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Die Weilheimer Innenstadt ist eine autofreie Zone. So soll es demnächst auch zwischen Krumpperplatz und Meisteranger sein. 

Mit Ausnahme eines einzigen Stellplatzes

In Weilheim soll das erste „autofreie Quartier“ entstehen 

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Vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 29 Wohnungen werden demnächst in dem großen Garten zwischen Krumpperplatz und Meisteranger gebaut. Dort soll das erste „autofreie Quartier“ Weilheims entstehen.

Weilheim – Die durchaus massiven Pläne betreffen nur die östliche Hälfte des insgesamt gut 6000 Quadratmeter großen Areals. 

Ein Investor aus Regensburg habe diesen Teil komplett erworben, hieß es jetzt im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates, und wolle dort vier Mehrfamilienhäuser errichten: Für den Neubau, der direkt am Krumpperplatz liegen wird (mit zwei Vollgeschossen plus ausgebautem Dachgeschoss) will die Stadt in der Änderung des Bebauungsplans „Obere Stadt III b“ zwingend ein Satteldach festsetzen. Die drei Häuser im straßenabgewandten Bereich sind mit jeweils drei Vollgeschossen und Flachdach geplant.

Zwischen den Neubauten wird es eng

Der Abstand der Neubauten zu den östlich angrenzenden Reihenhäusern am Meisteranger wird laut Stadtbauamt rund 17,60 Meter betragen. Zwischen den Neubauten selbst wird es wesentlich enger. Die Geschossflächenzahl (GFZ), welche die Dichte der Bebauung anzeigt, liegt bei 0,84. 

„Das passt soweit“, meinte BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung, „wir haben uns ja durchgerungen zu solcher Bebauung“.

Die „Maximalbebauung“ sah das Gremium durchaus kritisch, doch die Ausgestaltung der Planung hat die meisten Mitglieder überzeugt: So wolle der Investor sämtliche Autostellplätze in einer Tiefgarage unterbringen, wie Manfred Stork, Leiter der Bauverwaltung im Rathaus, erklärte. 

Nur ein Stellplatz am Krumpperplatz 

Mit Ausnahme eines einzigen Stellplatzes direkt am Krumpperplatz sei das Grundstück „oberirdisch autofrei“ geplant. „Das ist ein neuer Weg“, sagte Stork, „aber das kann man in einem solchen Quartier vielleicht mal machen“.

Die Flachdächer der vorgesehenen „Terrassenhäuser“ will der Bauträger begrünen. Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt nannte dieses Konzept „super“: Gründächer seien „sommerlicher Wärmeschutz und Retentionsfläche für starke Regenfälle“; zudem böten sie Möglichkeiten für „urban gardening“ (Gartenbau auf kleinen Flächen in Städten), und auch größere Sträucher seien dort möglich. Roppelt betonte außerdem, dass ein kleiner privater Spielplatz vorgesehen sei.

„Da wird auch wieder maximal bebaut, aber es ringt mir eine gewisse Sympathie ab, dass es oberirdisch autofrei sein soll“, so fasste Grünen-Sprecher Alfred Honisch die Pläne zusammen: „Man könnte dem Ganzen vielleicht sogar einen gewissen Modellcharakter zuschreiben.“

Parkdruck werde sich entspannen

Stefan Zirngibl (CSU) goutierte das „flächensparende Bauen“, doch werde der Abstand zwischen den Neubauten dadurch „zum Teil nur noch 7,50 Meter“ betragen. „Ich will mich dieser neuen Art zu bauen nicht verschließen“, so der CSU-Mann, „aber man sieht auch: Das ist nicht unproblematisch“. 

Er vermute, dass Besucher dort „in der Realität“ außerhalb des Quartiers statt in der Tiefgarage parken werden – und stimme der Ausnahmegenehmigung dennoch zu, weil sich der „Parkdruck in dem Viertel“ durch das geplante Parkhaus der Stadtwerke an der Krumpperstraße entspannen werde. 

Zirngibls Fazit für die Bebauung südlich des Krumpperplatzes: „Ja, probieren wir es einmal. Das ist sicherlich ein neuer Weg, und in ein paar Jahren muss man mal eine Bestandsaufnahme machen, ob diese neuen Wege auch das halten, was sich der ein oder andere davon verspricht.“

Außenrum kein Platz zum Spielen vorhanden

Der Bauausschuss segnete die für die geplante Nachverdichtung nötige Bebauungsplan-Änderung ab – nur Uta Orawetz (CSU) stimmte dagegen. „Einiges ist gut gelungen“, erklärte sie, „aber mit der Art der Maximalbebauung tue ich mir sehr schwer. Da ist außenrum kein Platz zum Spielen.“

In die Bebauungsplan-Änderung wird bezüglich der städtebaulichen Struktur auch die westliche Hälfte des Garten-Areals mit einbezogen. Deren Eigentümer hätten derzeit aber keine Bau-Absichten, wie es hieß. Zum konkreten Bauleitplanverfahren (inclusive Kostenübernahme durch den Bauwerber) kommt es deshalb vorerst nur für den östlichen Teil.

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