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Geplanter Neubau in Weilheim ist Nachbarn zu massiv - Sie erwägen Klage

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Von: Magnus Reitinger

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Auf diesem Areal an der Münchener Straße ist ein dreistöckiger Wohn- und Gewerbeneubau geplant. Als Nutzer ist der Möbelladen der Diakonie Herzogsägmühle im Gespräch. © Gronau

Um einen größeren Neubau an der Ecke Andechser Weg zu ermöglichen, ändert die Stadt Weilheim derzeit den Bebauungsplan „Münchener Straße –Ost“. Doch gegen das Ausmaß gibt es viel Protest von Anwohnern – auch wegen der Verkehrssituation.

Weilheim – Die nötige Bebauungsplan-Änderung war im September 2019 bereits Thema im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates – und im Gremium selbst unumstritten. Die Eigentümerin eines mit einer alten Villa bebauten, derzeit überwucherten Grundstücks an der Ecke Münchener Straße/Andechser Weg will anstelle des bestehenden Hauses einen teils dreistöckigen Neubau errichten, in dem – gemäß dem dortigen Mischgebiet – sowohl Gewerbe als auch Wohnnutzung möglich wäre. Als Nutzer des Neubaus ist die Diakonie Herzogsägmühle im Gespräch, die dort mit ihrem Gebrauchtmöbelladen einziehen würde.

Fast ein Dutzend Stellungnahmen gingen bei der Stadt ein

Bisher sieht der Bebauungsplan für dieses Grundstück ein Haus mit höchstens zwei Vollgeschossen plus ausgebautem Dachgeschoss vor – in einem rund 13 auf 17 Meter großen Baufenster. Nun plant die Antragstellerin ein höhenmäßig gestaffeltes Gebäude, das im westlichen Teil eingeschossig (mit begrüntem Flachdach) und im östlichen Teil dreigeschossig (mit Pultdach) sein wird. Die notwendigen Autostellplätze werden teils in einer Tiefgarage, teils oberirdisch untergebracht.

Im Rahmen der öffentlichen Auslegung der Bebauungsplan-Änderung im Dezember und Januar gingen fast ein Dutzend Stellungnahmen bei der Stadt ein, darunter mehrere von Anwohnern im Bereich des Andechser Wegs. Die Eingaben wurden in der April-Sitzung des Bauausschusses besprochen – wobei die Einsprüche meist „zur Kenntnis genommen“, die Planung aber kaum geändert wurde.

Stadtbauamt hält Größe des Neubaus für „zumutbar“

Nachbarn fordern unter anderem, die Ausmaße des Neubaus zu reduzieren und größere Abstände einzuhalten. Doch die Größe sei „zumutbar“, hieß es seitens des Stadtbauamtes, das Gebäude füge sich in die Umgebung ein. Die Höhe des Neubaus bleibe unter jener des jetzigen Gebäudes, betonte Bauamts-Mitarbeiter Stefan Kirchmayer. Bezüglich zweier Aussagen in Stellungnahmen aus der Nachbarschaft hatte die Stadt extra bei Fachbehörden nachgefragt – und schriftlich versichert bekommen: Die alte Villa auf dem Gelände, die abgebrochen werden soll, stehe nicht unter Denkmalschutz. Und es gebe dort auch keine Fledermauspopulation. Im übrigen wolle der Bauinteressent das Grundstück „intensiv begrünen“, so Kirchmayer; vier Bäume seien verpflichtend zu pflanzen. Beim jetzigen Grün auf dem Grundstück handle es sich indes um „Wildwuchs“.

Der Bauausschuss hat der Bebauungsplan-Änderung erneut einmütig zugestimmt – allerdings mit zwei Ergänzungen, auf die Vertreter der BfW gedrängt hatten: Die Zufahrt zu dem Grundstück dürfe nur direkt über den Stichweg von der Münchener Straße erfolgen, es solle keine Zufahrt von Süden oder Norden geben. Und eine gastronomische Nutzung wird für das Areal explizit ausgeschlossen. Eine solche wäre „den Anwohner nicht zumutbar“, wie es hieß.

Diese Ergänzung finden die Anwohner durchaus gut, wie Barbara Schaffenrath gegenüber dem „Weilheimer Tagblatt“ sagte. Doch bleibe eine Reihe von Kritikpunkten, die bisher nicht ausreichend berücksichtigt worden seien, so Schaffenrath, die gemeinsam mit fünf weiteren Nachbarn eine ausführliche Stellungnahme bei der Stadt eingereicht hatte. 

Gebiet bisher durch eine sehr zurückhaltende Bebauung geprägt

Moniert wird eine „massive Baukörpermehrung“ für einen einzelnen Bauwerber, während das Gebiet bisher durch eine sehr zurückhaltende Bebauung geprägt sei: „Das ist keine reine Nachverdichtung mehr“, so die Anwohnerin, „hier geht es um eine grundlegende Entscheidung für die Münchner Straße Ost, die auch sehr mit der prekären Verkehrssituation verknüpft ist“.

Bereits 2010 habe es bezüglich des fraglichen Grundstücks einen Änderungsantrag gegeben, damals habe das Landratsamt ein Lärmschutzgutachten gefordert, erklärt Schaffenrath. Doch dieses sei „nie umgesetzt worden“, die damals beabsichtigte Bebauungsplan-Änderung habe nicht stattgefunden. Nun fordere das Landratsamt in seiner Stellungnahme erneut ein schalltechnisches Gutachten – „und es wird nicht darauf eingegangen“, so Schaffenrath.

Während die jetzige Bebauungsplan-Änderung seitens der Stadt noch einmal öffentlich ausgelegt werden muss, überlegen die Anwohner derzeit, ob sie eine Normenkontrollklage beim Verwaltungsgericht anstreben.

Lesen Sie auch: Der Weilheimer Stadtrat ist begeistert von den Plänen des heimischen Mercedes-Händlers MedeleSchäfer, am Ostrand der Stadt ein großes „Autohaus der Zukunft“ zu errichten. Doch es kam auch die Forderung auf, bei dem Neubau Fläche zu sparen.

Mit viel Kritik muss sich die Stadt Weilheim bezüglich der geplanten Bebauung südlich des Krumpperplatzes beschäftigen. Nun kommt das Ganze noch einmal in den Stadtrat.

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