndamm reichen. In unterschiedlichen Ausformungen bleibt bei allen Vorentwürfen der Fuß- und Radweg in Nord-Süd-Richtung durchgehend erhalten. Stadtbaumeisterin Roppelt erläuterte die ihrer Ansicht nach wichtigsten Merkmale nachhaltiger Entwicklung für dieses Quartier: „Weniger Autoverkehr, ein Gebiet für verschiedene Bevölkerungsschichten, barrierefrei und grün!“ Um die erforderlichen Wohnungen schaffen zu können, sei man als Stadt allerdings auf einen Investor angewiesen: „Und es ist natürlich legitim, dass der auch etwas dabei verdient.“ Doch mit einem städtebaulichen Vertrag und grundlegender Planung wolle die Stadt alle Möglichkeiten nutzen, die Gestaltung zu ordnen und auch für erschwingliche Mietpreise zu sorgen.

Unterschiedliches Feedback zum Bürgerpark

Unterschiedliches Feedback erhielt Moderator Jan Weber-Ebnet: „Die einen sagen, sie brauchen keinen extra Park, man habe ja Au und Ammer. Die Anlieger dagegen haben schon den Wunsch dieses zusätzlichen Grüns.“ Bedauert wurde von einigen Interessierten, dass ihnen die Bürgerbeteiligungspostkarte nicht – wie angekündigt – ins Haus geflattert war. Und am Samstag war leider schon direkt nach dem Stadtspaziergang der Infopunkt an der Geistbühelstraße abgebaut – eine Stunde vor dem angekündigten Ende.

Bianca Heigl

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