Ihr Arbeitsplatz ist daheim: Seit 2019 arbeitet Maiken Winter als Umweltberaterin für die Verbraucherzentrale Bayern. Hier nur für’s Foto eine ÖDP-Präsentation.
+
Ihr Arbeitsplatz ist daheim: Seit 2019 arbeitet Maiken Winter als Umweltberaterin für die Verbraucherzentrale Bayern. Hier nur für’s Foto eine ÖDP-Präsentation.

BUNDESTAGS-KANDIDATEN IM PORTRÄT: Maiken Winter (ÖDP)

Für den Klimaschutz hat Maiken Winter sogar ihr Auto verkauft

  • VonJennifer Battaglia
    schließen

Zwölf Direktkandidaten treten am 26. September bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Weilheim an, zu dem auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehört. Wir haben die Bewerber an ihrem Arbeitsplatz porträtiert. Heute: Maiken Winter (ÖDP) aus Raisting.

Raisting – Von ihrem Arbeitsplatz aus genießt Maiken Winter einen herrlichen Blick über Raisting. Nicht umsonst steht auf dem Schreibtisch der 53-Jährigen auch ein Fernglas. „So kann ich den Jungstörchen bei ihren Flugversuchen zusehen“, sagt die promovierte Biologin, „oder bis in an den bayrischen Alpenrand blicken.“

Die Sicht in die Ferne hat Winter von jeher fasziniert. Die atemberaubende Prärie von North Dakota hatte sie einst dazu bewegt, in die USA zu ziehen und dort als Vogelforscherin zu arbeiten. Heute lebt die gebürtige Münchnerin mit ihren beiden Töchtern und ihrem Lebensgefährten in der Radom-Gemeinde Raisting.

Winter arbeitet in ihrer Dachgeschosswohnung im Homeoffice. Seit 2019 ist sie als Umweltberaterin für die Verbraucherzentrale Bayern tätigt und entwickelt verschiedene Projekte, um Kinder und Jugendliche für nachhaltige Konsummuster zu sensibilisieren. Und um sie auf den Klimawandel aufmerksam zu machen, denn der Klimaschutz ist Winters größtes Anliegen. „Es kann doch einfach keinen Spaß machen, die Umwelt zu zerstören“, sagt die Politikerin der ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei).

Nur zu Fuß, per Bike oder mit den Öffentlichen unterwegs

Winter lebt vor, was es heißt, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verringern. Nach ihren Angaben verzichtet sie gänzlich aufs Autofahren und hat vor eineinhalb Jahren ihren motorisierten Untersatz verkauft. Sie bewege sich ausschließlich zu Fuß, per E-Bike oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fort. „Und es lebt sich ganz fantastisch ohne Auto“, sagt sie begeistert. „Ich fühle mich wie befreit.“ Wenn auch das E-Bike einen Kompromiss darstellt. „Klar, das Fahrrad hat Batterien. Und die sind alles andere als umweltfreundlich.“ Irgendwo müsse man Abstriche machen und weite Strecken sind mit einem normalen Rad nur schwer schaffen.

2007 nahm Winter an einem Klimaprojekt des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore teil und sah im Zuge dessen den Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ von Davis Guggenheim. Ein Wendepunkt in ihrem Leben. „Durch den Film wurde mir klar, dass der Klimawandel eine lebensbedrohende Gefährdung für uns alle ist“, stellt Winter rückblickend fest. „Es hat mich zutiefst erschüttert zu sehen, in welche Zukunft wir da laufen.“ Die Menschen müssten wieder lernen, ein Teil der Natur zu sein. „Denn am Ende gewinnt immer die Natur“, sagt sie nachdenklich.

Wut auf Politiker nach Unwetter und Flutkatastrophen

Wütend wird Winter, wenn sie an die Reaktionen der Politiker auf die jüngsten Unwetter und Überschwemmungskatastrophen in Deutschland denkt. „Die tun jetzt alle so als wären sie erschrocken“, sagt sie aufgebracht. „Dabei ist der Klimawandel seit Jahren bekannt.“ Zwar könne man nicht über jedes Problem Bescheid wissen, „aber Politiker sollten sich bei überlebenswichtigen Themen schon auskennen, oder?“, fragt sie eindringlich.

Weil sie den Klimaschutz weiter voranbringen möchte, kandidiert die Raistingerin nun für den Bundestag. „Die Gesetze müssen an den Klimawandel angepasst werden“, sagt sie. „Die zeitliche Dringlichkeit ist vielen nicht bewusst. Uns läuft schlicht die Zeit davon.“ Viele der Menschen seien nur über ihren Geldbeutel zu erreichen, Freiwilligkeit allein reicht in Winters Augen nicht aus.

Die Deutsche Bahn soll sich verbessern

Außerdem will sie sich weiter für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs einsetzten. Mehr Straßenbau für Autos sei nicht die Lösung, stattdessen sollte es billigere Bahntickets geben und eine bessere Fahrplantaktung. „Denn man fühlt sich einfach nicht ernst genommen, wenn man ständig auf den Zug warten muss.“ Sie selbst habe bereits „Wochen an Bahnhöfen verbracht, um auf verspätete Züge zu warten“. Ob sie sich da nicht manchmal ein Auto herbeiwünscht? „Klar, aber Autos sind nun mal nicht die Lösung. Im Gegenteil.“ Sie verstehe aber jede Familie mit kleinen Kindern, die nicht auf ihr Auto verzichten wolle, so Winter. „Wir brauchen einfach noch viel mehr gute Anbindungen, damit die Menschen die Angebote auch in Anspruch nehmen.“ Sie selbst war 2012 von Pähl nach Raisting gezogen, weil es in Pähl keinen Bahnhof gibt.

Neben ihrer Tätigkeit als Umweltberaterin und ihrem Engagement für die ÖDP ist Winter auch für ihren Verein „Wissen leben“ aktiv. Diesen hatte sie „für eine lebenswerte Zukunft“ gegründet. Und auch hier steht der Klimaschutz im Fokus. „Ich weiß, dass ich manchmal anstrengend sein kann mit meinen Forderungen“, sagt sie. „Aber für mich gibt es keine andere Wahl. Ich mache weiter.“

Mit dem Radl klimaneutral von Hamburg bis nach Weilheim

Mit ihrem Verein hat sie Ende August bereits die nächste große Aktion geplant: eine Kaffee-Radeltour von Hamburg nach Weilheim. Die Vereinsvorsitzende wird dafür gemeinsam mit vielen Mitstreitern einmal quer durch Deutschland radeln, um ökologisch produzierten und mit dem Segelschiff aus Nicaragua transportierten Kaffee aus der Hansestadt in den Landkreis Weilheim-Schongau zu bringen. Sie freue sich schon sehr auf die Tour, sagt sie.

Auf die Frage, was jeder einzelne konkret gegen den Klimawandel tun kann, sagt Winter „Na, die ÖDP wählen“ und lacht. Aber sie meint es ernst. Die Entfernung von Weilheim nach Berlin würde einem Einzug in den Bundestag im übrigen nicht entgegenstehen. Die Fahrpläne der DB hat sich Winter bereits angesehen und sagt augenzwinkernd: „Die Zugverbindung in die Hauptstadt ist gar nicht mal so schlecht.“

Weilheim-Penzberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Weilheim-Penzberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Weilheim und Penzberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Schongau-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare