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Die Apostelkirche in Weilheim.

Weilheim

Stolz darauf, evangelisch zu sein

Weilheim - Für die evangelischen Gläubigen ist 2017 besonders: 500 Jahre Reformation werden groß gefeiert – auch im Dekanat Weilheim.

Das Luther-Jahr ist für Dekan Axel Piper allerdings viel mehr als ein historischer Rückblick auf den Thesen-Anschlag an der Wittenberger Kirche durch einen streitbaren Mönch vor 500 Jahren. „Es geht nicht nur um Martin Luther“, sagt der 57-jährige Piper, der seit 2003 dem Dekanat vorsteht. Das Jubiläum sei eine Gelegenheit, die Gedanken der Reformation wiederzuentdecken. Nämlich: „Dass wir eine Religion der Freiheit sind“, sagt Piper. Und ergänzt: „Dass jeder Mensch eine von Gott gegebene Würde hat, die niemand einem absprechen darf.“ Der Dekandenkt an das Internet, in dem Menschen unbarmherzig miteinander umgingen. Er wünscht sich eine „neue Achtsamkeit des Wortes“ – auch das sieht er als eine Errungenschaft des stimmgewaltigen Mönches Luther.

Generell wünscht sich der Dekan eines: „Dass wir stolz darauf sind, evangelisch zu sein.“ Es stünde den Gläubigen gut, selbstbewusst aufzutreten, meint der Geistliche. Denn der protestantische Glauben habe einiges zu bieten: „Die Würde Gottes, ohne dass wir sie verdienen müssen“, zählt Piper auf, überhaupt die Liebe und Barmherzigkeit – gerade in der Debatte um die Flüchtlingshilfe. Piper macht klar: „Nächstenliebe ist Stärke und keine Schwäche und Beliebigkeit.“ Der Dekan möchte das evangelische Selbstbewusstsein allerdings nicht als bewussten Gegensatz zu den Katholiken sehen. Denn: „Uns verbindet mehr als uns trennt.“

Axel Piper ist evangelischer Dekan in Weilheim.  

 2017 feiern die getrennten Kirchen erstmals die Reformation in ökumenischer Gemeinschaft. Darauf haben sich beide großen Kirchen generell verständigt. Auch Piper hält die Ökumene hoch. „Die lassen wir uns nicht mehr nehmen. Gerade in Weilheim, wo „es leicht und schön ist, Protestant zu sein“. Die Ökumene hat sich in den seit drei Jahren laufenden Vorbereitungen für das Luther-Jahr im Dekanat gezeigt. Piper betont die schnelle Bereitschaft vieler katholischer Pfarrer, bei den Jubiläumsplanungen auf den Zug aufzuspringen. Für Piper selbst ist Martin Luther eine besondere Person und ein Vorbild. Der Dekan bewundert neben den inhaltlichen Aspekten Luthers Mut: „Er hat um seinen Glauben gekämpft.“ Und: „Er hat dem Volk aufs Maul geschaut.“ Nicht populistisch, sondern kritisch. Eine Sache, die sich Piper auch heute für seine Kirche wünscht. Denn trotz aller Zufriedenheit mit dem Status quo sieht er Handlungsbedarf. „Wir dürfen nicht bequem werden als Kirche“, mahnt er. „Wir müssen schauen, dass wir nicht zu institutionell werden.“ Auch im menschlichen Umgang miteinander sieht er Reformationsbedarf: „Ich wünsche mir eine wirkliche Wertschätzung nach innen und außen.“ Eine Lanze bricht er übrigens für seinen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der „sehr authentisch“ sei.

Der Reformationstag am 31. Oktober wird 2017 zum Luther-Jubiläum einmalig als gesetzlicher Feiertag begangen. Das findet Weilheims Dekan Axel Piper richtig gut. Es sei ein deutliches Zeichen dafür, dass Martin Luther nicht nur ein inner-evangelisches Thema ist. Allerdings würde es dem Dekan gefallen, wenn der Feiertag dauerhaft wäre. Denn das fehlt dem evangelischen Geistlichen generell. „Meinetwegen hätten sie den Buß- und Bettag wieder einführen können.“

Am 1. Juli 2017 kommt es beim großen Christusfest auf dem Marienplatz nach 500 Jahren wieder zu einem Thesen-Anschlag. Diesen will die evangelische Jugend um 17 Uhr in der Aktion „Reformation reloaded“ wiederholen, wie Diakon Norbert Räbiger, im Dekanat zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, verrät. Allerdings sicher nicht an der Tür der Stadtpfarrkirche – das wäre wohl zuviel Ökumene.

Termine in Weilheim

29. Januar: 10.35 Uhr, „Bayern 1“, evangelische Morgenfeier „Das Priestertum aller Gläubigen“ im Radio mit Dekan Axel Piper.
18. Februar: 16 Uhr, Apostelkirche, „Luther für Kinder – ein Nachmittag zum Hören und Mitmachen“, Kinder-Orgelkonzert und Musical rund um Luther (für Besucher ab 5 Jahren) mit Walter Erdt und Gundula Kretschmar.
19. März: 18 Uhr, Apostelkirche, Theaterstück „Magdalena Himmelstürmerin“ nach einem Roman über die Lutherzeit. Uraufführung war 2016 in der Friedenskirche Peißenberg.
7. Mai: 19.30 Uhr, Apostelkirche, Orgelkonzert mit Choralfantasien über Lieder von Luther mit Gundula Kretschmar und Walter Erdt.
14. Mai:  10 Uhr, Apostelkirche, Gottesdienst mit Kantate zur Reformation zum Mitsingen.  19.30 Uhr, Apostelkirche, Kantatenkonzert zur Reformation mit Werken von Bach und Mendelssohn. Leitung: Walter Erdt.
2 9. Juni–1. Juli: Marienplatz, Ökumenisches Christusfest der evangelischen und katholischen Kirche.
29. Juni: Vormittags Roadshow „Wort.Transport“ für Schulen. Nachmittags Roadshow „Wort.Transport“ für Jung und Alt. Abends „Luther-Biergarten“.
30. Juni: Vormittags Angebote für Schulen. Nachmittags Kunst, Kultur, Kabarett.
1. Juli: Nachmittags Aktion „Reformation reloaded“ der evangelischen Jugend. Abends ökumenischer Festgottesdienst, anschlie- ßend Agape-Fest für die Bürger.
31. Oktober: 19.30 Uhr, Apostelkirche, Festgottesdienst „500 Jahre Reformation“ mit Instrumentalmusik aus der Reformationszeit. Zu diesen großen Veranstaltungen sind im Dekanat weitere Termine geplant. 

Informationen zum Dekanat und dessen Angeboten sowie zu allen Veranstaltungen in der Region gibt es im Internet auf www.dekanat-weilheim.de.

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