Ein Baum, der Weilheims Bahnhofsplatz prägt – selbst wenn er winterlich kahl ist: Doch der aufwendig geschützte Bergahorn zeigt laut Stadt „Absterbe-Erscheinungen“.
+
Ein Baum, der Weilheims Bahnhofsplatz prägt – selbst wenn er winterlich kahl ist: Doch der aufwendig geschützte Bergahorn zeigt laut Stadt „Absterbe-Erscheinungen“.

Baustelle gab dem Ahorn wohl den Rest

Weilheim: Gnadenfrist für Prachtbaum am Bahnhof

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
    schließen

Es ist der Baum, der den gesamten Bahnhofplatz prägt – genau deshalb hat die Stadt großen Aufwand betrieben, ihn beim Bau des neuen Busbahnhofs zu erhalten. Und doch haben die Bauarbeiten dem stattlichen Bergahorn wohl den Rest gegeben.

  • Laut Stadtwerke bedeutet der große Ahornbaum am Bahnhofplatz ein Verkehrsrisiko
  • Doch die Stadt scheut vor einer Fällung zurück - zumindest vorerst
  • Schließlich wurde für den Baum „Wahnsinnsaufwand betrieben“

Weilheim – Selten passte dieses geflügelte Wort besser als hier: Der im besten Sinne ortsbildprägende Ahornbaum an der Ecke Bahnhofallee/Bahnhofplatz ist der Stadt Weilheim nicht nur lieb, sondern auch teuer – im wahrsten Sinne des Wortes. Beim millionenschweren Bau des Anfang August eingeweihten Busbahnhofs, so hieß es jetzt im Bauausschuss des Stadtrates, habe man erhebliche Mehrkosten in Kauf genommen, um „um den Baum herum zu bauen“. Auch die neue Toilettenanlage wurde entsprechend weit abgerückt und der Ahorn während der gesamten Bauzeit „bestmöglich geschützt“, wie Manfred Stork, Leiter der städtischen Bauverwaltung, versicherte. „Wir haben wirklich einen Wahnsinnsaufwand betrieben“, fasste Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt-Sommer zusammen

„Deutliche Absterbe-Erscheinungen“

Aber es hat wohl alles nichts geholfen: Bei der jährlichen Baumschau haben die Stadtwerke nun festgestellt, dass der Baum zu sehr geschädigt und deshalb die nötige Verkehrssicherheit nicht mehr zu gewährleisten sei. Der Bergahorn zeige „deutliche Absterbe-Erscheinungen“, erklärte der stellvertretende Betriebshof-Leiter Sebastian Soyer im Bauausschuss – und betonte, der Baum sei schon „stark vorgeschädigt“ gewesen; die Bauarbeiten hätten „nur noch einen kleinen Teil beigetragen“. Zwar wäre seiner Einschätzung nach auch ein radikaler Beschnitt möglich. „Das wäre dann aber nur noch ein Baumtorso.“

Auch interessant: Stadtbäume im Dauerstress

Die Kommission sei sich einig, dass dieser Baum nicht mehr zu retten sei, bestätigte Rupert Pentenrieder (BfW), der Grün-Referent des Stadtrates. „Damit haben wir jetzt die Verkehrssicherungspflicht“, folgerte er – was um so schwerer wiege, als es sich um einen besonders stark frequentierten Bereich handle. Gleichwohl sei er „zwiegespalten“, was eine Fällung betrifft, so Pentenrieder weiter: „Wir haben so lange gekämpft um diesen Baum!“

Vielleicht gibt‘s doch noch Rettung?

Deutlicher noch wurde CSU-Vertreter Klaus Gast: Angesichts des großen Aufwands, der bei den Bauarbeiten betrieben wurde, fände er es „eigenartig, wenn wir den Baum jetzt sofort abschneiden würden“. Er schlug vor, den Ahorn zumindest bis nächstes Jahr stehen zu lassen und zu „schauen, ob man ihn retten kann“. Möglicherweise erhole sich der Baum ja noch etwas von den Bauarbeiten. Parallel dazu, so fügte Gerd Ratter (ÖDP) hinzu, seien gewiss noch intensivere „Maßnahmen für ein gesundes Bodenleben“ um den Stamm des Baumes möglich. Soyer bejahte dies, verwies allerdings auf einen „gewissen Kostenaufwand“ dafür.

So gab der Bauausschuss dem Bergahorn am Bahnhof eine Gnadenfrist: Man sehe vorerst von einer Fällung ab, so der einstimmige Beschluss, halte den Baum „unter Beobachtung“, wie Bürgermeister Markus Loth (BfW) formulierte, und schaue dann, „was in einem Jahr ist“.

Ein Allee-Baum an Münchener Straße wird gleich gefällt

Nicht ganz so schwierig war eine zweite Baum-Entscheidung, um die es in der Dezember-Sitzung des Bauausschusses ging. Einer der Alleebäume an der Münchener Straße – ebenfalls ein Bergahorn, und zwar kurz vor der Einmündung Nordendstraße – müsse heuer noch gefällt werden. Auch das ist ein Ergebnis der jüngsten Baumschau. „Das wird sich in den nächsten Jahren in dieser Allee weiterziehen“, prognostizierte Bauverwaltungs-Leiter Manfred Stork, „da wird man immer wieder einen Baum ersetzen müssen“. Im aktuellen Fall segnete der Bauausschuss die Fällung ab, gegen die Stimmen von Alfred Honisch (Grüne) und Horst Martin (SPD).

Dass an dieser Stelle ein Baum nachgepflanzt wird, ist klar – welche Baumart, darüber müsse man sich aber noch Gedanken machen, wie Bürgermeister Loth betonte. Man könne durchaus bei Ahorn bleiben, meinte Stadtwerke-Mitarbeiter Soyer, „aber vielleicht kein Bergahorn, sondern eher eine südeuropäische Art, die die Hitze besser verträgt“. Loth erinnerte jedoch daran, dass in den vergangenen Jahren stets die Pflanzung „autochthoner Gehölze“, also einheimischer Baumarten, gefordert wurde. Vielleicht müsse man auch in dieser Hinsicht angesichts des Klimawandels „neue Wege gehen“, so der Rathaus-Chef weiter. In jedem Falle gelte es über die Art der Nachpflanzung noch zu diskutieren.

Lesen Sie auch: Hier entstehen in Weilheim vor allem Wohnungen für Menschen mit schmalerem Geldbeutel

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare