Die Weilheimerinnen Alexandra Müller-Kunz (l.) und Dorothee Sonntag mit ihrem Logo von „Weilheim hilft!“.
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Die Weilheimerinnen Alexandra Müller-Kunz (l.) und Dorothee Sonntag mit ihrem Logo von „Weilheim hilft!“.

„Weilheim hilft!“: Über 100 Wünsche erfüllt

Dorothee Sonntag wollte im vergangenen Jahr wirtschaftlich Schwächeren möglichst effektiv helfen und meldete sich auf Facebook zu Wort. Daraus wurde „Weilheim hilft!“. Mittlerweile konnten über 100 Wünsche erfüllt werden.

Weilheim – Sofort gemeldet hat sich die Weilheimerin Alexandra Müller-Kunz. Die beiden Frauen – dreifache und vierfache Mütter – verstanden sich sofort. Gemeinsam richteten sie die Facebook-Seite „Weilheim hilft!“ ein, um Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Nöten direkt miteinander zu verbinden.

Die Wünsche, die an die Frauen herangetragen werden, stellen sie auf der Facebook-Seite anonym ein. Personen, die die Wünsche erfüllen wollen, verbinden sie dann direkt mit den Wunschstellern. Wenn der Schenker dies wünscht, wird sein Name veröffentlicht. Sicherlich über 100 Weihnachtswünsche habe man so erfüllen können, sagt Sonntag.

Im Spendenbereich sonst stets berücksichtigte Aspekte wie eine Scham der Bedürftigeren oder Armen, respektive deren Bloßstellung, stellen Müller-Kunz und Sonntag klar hinter den sozialen Aspekt der Begegnung zwischen Mensch und Mitmensch zurück. „Ich glaube, dass es die pandemische Lage den Leuten leichter macht, Wünsche zu äußern“, sagt Sonntag, denn es seien durch Corona ja auch viele Menschen aus der gesellschaftlichen Mitte von unerwarteter Not betroffen. Inzwischen habe man schon mehrfach Leute zusammengebracht, die in Verbindung bleiben werden.

Für Familien, die Probleme haben, ihren Alltagsbedarf aus eigenen Mitteln zu finanzieren, kommen inzwischen auch Gutscheine zum Einsatz. Dabei wird auf Ehrlichkeit und Vertrauen gesetzt. Ein Weilheimer Stammtisch hat für den Gutscheinerwerb 850 Euro gesammelt, Gutscheine von Gewerbetreibenden und weiteren Privatpersonen kamen dazu. Unterstützung erhielten auf diese Weise das Haus Emmaus, das SOS-Kinderdorf, die mobile Kinder- und Jugendhilfe und Bewohner des Bürgerheimes. In der Adventszeit sei die Bereitschaft, „anderen pragmatisch und unbürokratisch vor Ort zu helfen“, enorm gewesen, sagt Müller-Kunz, „seit Wochen schon erfahren wir, dass diese Gesellschaft besser ist als ihr Ruf.“

Fast täglich finden sie und Sonntag Gutscheine im Briefkasten. Es ist auch vorgekommen, dass eine Frau klingelte und 350 Euro mit den Worten übergab, sie und ihr Mann hätten beschlossen, auf gegenseitige Weihnachtsgeschenke zu verzichten und den Betrag lieber zu spenden. Zu Tränen gerührt war Müller-Kunz, als das Inhaber-Ehepaar von Ersoys Früchteparadies mit zwei großen Geschenkkörben und etlichen Warengutscheinen für eine alleinstehende, erkrankte Mutter vorbeikam. „Der Prophet sagt: Wenn du satt zu Bett gehst und dein Nachbar hungert, wirst du nie glücklich werden“, habe die Ehefrau gesagt.

Auch das Ehepaar Fink, das einen Edeka-Markt in der Kanalstraße betreibt und jährlich eine Tombola für einen guten Zweck abhält, wollte Müller-Kunz und Sonntag helfen. Weil sich die Zwei aber nur als Vermittler sehen, durften sie sich das Pollinger Hospiz als Adressat für die Spende auswählen. 610 Euro kamen durch den Losverkauf bei einer Tombola zusammen, die die Finks dem Hospizverein im Pfaffenwinkel stifteten.

Stunden später war alles weg: Rosi Fink (von links), Alexandra Müller-Kunz und Dorothee Sonntag von „Weilheim hilft!“ vor der Edeka-Tombola.

Unter dem Motto „Auszeit für Pflegende statt Böller“ wurde das für Feuerwerk nicht verwendete Geld in Gastrogutscheine für Mitarbeiter des Weilheimer Krankenhauses investiert. Bei der Aktion „Baum gegen Spende“ des Hofgartens Pfaffenwinkel und Hagebaumarkt konnten Kunden sich einen Christbaum mitnehmen. Der Erlös von 555 Euro wurde ebenfalls zum Erwerb von Gastrogutscheinen verwendet. Und das THW Weilheim sammelt bis heute ebenso eifrig wie erfolgreich Geld für diese Aktion.

Inzwischen hat die Aktion der Weilheimerinnen Schule gemacht. Die Peitingerin Susann Tabatabai-Schweizer hat die Gutschein-Idee für die Pflegekräfte der Schongauer Klinik übernommen. Aber auch Sonntag und Müller-Kunz haben noch Pläne. Sie wollen ein Solidaritätssystem schaffen, das finanziell Schwache unterstützt und gleichzeitig Wertschöpfung im Ort hält.

Emanuel Gronau

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