Die Gastronomie und die AfD

Kommentar zum „Pöltner Hof“: Richtiges Ansinnen, falscher Weg

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Tagblatt-Redakteur Sebastian Tauchnitz zum Shitstorm auf Facebook gegen den „Pöltner Hof“.

Zu unserem Artikel: Nach Facebook-Shitstorm: „Pöltner Hof“ in Weilheim wirft AfD raus 

Kann man das Falsche tun, weil man das Richtige will? Ich denke schon. Man kann und darf die AfD mit all ihrer Hetze ablehnen und inhaltlich bekämpfen. Allerdings kann und darf man dabei nicht zu allen Mitteln greifen. Was da in Sachen „Pöltner Hof“ in den vergangenen Tagen auf Facebook passiert ist, dafür gibt es einen neudeutschen Begriff: „Shitstorm“.

Es ist allzu leicht, seinen Unmut in die Kommentare eines Facebook-Posts zu tippen. Es ist allzu leicht, das Restaurant im Internet in Grund und Boden zu bewerten, weil es einem nicht passt, dass dort auch die AfD ihre Veranstaltungen abhalten darf.

Das alles ist viel leichter, als persönlich beim Wirt vorbeizuschauen und ihm ins Gesicht zu sagen, dass die AfD-Hetze diesem schönen Haus einen hässlichen Anstrich verleiht. An der Reaktion von „Pöltner Hof“-Wirt Reinhard Bott, die er jetzt auf Facebook postete, ist deutlich erkennbar, dass vielleicht schon dieses eine Gespräch ausgereicht hätte, um ihn zum Umdenken zu bewegen. Statt dessen stößt, wer nach dem „Pöltner Hof“ googelt, jetzt auf existenzbedrohend schlechte Bewertungen.

Sicher hat Bott eine gewisse Mitschuld an den Ereignissen. Wenn er, wie er selbst sagt, Angehörige sieben verschiedener Nationen beschäftigt, dann würde sich für mich die Frage nicht stellen, ob ich diesen Mitarbeitern zumuten möchte, die AfD mit all ihrer Fremdenfeindlichkeit zu bedienen.

Auch wenn die AfD immer wieder lamentiert: Es gibt keinen Rechtsanspruch darauf, in einem Restaurant bedient zu werden. Wenn der Wirt die AfD nicht mag, dann überlässt er ihr nicht seine Räumlichkeiten. Mag er die CSU, die SPD oder die Grünen nicht, verfährt er ebenso. Das ist sein gutes Recht als Hausherr. Diese Entscheidung darf man kritisieren. Aber vielleicht auf die mutige Art: Im offenen Gespräch. Nicht hingetippt im Internet.

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