Das Pfarrheim „Haus der Begegnung“ an der Römerstraße in Weilheim.
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Die Tage des jetzigen Pfarrheims sind gezählt, doch eine kleinere Version soll in Neubauten integriert werden.

PLÄNE FÜR AREAL AN DER RÖMERSTRASSE

Weilheim: „Haus der Begegnung“ wird abgerissen - und in klein neu errichtet

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Weil eine Sanierung zu teuer wäre, soll das bisherige „Haus der Begegnung“ an der Römerstraße komplett abgerissen werden. Weilheims katholische Pfarreiengemeinschaft will stattdessen ein „kirchliches Zentrum“ in reduzierter Form in die geplante Wohnbebauung integrieren.

  • Große Neubaupläne hat das kirchliche Ulrichswerk für die Römerstraße in Weilheim
  • Sieben neue Wohnblöcke sollen dort entstehen
  • Das bisherige Pfarrheim wird dafür abgerissen

Weilheim – Dass es ums Pfarrheim an der Römerstraße bald ganz anders aussehen wird, steht seit zwei Jahren fest. 2018 hat die Kirchenverwaltung beschlossen, die freien Grundstücke der Kirchenstiftung an die Diözese Augsburg zu verkaufen, die dort Sozialwohnungen errichten will (siehe unten) sowie Wohnungen für Menschen, die zu viel verdienen, um einen Wohnberechtigungsschein zu erhalten, aber zu wenig, um sich die üblichen, stark gestiegenen Mieten auf dem freien Markt leisten zu können.

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Im Zuge dessen, das war bereits klar, wird auch der ältere Teil des 1969 erbauten Pfarrheims abgerissen. „Die Bausubstanz ist sehr schlecht“, erklärt Stadtpfarrer Engelbert Birkle in einer Pressemitteilung, „zudem wäre eine umfassende energetische Sanierung erforderlich“. Doch anders als bisher gedacht, soll nun der gesamte Bau beseitigt werden, auch der 1995 errichtete Teil, der als Kirchenraum und Pfarrsaal für große Veranstaltungen geplant wurde.

Ernüchternde Ergebnisse einer Berechnung

Ein erster Entwurf sah noch vor, um den großen Saal Gruppenräume anzufügen und so ein verkleinertes „Haus der Begegnung“ zu schaffen (wir berichteten). Jedoch: Die Ergebnisse einer Wirtschaftlichkeitsberechnung waren „ernüchternd“, so Birkle. Um den Saal zu erhalten, wäre eine umfassende, fast 500 000 Euro teure Sanierung nötig, zugleich würde die räumliche Qualität durch den Einbau einer mobilen Trennwand und den Wegfall von Fenstern erheblich leiden. Samt Anbau der Gruppen- und Funktionsräume würde das Projekt rund 2,4 Millionen Euro kosten.

Bedarf an Pfarrei-Räumen ist gesunken

Zudem habe eine Erhebung der Auslastung sämtlicher Veranstaltungsräume in der Pfarrei ergeben, dass der Bedarf gesunken ist: „War das ,Haus der Begegnung’ früher mit Leben erfüllt und oftmals bis zum Rande ausgebucht, so musste in den letzten Jahren ein permanenter Rückgang der Auslastung durch kirchliche Gruppen oder Veranstaltungen verzeichnet werden“, schreibt Birkle: Ein Großteil der Räume stehe oft leer oder werde kirchenfremden Gruppierungen überlassen, der große Saal in seiner Dimension sei „kaum gebraucht“. Ein Veranstaltungsraum „etwas größer als der jetzige Chorraum“ und ein zusätzlicher Gruppenraum würden ausreichen.

