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Die Halle steht, auch die Außenanlagen sind fertig: Der Weilheimer Huawei-Standort am Leprosenweg.

Der Betrieb ist bislang ein Geheimnis

Huawei: „Campus“ ist fast fertig und könnte bald kein Geheimnis mehr sein

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Der chinesische Technologiekonzern Huawei hat seinen „Campus“ in Weilheim fast fertig. Rund 70 Menschen sind dort beschäftigt. Bislang ist das Werk ein Geheimnis – das könnte sich 2020 ändern.

Weilheim – Es war im März 2017 ein wirtschaftspolitischer Paukenschlag im eher beschaulichen Weilheim: Der chinesische Mobilfunk-Riese Huawei lässt sich in der Kreisstadt nieder, wurde offiziell bestätigt. Das 1987 von Ren Zhengfein in Shenzhen gegründete Unternehmen ist seit 2001 in Deutschland aktiv. Knapp über 28 000 Menschen werden an 18 Standorten beschäftigt. Nun also Weilheim: Huawei hatte am Leprosenweg ein Grundstück samt Halle von Zarges gekauft, sich das OK des Bauausschusses eingeholt, und auf dem 41 000 Quadratmeter großen Areal einen Neubau hingestellt. Der Konzern sprach von einem „Campus Weilheim“ – nicht für die Produktion, sondern zum Forschen und Entwickeln.

Zum Jahresbeginn 2019 war im „Weilheim Manufacturing Technology Center“ ein Teil des Betriebs aufgenommen worden, wie die Heimatzeitung erfuhr. Jetzt „ist der Campus nahezu fertiggestellt“, teilt Pressesprecher Patrick Berger vom Berliner Büro auf Nachfrage mit. Auf dem Campus arbeiten nach seinen Worten derzeit rund 70 Mitarbeiter.

Chinesen machen Erfahrungen mit Fachkräftemangel

Anfangs war gar von 250 bis 300 Arbeitsplätzen die Rede gewesen. „Abhängig der Geschäftsentwicklung und den daraus resultierenden Anforderungen werden wir weitere Einstellungen vornehmen“, so Berger. Die Chinesen machen allerdings ihre Erfahrungen mit dem Fachkräftemangel: „Mitunter ist es schwierig, in Deutschland geeignetes Personal zu finden“ – weshalb Huawei in ganz Europa suche.

Doch was sich hinter den Hallenmauern tut, ist weiter ein Geheimnis. „Die Entwicklung smarter Automatisierungstechnik ist die Kernaufgabe in Weilheim“, heißt es auf die Frage nach Tätigkeitsbeispielen knapp.

Dabei gibt es durchaus Interesse an dem Werk von Huawei, das aktuell durch die 5G-Debatte in die Schlagzeilen geraten ist. Auch im Stadtrat und im Rathaus war der Wunsch nach einer Werksbesichtigung laut geworden. Bislang ist noch keine offizielle Delegation um Bürgermeister Markus Loth am Leprosenweg gewesen, wie Standortförderer Stefan Frenzl bestätigt. Einzige Ausnahme: „Vertreter der Bauabteilung waren bereits vor Ort“, teilt die Firma mit. Allerdings denkt der Konzern daran, sich zu öffnen. Da der Bau gerade erst fertiggestellt wurde, gab es heuer keine Möglichkeit für einen „Tag der offenen Tür“, erklärt Pressesprecher Berger. „Für 2020 wird dies aber geprüft.“

Zusammenarbeit zwischen Huawei und lokalen Unternehmen

Die Stadt hatte den Konzern in der Anfangszeit kräftig unterstützt. Nicht nur bei der Baugenehmigung. Die Standortförderung um Jutta Liebmann führte eigens Delegationen aus China durch Weilheim. „Es gab auch Kennenlerntermine“, sagt Kollege Frenzl. Dabei soll es nicht bleiben: Man habe mit den Behörden „die Diskussion über die Möglichkeiten der Unterstützung für die Mitarbeiter, beispielsweise bei Kindergartenplätzen aufgenommen“, so der Sprecher.

Auch wenn der chinesische Multi ob seiner Marktmacht und der Furcht vor staatlichen Einflüssen auf dessen Kommunikationstechnologie kritisch gesehen wird: Im Rathaus ist man froh, den Koloss an Land gezogen zu haben. Nicht nur, weil heimische Betriebe davon profitieren. Laut Huawei arbeite man mit lokalen Unternehmen zusammen, die Dienstleistungen für die technische Installation, Inbetriebnahme und Wartung sowie für Hausverwaltung und Begrünung erbringen. 

Der Bürgermeister schwärmte vor Jahresfrist auch von einem Imagegewinn. „Man wird schon darauf angesprochen“, hat Standortförderer Frenzl eine Strahlkraft bemerkt. Die Niederlassung verschaffe „schon eine positive Aufmerksamkeit“. Der Konzern hält sich am Leprosenweg alle Optionen offen. „Es gibt noch die Möglichkeit einer zusätzlichen Erweiterung des bestehenden Geländes“, heißt es aus Berlin.

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