1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Weilheim

Kindergarten kommt auf den Hund: Golden Retriever „Ben“ ist der Liebling der Kinder

Erstellt:

Kommentare

Kindergarten-Hund Ben beim Würfelspiel: Sein Frauchen, die Kindergarten-Leiterin Lisa Rauh, und ein Teil der „Nepomuk“-Vorschulkinder beobachten ihn.
Kindergarten-Hund Ben beim Würfelspiel: Sein Frauchen, die Kindergarten-Leiterin Lisa Rauh, und ein Teil der „Nepomuk“-Vorschulkinder beobachten ihn. © grona

Der Kindergarten „Nepomuk“ im Westen Weilheims hat einen ungewöhnlichen Mitarbeiter: den Golden Retriever Ben. Er ist Liebling der Kinder und leistet gute Dienste, wie eine Recherche ergab.

Weilheim – Er steht im Tor, mag Würfelspiele, lässt sich umarmen, wird gern gekrault und gestreichelt und ist handsam und geduldig. Den jüngsten Mitarbeiter mögen wohl alle im Betrieb, auch wenn er nur an drei Tagen in der Woche arbeitet und dann auch nur so etwa jeweils 30 Minuten. Er heißt Ben, einfach nur Ben ohne Nachname – er ist ein zweieinhalbjähriger Golden Retriever. Und neben dem Hundsein geht er seit ein paar Wochen einem erlernten „Beruf“ nach: Ben ist pädagogischer Begleithund. Seine Chefin ist die 29-jährige Lisa Rauh.

Golden Retriever im Kindergarten: Umgang mit Tieren stärkt das Selbstvertrauen

Dass die Stadt bei der Kinderbetreuung im „Nepomuk“ im Westen Weilheims auf den Hund gekommen ist, verdankt sie der jungen Erzieherin, die den städtischen Kindergarten seit 2018 leitet. Rauh ist in Peißenberg mit Hunden aufgewachsen; und seitdem sie daheim ausgezogen war „wollte ich immer einen eigenen Hund“, erzählt sie.

Nach ihrer Ausbildung in Weilheim und einer ersten Station in einem anderen Kindergarten kehrte sie zum „Nepomuk“ zurück – und hatte mit ihrer Bewerbung für die frei werdende Leitungsstelle Erfolg. Seither beschäftigte sie sich intensiv mit der Idee, einen Hund in ihre Arbeit zu integrieren. Letzter Anstoß war dann der Besuch eines Berner Sennenhundes im Kindergarten: „Wir hatten das Thema Haustiere, und eine Mama brachte den Familienhund mit. Das war toll für die Kinder. Die redeten noch lange über diesen Besuch.“

Deshalb fragte Lisa Rauh beim städtischen Kinder- und Jugendbüro sowie ihren Mitarbeiterinnen nach, was die vom Einsatz eines Hundes hielten: „Die waren begeistert.“ Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Umgang mit Tieren und Hunden im Besonderen das Selbstvertrauen stärken sowie Ängste und Stress abzubauen helfen kann – auch und gerade bei Kindern.

(Unser Schongau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Golden Retriever im Kindergarten: Eine halbe Stunde „arbeitet“ der Hund mit den Kindern

Also ging Rauh zusammen mit dem noch kleinen Ben, der inzwischen bei Frauchen Lisa lebte, seit Anfang vergangenen Jahres in die Lehre: Beim „Institut für Tiere im Einsatz“ in Schongau bildete sich die Erzieherin zur „Tiergestützten Fachkraft für tiergestützte Pädagogik“ weiter, Ben legte nach längerem Training eine Wesens- und Eignungsprüfung ab und am Ende bestanden Lisa und Ben die gemeinsame Ausbildung zum „Mensch-Hund-Team“.

Seither ist Ben der Liebling der „Nepomuk“-Kinder. In Kleinstgruppen mit bis zu acht Mädchen und Buben und nur für eine halbe Stunde, damit es für ihn nicht zu stressig wird, „arbeitet“ er mit den Kindern. Bei den Vorschulkindern etwa übernimmt er beim Zahlenlernen schon mal das Würfeln – mit der Schnauze. Als „Manuel Neuer“, so nennen ihn die Buben dann, steht er beim Fußballspielen im Garten im kleinen Tor.

(Alle News und Geschichten aus unserem Landkreis sind auch auf unserer Facebook-Seite zu finden.)

Golden Retriever im Kindergarten: Kinder lernen Rücksichtsnahme und soziales Verhalten

Die Kinder lernen beim Umgang mit ihm Rücksichtnahme und soziales Verhalten: „Als Ben einmal im Garten in eine Wespe getreten ist und gejault hat, haben die Kinder sofort Wasser geholt, um seine Pfote zu kühlen“, erzählt Rauh.

Auch im Einzelfall kann der Hund helfen, da er seinem Gegenüber völlig wertfrei begegnet und sensibel auf Stimmungen und Gefühle reagiert. Auch dafür hat Lisa Rauh ein Beispiel: Ein kleiner Bub hat immer alleine gespielt, hatte keine Freunde, war verschlossen und hat nicht geredet. „Zu Ben hat er eine Verbindung aufgebaut, hat sich ihm geöffnet, ihn umarmt – und mit ihm geredet!“ Inzwischen ist der Bub in seine Gruppe und den Kindergarten integriert.

Nach der halben Stunde darf der Golden Retriever immer mit Frauchen im Viertel und an der Ammer spazieren gehen, „damit er den Kopf frei bekommt“, wie sie schmunzelnd sagt. Denn was in der Gruppe oft spielerisch aussieht, ist für das Mensch-Hund-Team durchaus Arbeit – und dazu gehört auch, immer wieder neue Settings, so heißen die Einheiten mit den Kindern, vorzubereiten und einzuüben. Damit Ben weiter gerne der Freund der Kinder bleibt.

VON RALF SCHARNITZKY

(Unser Weilheim-Penzberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)

Auch interessant

Kommentare