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Das Gedenken an ermordete Juden sollen die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig sichtbar machen – hier ein Exemplar, das in Feldafing verlegt wurde.

Zum Gedenken an die getöteten Juden

Vor 13 Jahren abgelehnt und jetzt doch in Planung - Stadtrat stimmt über „Stolpersteine“ ab

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„Stolpersteine“ in der Innenstadt, zur Erinnerung an die Weilheimer Juden, die Opfer der Nationalsozialisten wurden: Vor 13 Jahren hat der Stadtrat diese Idee abgelehnt. Jetzt wurde sie von Eckart Stüber (Grüne) wieder aufs Tapet gebracht – und diesmal scheint es zu klappen.

  • Vor 13 Jahren wollte der Stadtrat in Weilheim mit „Stolpersteinen“ den getöteten Juden gedenken. 
  • Damals wurde gegen diese Idee gestimmt. 
  • Jetzt stehen die „Stolpersteine“ wieder auf der Liste für die kommende Stadtratssitzung.

Weilheim – Im Jahr 2006 war es die SPD-Stadtratsfraktion, die beantragt hatte, der aus Weilheim deportierten und getöteten Juden öffentlich zu gedenken. Als mögliche Formen wurden „Stolpersteine“, eine Gedenktafel oder auch die Benennung einer Straße vorgeschlagen. 

„Stolpersteine“ in Weilheim: Stadtrat war vor 13 Jahren gegen diese Idee

Doch die Stadtratsmehrheit votierte im Juni 2007 für ein Mahnmal auf dem Friedhof. Seit 2010 erinnert dort ein Gedenkstein an die jüdischen Weilheimer, „die unter der Naziherrschaft von 1933 bis 1945 gequält und verfolgt, vertrieben und beraubt, verschleppt und ermordet wurden“, wie Bürgermeister Markus Loth bei der Enthüllung des Denkmals sagte.

Zudem wurde die einstige Windgasse in der Altstadt in Buxbaumgasse umbenannt, in Erinnerung an die Kaufmannsfamilie Buxbaum, die einst ein Bekleidungsgeschäft am Marienplatz hatte – ehe die Familienmitglieder von den Nazis ermordet wurden. Nach Recherchen des früheren Stadtarchivars Bernhard Wöll lebten von 1877 bis 1939 in Weilheim rund 50 Juden. 

Abstimmung über Stolpersteine in Weilheim: Weilheimer Juden wurden in Auschwitz und Kaunaus getötet

Doch mit Machtübernahme der Nationalsozialisten begann der Anfang vom Ende der jüdischen Gemeinde auch in Weilheim. Auf Repressalien und Gewalt folgte schließlich die Deportation in die Ghettos und Vernichtungslager. Weilheimer Juden starben in Auschwitz und in Kaunaus (Lettland).

Beeindruckt von der Gedenkfeier am 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, hat Grünen-Stadtrat Eckart Stüber nun beantragt, in der Buxbaumgasse einen „Stolperstein“ zum „Gedenken an die vor den Nationalsozialisten geflüchtete und ermordete Weilheimer Familie Buxbaum“ zu verlegen. Der Künstler Gunter Demnig hat diese Idee vor über 25 Jahren entwickelt – und vor sechs Wochen in Memmingen den 75 000. „Stolperstein“ installiert. Auch Schongau hat kürzlich beschlossen, einen solchen Stein zu verlegen.

„Stolpersteine“ sollen in Weilheim an „prominenten Stellen positioniert werden“

Stübers Vorstoß wurde von der SPD-FDP-Fraktion um einen „Erweiterungsantrag“ ergänzt: Die „Stolpersteine“ sollen „an prominenter Stelle, idealerweise zwischen Sparkasse und Stadtmuseum (vor dem ehemaligen Haus der Familie Buxbaum) positioniert werden“. Außerdem sollen auch dort Steine verlegt werden, „wo nach den Archiv-Unterlagen weitere jüdische Familien und andere Verfolgte des Nationalsozialismus (Sinti, Roma, Euthanasie-Opfer usw.) wohnhaft waren“.

Diesen erweiterten Antrag hat der Hauptausschuss des Stadtrates vergangenen Mittwoch einstimmig befürwortet, entschieden wird darüber am kommenden Donnerstag im Stadtrat. Das Vorhaben, in Weilheim einen „Stolperstein“ zu verlegen, soll dem Zentralrat der Juden in Deutschland mitgeteilt werden. 

Abstimmung im Stadtrat: „Es hat sich viel getan über die Jahre“

Dessen damalige Präsidentin Charlotte Knobloch habe sich in der Debatte vor 13 Jahren gegen „Stolpersteine“ ausgesprochen, wie sich Ingo Remesch im Ausschuss erinnerte. Doch „es hat sich viel getan über die Jahre“, so der SPD-Vertreter: „Ich hätte kein Problem, heute anders zu entscheiden.“

„Stolpersteine“ seien „das Original“ und eine gute Form des Gedenkens, so waren sich die Ausschussmitglieder einig. „Man bleibt stehen, hält inne, liest die Namen und denkt nach, was da geschehen ist – und das ist der Sinn der Sache“, erklärte FW-Sprecher Walter Weber.

Die Stadtratssitzung

– in der über die „Stolpersteine“ entschieden wird – beginnt diesen Donnerstag, 13. Februar, um 19 Uhr im Rathaus. Auf der Agenda steht zudem u.a. der Antrag von Saika Gebauer-Merx, die Bürgerbefragung zur Umfahrung vorerst zu stoppen.

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