Kirche soll an Römerstraße weiterhin sichtbar sein

Die Kirchenverwaltung ist sich laut Birkle einig, „dass Kirche auch zukünftig am Standort Römerstraße sichtbar sein soll“. Deshalb habe man gemeinsam mit dem St. Ulrichswerk der Diözese ein Alternativkonzept entwickelt: In die geplante Wohnbebauung soll ein kirchliches Zentrum integriert werden – und zwar im Parterre eines der Gebäudekomplexe auf rund 500 Quadratmetern „ein reduziertes ,Haus der Begegnung’ mit einem größeren Veranstaltungsraum und einem Gruppenraum entstehen“. Auch barrierefrei erreichbare Büroräume für die kirchlichen Mitarbeiter seien geplant. Künstlerische Elemente aus dem jetzigen Pfarrheim sollen nach Möglichkeit übernommen werden. Über den neuen Pfarreiräumen sind ca. acht Wohnungen vorgesehen, durch die sich das Projekt „langfristig selber tragen“ würde. Übrigens: Derzeit belaufen sich die Unterhaltskosten für das „Haus der Begegnung“ auf etwa 25 000 Euro pro Jahr.

Entscheidung steht noch aus

Ob das Alternativkonzept verwirklicht werden kann, ist dem Stadtpfarrer zufolge noch offen. Man habe entsprechenden Bedarf bei der Diözese angemeldet, jedoch noch keine Zusage. Eine definitive Entscheidung sei erst möglich, wenn das Vorverfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplans abgeschlossen ist. Hinter den Überlegungen für ein neues „Haus der Begegnung“ steht für Birkle „die Frage, wie ,es mit Kirche weitergeht’, genauer, wie es in Weilheim und in unseren Pfarreien weitergeht“. Die Kirche, das steht für den Geistlichen fest, „wird sich überdimensionierte Bauten nicht mehr leisten können, zumal die Unterhaltskosten immens sind“.

Eigentlich, betont Birkle, habe man das Thema „Haus der Begegnung“ in einem „offenen Gesprächsprozess mit der Gemeinde“ behandeln wollen – das sei aber coronabedingt derzeit nicht möglich. Doch könnten Pfarrangehörige in Gesprächen mit ihm und den Mitgliedern der Kirchenverwaltung „ihre Fragen stellen und ihre Sicht einbringen“.

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Ulrichswerk will 66 neue Wohnungen an der Römerstraße schaffen

Die Pläne des St. Ulrichswerks für das Areal an der Römerstraße sehen nun sieben statt vier Neubauten vor – wobei das jetzige Pfarrheim, anders als bisher gedacht, komplett abgerissen werden soll. Der neue Vorschlag wirke sogar weniger wuchtig, hieß es am Dienstag im Bauausschuss des Stadtrates. Alle Gebäude sind nun zweigeschossig plus Dachgeschoss geplant: Vier Häuser sollen – statt eines längeren Riegels längs der Straße – quer zur Römerstraße stehen, so könnten die großen Bäume weitgehend erhalten werden. Zudem sind ein Gebäude an der Andreas-Schmidtner-Straße und zwei an der Hardtkapellenstraße (neben dem Haus Emmaus) vorgesehen. Dazwischen wird ein größerer Platz geschaffen.

Insgesamt würden so 66 neue Mietwohnungen entstehen, alle „sozial gefördert“: 17 wären Sozialwohnungen für Weilheimer mit Wohnberechtigungsschein, 49 fallen in die beiden weiteren Kategorien für Bürger mit eher kleinem Einkommen. Aktuell bestehen auf dem Areal bereits 32 Wohneinheiten. Die Geschossflächenzahl (GFZ) darf nicht über 0,85 betragen, wie der Bauausschuss einhellig befand. Er stimmte dem Planentwurf grundsätzlich zu, entschieden wird am Donnerstag, 19. November, im Stadtrat – womit das Bebauungsplanverfahren dann beginnt.

Bei der Vorbesprechung im Ausschuss nannte Alfred Honisch (Grüne) die neuen Pläne „eine massive Verdichtung“, während diese auf Horst Martin (SPD) nun gefälliger wirken: „Das Konzept ist jetzt schöner und besser als vorher“, so Martin. Honisch warf die Frage auf, ob sich der Bauträger dort „nicht auch in Richtung Kita engagieren“ solle – worauf 2. Bürgermeisterin Angelika Flock (CSU) betonte, in diesem Viertel gebe es ohnehin schon besonders viele Betreuungseinrichtungen. Laut Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt-Sommer gilt es aber generell, über eine „Folgekostenbeteiligung des Bauwerbers“ nachzudenken.

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