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Apothekerin hat Homöopathika aus Sortiment genommen

Homöopathie-Debatte: Informationsnetzwerk spricht von „beträchtlicher Unkenntnis der Materie“

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Die Entscheidung einer Weilheimer Apothekerin keine Homöopathika mehr im Verkaufsraum anzubieten, hat eine bundesweite Debatte angestoßen. Jetzt meldete sich auch das „Informationsnetzwerk Homöopathie“ zu Wort.

Weilheim - Das bundesweit tätige Netzwerk wurde 2016 in Freiburg/Breisgau gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die – seiner Ansicht nach – fehlende Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln zu informieren. Wie einer der Initiatoren, Norbert Aust, im Gespräch mit dem Weilheimer Tagblatt mitteilte, sei das Netzwerk ein Zusammenschluss von Ärzten, Apothekern, Tierärzten und Wissenschaftlern. 

Norbert Aust vom Informationsnetzwerk Homöopathie.

„Wir haben die Berichterstattung und die Debatte über Homöopathie in ,Weilheimer Tagblatt’ und ,Penzberger Merkur’ aufmerksam verfolgt“, sagt Aust. Und fügt hinzu: „Es befremdet jedoch, in welchem Ausmaß die berichtete Kritik von einer beträchtlichen Unkenntnis der Materie getragen wird. Weder Herr Dr. Kirchner noch die Autoren der zitierten Leserbriefe scheinen die grundlegenden Fakten zu kennen. Es ist nicht hinnehmbar, wie Personen, die quasi per Gesetz zur objektiven Information ihrer Kunden/Patienten verpflichtet sind, unzutreffende Aussagen treffen, die geeignet sind, Patienten zu für sie nachteiligen Entscheidungen zu verleiten.“ 

Es gebe sehr wohl zugelassene Homöopathika, deren Zulassung stamme allerdings aus einer Zeit, bevor die Ergebnisse klinischer Überprüfungen als Grundlage dafür im Arzneimittelrecht festgeschrieben wurden, führt Aust weiter aus. Außerdem meint er: „Homöopathika sind keine höchsten Verdünnungen hoch wirksamer Medikamente. Es sind Verdünnungen, die soweit gehen können, dass keine Spur des Ausgangsmaterials in der Lösung mehr enthalten ist. Allerdings von allen möglichen Stoffen. Zugegeben, es mögen auch tatsächlich gelegentlich Wirkstoffe als Ausgangssubstanzen dienen, allerdings auch in der Umgebung allgegenwärtiger Stoffe wie Schwefel, Speisesalz oder Kalk, und sogar völlig immaterielle Dinge wie Licht, Vakuum oder Elektrizität.“ 

Seine Schlussfolgerung: „Bei der Homöopathie kommen zwei Dinge zusammen. Erstens gibt es keine auch nur halbwegs plausible Erklärung dafür, wie Homöopathika wirken könnten, die nicht mit den Naturwissenschaften heftig kollidiert. Zweitens fehlt jedweder Wirkungsnachweis. Damit unterscheidet sich die Homöopathie fundamental von den konventionellen Medikamenten, bei denen wenigstens außer Zweifel steht, dass ein Wirkstoff beim Patienten ankommt und eine Wirkung immerhin möglich ist.“

set

Lesen Sie auch: Apothekerin Iris Hundertmark nimmt Homöopathie aus dem Sortiment - und stößt damit eine rege Debatte an.

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