Aus dem Gericht

Ganze Familie handelte mit Drogen - aus einem tragischen Grund

Ungewöhnliche Verhandlung am Amtsgericht Weilheim: Angeklagt wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz waren nicht nur ein Mann, sondern auch dessen Kinder.

Weilheim – Über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren hatte der Vater in regelmäßigen Abständen Marihuana gekauft. Wegen illegaler Beschaffung und Besitz von Drogen legte die Staatsanwaltschaft ihm 50 Fälle zur Last. Dass er die Drogen gut greifbar im Wohnzimmerschrank in seinem Weilheimer Haus lagerte und diese somit für seine heranwachsenden Kinder frei zugänglich waren, kam als Verbrauchsüberlassung an Minderjährige auch noch zur Anklage.

Die Kinder hatten somit Zugang zu den Drogen und sich laut eigenen Aussagen in unregelmäßigen Abständen bedient. Sie hätten es sowieso mal probiert, sagten beide aus. Aber das Mädchen hatte auch mal etwas Marihuana mitgenommen, um es mit ein paar Freunden zu rauchen. Bei einer Polizeikontrolle wurde sie mit Drogen erwischt und die damals 15-Jährige erzählte der Polizei freimütig die Sache mit den Drogen im Haushalt der Familie.

Hinter dem Fall steckt eine traurige Familiengeschichte

Aber hinter dieser scheinbar vollkommen verantwortungslosen Handlungsweise des Vaters steckte eine ganz andere, eine wirklich traurige Familiengeschichte, die 2011 seinen tragischen Lauf nahm. Der sehr sportliche Vater radelte damals wie üblich von Weilheim Richtung München zur Arbeit und hatte einen unverschuldeten Unfall. Er wurde schwer verletzt, lag sieben Monate im Krankenhaus, ist seit dem Tag querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Die Ehe ging in die Brüche, die Kinder blieben beim Vater. „Ich bin nicht drogensüchtig, aber es tut manchmal zur Entspannung gut eine Tüte zu rauchen“, gab der Mann ganz offen zu.

Er habe zeitweise so um sich gekreist, dass er gar nicht an seine Kinder und an einen möglichen Drogenmissbrauch gedacht hatte. „Man hat eine schlechte Psyche als Querschnittsgelähmter“, erklärte der Mann. Er hofft darauf, neben seinen zahlreichen Medikamenten ein legales Drogenpräparat zu bekommen, quasi auf ärztliche Anweisung.

Richterin zeigt Verständnis - bis zu einem gewissen Punkt

Die Vorsitzende Richterin Karin Beuting hatte ein gewisses Verständnis für den Mann. Aber sie rügte sein Verhalten in puncto Kindererziehung. „Es war Ihre Aufgabe, den Drogenkonsum zu verhindern“, sagte sie.

Die Geschwister wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt. Sie müssen jeder innerhalb eines Jahres vier negative Drogenscreenings nachweisen und an eine Suchtberatung machen. Der junge Mann, der zwar Fachabitur, aber noch kein Berufsziel vor Augen hat und derzeit als Pizzafahrer arbeitet, muss einen Kurs „Brücke zum Beruf“ absolvieren.

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Der Vater erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. 1000 Euro Geldauflage an die „Brücke Oberland“ und drei negative Drogenscreenings kommen hinzu. Die Richterin unterstellte dem Mann keine kriminelle Lebensführung. Aber er solle sich besinnen, dass er Kinder hat: „ Das ist Ihre Aufgabe“, sagte sie.

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Von Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa / Daniel Reinhardt

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