Ein Schüler macht vor der ersten Stunde an einer Schule einen Corona-Schnelltest.
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Schüler müssen sich regelmäßig auf Corona testen.

Seit Dezember nicht im Unterricht

Kein Abitur für Coronatest-Verweigerer? Mutter fürchtet um Schulabschluss ihrer Tochter

  • Kathrin Hauser
    VonKathrin Hauser
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Weil sie ihre Tochter, die in der Q11 am Weilheimer Gymnasium ist, nicht testen und impfen lassen möchte, sieht eine Weilheimer Mutter nun das Abitur für ihre Tochter in Gefahr.

Weilheim – Seit vergangenem Weihnachten haben die Kinder einer Weilheimer Familie den Schulunterricht nicht mehr besucht. Ihre Mutter lehnt für ihre Kinder ab, dass diese bei den Coronatests mitmachen, die in der Regel drei Mal pro Woche in den Schulen durchgeführt werden. Sie begründet den Vorbehalt gegen die Tests damit, dass „in Bayern keine Tests für Gesunde zugelassen sind“. Weil aber ein negativer Coronatest für den Schulbesuch derzeit obligatorisch ist, machen die Kinder der Familie weiter Homeschooling.

Das sei kein großes Problem, sagt die Mutter, auch wenn es ihr lieber sei, wenn ihre Kinder die Schule besuchen könnten. Sie seien gut vernetzt, sodass ihr Nachwuchs nicht unbedingt auf den Schulbesuch angewiesen sei, um soziale Kontakte zu pflegen.

Ohne Coronatest darf Tochter die Schule nicht besuchen

Die Familie hat fünf Kinder, drei sind noch in der Schule, eine Tochter ist in der Q11 am Weilheimer Gymnasium. Weil die Tochter keine Coronatests machen möchte, darf sie die Schule nicht besuchen – auch nicht, wenn Leistungsnachweise geschrieben werden, die sie für die Zulassung zum Abitur benötigt. Das bedeute, dass die Tochter keine Zulassung zum Abitur erhalte, erläutert die Mutter. Vom Weilheimer Gymnasium habe sie dazu folgende Passage aus einem Schreiben des Kultusministeriums weitergeleitet bekommen:

„Insbesondere schriftliche Leistungsnachweise können regelmäßig nur in Präsenz abgelegt und zur Vermeidung von Unterschleif hinreichend beaufsichtigt werden. Die Erfüllung der Testobliegenheit ist auch dafür Voraussetzung. Wird ihr nicht nachgekommen, muss den Betroffenen bewusst sein, dass Noten, die Voraussetzung für ein Vorrücken oder den Erwerb eines Schulabschlusses sind, nicht erworben werden können. Diese Konsequenz kann die Schule den Betroffenen nicht abnehmen.“

Alle Eltern, die ihre Kinder nicht testen lassen möchten, müssen Anträge auf Beurlaubung stellen. Die Schulleitung entscheidet dann im Einzelfall, ob es Gründe gibt, die bei dieser Familie eine Beurlaubung des Kindes erfordern. Wie ein Mitglied des Direktorats des Weilheimer Gymnasiums sagt, gibt es im Rahmen dieses Prozesses auch ein Gespräch mit den Eltern, in dem darüber aufgeklärt wird, welche Konsequenzen dieser Schritt für den Schüler hat.

Am Weilheimer Gymnasium gibt es mehrere Testverweigerer

Unter anderem werde deutlich darauf hingewiesen, dass keine Leistungsnachweise erbracht werden können, wenn das Kind die Schule nicht besucht. Dass sie diese Folge bewusst in Kauf nehmen, lasse sie die betreffenden Eltern sogar unterschreiben, sagt die Direktorin des Weilheimer Gymnasiums, Beate Sitek, die die Anträge bearbeitet.

Neben der Familie mit der Tochter in der Q11 gebe es „einige wenige“ weitere Fälle, in denen Eltern die Coronatests für ihre Kinder verweigern. Es sei keine große Zahl an Testverweigerern, aber dennoch mehr, als das an den anderen Schulen in der Region der Fall sei, sagt Sitek. In einer Besprechung zu diesem Thema vergangene Woche hätten all ihre Kollegen von null bis einem Fall berichtet. „Es ist ein Vielfaches von dem, was an allen anderen Schulen im Oberland los ist“, sagt Sitek. Sie vermute inzwischen, dass es ein Netz dieser Eltern gebe.

Von 570 Schülern an seiner Schule seien fünf Schüler zu Hause, weil ihre Eltern die Tests verweigerten, sagt auch der Rektor der Weilheimer Mittelschule, Rolf Schleich.

Coronatest nicht für Gesunde zugelassen?

Grundsätzlich habe sie nichts gegen Coronatests, sagt die Weilheimer Mutter: „Wir hätten kein Problem damit, unsere Kinder zu testen, aber die Tests sind nicht für sie zugelassen, solange sie gesund sind.“ Sie hat die entsprechenden Passagen aus den Beipackzetteln der verschiedenen in den Schulen verwendeten Tests kopiert. Im überwiegenden Teil der Beipackzettel steht tatsächlich, dass die Tests für Menschen vorgesehen sind, die Corona-Symptome haben.

Die Coronatests könnten dennoch in den Schulen verwendet werden, heißt es aus dem Gesundheitsamt des Landkreises auf Nachfrage. „Es stimmt nicht, dass die Tests nicht für Gesunde zugelassen sind, sie sind vom Freistaat Bayern für die Schulen freigegeben worden“, sagt eine Pressesprecherin des Landratsamtes.

Die Mutter überlegt, rechtliche Schritte einzuleiten

Die Mutter will das nicht fraglos hinnehmen – vor allem, weil die Tests nach wie vor freiwillig seien und denen, die sie ablehnten, auch keine Nachteile entstehen dürften. Das habe auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in einem Urteil im Frühjahr bestätigt. Sie überlegt, rechtliche Schritte einzuleiten: „Ich finde das alles fragwürdig und trage es nicht mit.“

Für Sitek bedeutet es einen großen zeitlichen Aufwand, sich mit den Eltern auseinanderzusetzen: „Eigentlich würde ich diese Zeit lieber in die Gestaltung der Gemeinschaft stecken“, sagt die Direktorin des Gymnasiums.

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