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Illustrationsfoto zum Thema Gewalt

Weilheim: Gewalttätiger Vater geht auf Tochter los

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Mit den Nachwehen eines von Gewalt geprägten Familienlebens beschäftigte sich das Jugendschöffengericht Weilheim: Ein 56-jähriger Weilheimer war im Herbst 2018 gegenüber seiner Frau und später gegenüber seiner Tochter gewalttätig geworden. Er wurde unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Weilheim – So, wie es die inzwischen geschiedene Frau des 56-jährigen in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Weilheim schilderte, ist sie in den 32 Ehejahren durch die Hölle gegangen: „Die Gewalt ging schon im ersten Jahr los“, sagte die Ex-Frau des Angeklagten. Beide stammen aus dem gleichen türkischen Dorf und kennen sich schon seit ihrer Kindheit. Sie seien verheiratet worden, als sie 16 und er 24 Jahre alt gewesen seien, schilderte der Angeklagte. Geheiratet wurde in Deutschland, wo das Ehepaar auch lebte und ziemlich bald erst ein Mädchen und ein Jahr später ein zweites Mädchen zur Welt kamen. Im Jahr 2005 kam bekam das Ehepaar die dritte Tochter.

Der Angeklagte ist – inzwischen trockener – Alkoholiker. Wenn er getrunken hatte, sei ihr Ex-Mann besonders leicht explodiert, sagte die Ex-Frau als Zeugin vor Gericht aus. „Der Alkohol war ein Dauerthema bei uns.“ Lange Jahre habe sie gedacht, sie sei schuld an den Launen und Gewalttätigkeiten ihres Mannes. „Man hat immer das Gefühl gehabt, etwas Falsches getan zu haben“, sagte die Weilheimerin.

Die ganze Familie habe unter der Aggressivität und der Launenhaftigkeit ihres Ex-Mannes gelitten, eine Tochter sei – kaum volljährig – ausgezogen, um dem Vater nicht mehr begegnen zu müssen. „Er ist ständig ausgerastet. Die Polizei war öfter bei uns“, sagte die Zeugin. Dennoch habe sie die Gewalttaten ihres Ex-Mannes nie angezeigt.

Bis zu jenem Abend, an dem im Oktober 2018 in Weilheim das „Lichterfest“ stattfand: Die jüngste Tochter hatte um Erlaubnis gefragt, mit einer Freundin zum Fest gehen zu dürfen. Es war ausgemacht, dass sie um 21 Uhr wieder zuhause sein sollte. Als das Mädchen pünktlich nach Hause kam, war die Mutter bei einer Betriebsfeier und nur der Vater zuhause. Weil es schon dunkel war, haben zwei Buben die Tochter des Angeklagten und ihre Freundin begleitet.

Die Tatsache, dass seine Tochter in Begleitung von zwei Buben, die dazu noch – so wie er selber auch – Ausländer waren, nach Hause kam, ließ den Angeklagten rot sehen: „Wir standen vor dem Gartentor und mein Vater kam zu uns gestürmt“, sagte die Tochter, deren Videovernehmung im Gerichtssaal gezeigt wurde.

Ihr sei sofort klar gewesen, dass ihr Vater schlecht gelaunt und aggressiv sei. Weil sie Angst gehabt habe, dass er auf ihre Begleiter losgeht, habe sie sich von hinten an ihn gehängt, um ihn festzuhalten und gleichzeitig gerufen, dass die Buben und das Mädchen abhauen sollten. Der Vater habe sich losgerissen und die Freundin leicht an den Hals geschlagen, sagte das Mädchen aus.

Laut Anklage ist sie ins Haus gerannt und hat sich aus Angst vor dem Vater in ihrem Zimmer eingeschlossen. Doch das half nichts: Er brach die Tür auf und schlug das Mädchen ins Gesicht. Sie warf sich auf den Boden, um ihr Gesicht zu schützen, doch der Vater traktierte sie mit Fußtritten.

Währenddessen hat er nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft immer nach den beiden Buben gefragt, die sie nach Hause begleitet hatten. Das Mädchen versicherte immer und immer wieder, dass sie nichts Böses getan habe, was die Wut ihres Vaters nur noch größer werden ließ.

Er packte sie am Hals, zog sie nach oben, drückte sie aufs Sofa und drohte damit, sie umzubringen. Als er schließlich von dem Mädchen abließ, verständigte dieses die Polizei. „Ich hatte Angst, dass er mich umbringt“, sagte die Tochter bei ihrer Zeugenaussage.

Die Mutter wurde benachrichtigt und eilte zu ihrer Tochter, die ins Krankenhaus gebracht worden war, weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass das Mädchen innere Verletzungen hat.

Nach dieser Nacht besorgte sich die Frau eine richterliche Verfügung, die den Vater zwang, die Wohnung der Familie zu verlassen. Die Tochter will keinen Kontakt mehr mit ihrem Vater, die Mutter lehnte sogar das in der Gerichtsverhandlung angebotene Schmerzensgeld ab.

Zudem war noch ein Vorfall angeklagt, bei dem der Angeklagte der Frau eine Plastikschüssel an den Kopf geworfen hatte.

Der Angeklagte ließ über seinen Anwalt erklären, dass er die Vorwürfe einräume. Dennoch verurteilte Richterin Claudia von Hirschfeld den 56-Jährigen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren. Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt.

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