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Franziska Glas macht eine Esssenslieferung fertig.

Existenzängste in der Corona-Krise

Jetzt sind kreative Ideen gefragt - und die Weilheimer Geschäfte lassen sich viel einfallen

Außergewöhnliche Situationen wie die Coronakrise erfordern auch von den Unternehmern ungewöhnliche Ideen, um trotz vieler Einschränkungen im Geschäft zu bleiben und den Anschluss nicht zu verlieren. Wir haben einige Weilheimer befragt, wie sie mit der schwierigen Herausforderung umgehen.

Weilheim – Jana Krivanek hat vor einigen Jahren ihre Liebe für Design und Damenmode mit einer eigenen Boutique am Kirchplatz verwirklicht. „Dieser Laden war mein großer Traum“, sagt sie, „deshalb kämpfe ich mit allen Mitteln um ihn!“ Ende der Woche will sie per Livestream eine Verkaufspräsentation aus ihrem Geschäft übertragen. Falls dieses Pilotprojekt Zuspruch findet, plant Krivanek eine Wiederholung.

Jana Krivanek kämpft um ihren Laden.

Auch sonst setzt die ehemalige Unternehmensberaterin auf kreative Ideen und die Möglichkeiten des Internets sowie der sozialen Medien. „Zum Beispiel halte ich über einen WhatsApp-Newsletter Kontakt zu meinen Kundinnen“, berichtet sie. Aufgeben komme für sie nicht infrage, stellt sie mit Nachdruck fest, und so liefert sie ihre Waren im Raum Weilheim ins Haus oder verschickt sie per Post. Das sei im Vergleich zu einer normalen Geschäftstätigkeit wie vor der Krise zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, „aber so kann man wenigstens Präsenz zeigen und im Bewusstsein der Kundschaft bleiben“.

Den Kindern fehlen soziale Kontakte - Garten macht es aber leichter 

Auch Krivaneks Mann arbeitet im Home-Office, was mit den beiden Kindern im Alter von vier und zehn Jahren nicht immer ganz leicht zu managen sei. „Denen fehlen die sozialen Kontakte“, sagt die Geschäftsfrau und Mutter, „aber zum Glück haben wir einen Garten, so dass sie bei schönem Wetter nach draußen können.“

Tom Kratz ist Event-Manager, Zauberkünstler und arbeitet als Freiberufler. „Alle vereinbarten Auftritte und Engagements sind erst mal weggebrochen“, erzählt er, „auch das Restaurant Zauberhütte in Peiting bleibt geschlossen.“ Er sei aber zuversichtlich, „dass die Menschen nach der Krise mit ihren Einschränkungen wieder den starken Wunsch nach Unterhaltung haben“.

Zauberer Tom Kratz nutzt die Zeit für eine Fernstudium.

Kratz hatte vor einigen Jahren den Verein „ZaubererFünfSeenLand“ gegründet und in Weilheim das erfolgreiche Straßen-Zauberfestival etabliert. Er hofft, dass das heuer wieder stattfinden kann und übt solange zuhause. „Außerdem suche ich nach einer neuen Bühnenfigur und nutze die Zeit jetzt für ein Fernstudium als psychologischer Berater und Personal Coach.“

Einigen Kollegen, mit denen Kratz chattet, gehe es in der aktuellen Krise sehr schlecht. Positiv sei, „dass wir in unserer Familie jetzt mehr miteinander ratschen als sonst“. Seine Tochter Luisa setze ihr Studium als Kommunikationsdesignerin online fort, ihr 16-jähriger Bruder erledigt seine Schul- und Hausaufgaben für das Gymnasium per Computer.

Stammkunden halten dem „Marmitas“ die Treue

Wie sehr Corona der Gastronomie zu schaffen macht, bekommen auch Franziska und Leopold Glas zu spüren. Die Geschwister betreiben drei Lokale in Weilheim und Murnau und versuchen, „dass wir das Beste aus der schwierigen Situation machen“. Das heißt, dass sie ihren Kunden in der Weilheimer Biosuppen- und Pasta-Bar „Marmitas“ Selbstabholung und Lieferservice anbieten, doch das gleichnamige Lokal in Murnau sowie das Cafe Rosalie am Weilheimer Kirchplatz sind geschlossen.

„Zum Glück halten uns viele Stammkunden auch jetzt in der Krise die Treue“, freut sich Glas, „über die Mittagszeit läuft das Geschäft nicht schlecht.“ Das könne freilich die Umsatzeinbußen nicht ausgleichen, denn die Fixkosten für alle Lokale laufen ja weiter. Von Karfreitag bis Ostermontag bleibt das „Marmitas“ ganz zu. Dass der Betrieb ab 19. April wie früher ganz normal weitergehen kann, glaubt Franziska Glas nicht: „Ich rechne nicht damit, dass die Beschränkungen vor Mai gelockert werden.“

Hier finden Sie eine Übersicht über alle lokalen Betriebe, welche Abhol- oder Lieferservice anbieten. Sie haben selbst ein Unternehmen und sind kreativ geworden in dieser schwierigen Zeit? Auf dieser interaktiven Karte können Sie sich und Ihr Unternehmen eintragen.

VON PETER STÖBICH

Lesen Sie auch: Viele Geschäfte bleiben geschlossen. Ein Besuch in der Weilheimer Innenstadt am Tag, bevor die Läden schließen mussten.

Viele Geschäfte und Firmen im Landkreis machen sich das Internet zunutze und liefern ihre Waren nach Bestellung per Mail oder Telefon ins Haus.

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