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Elektro-Hippies an einem lauen Sommerabend: Tausende Besucher kamen zum „Komod“-Festival nach Weilheim und feierten die Nächte durch.

Nach drei Tagen Party an der Ammer

„Verantwortliche gerichtlich belangen“: Komod-Festival löst Mega-Diskussion aus

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Das Komod-Festival an der Ammer in Weilheim ist vorbei - die Diskussion darüber geht weiter. Die einen sind begeistert, die anderen drohen, eine Wiederholung verhindern zu wollen. Wir haben die Debatte zusammengefasst.

Weilheim – Das Festivalgelände ist lange geräumt, die Lichtergirlanden sind eingelagert – das Komod-Festival 2018 mit mehreren tausend Besuchern an drei Tagen ist Geschichte. Die Debatte über die Veranstaltung rund um das Naturfreundehaus dauert aber weiter an. Zahlreiche Leserbriefe erreichten die Redaktion – die einen freuen sich, dass es endlich ein wirklich jugendliches, friedliches und weitgehend müllfreies Angebot in Weilheim gab, die anderen beklagen die mit dem Festival verbundene Lärmbelastung. Stein des Anstoßes war der Kommentar von Simon Nutzinger, Volontär des Weilheimer Tagblatts und des Penzberger Merkurs:

Respekt gebührt den Veranstaltern - ein Kommentar von Simon Nutzinger

Simon Nutzinger, Volontär beim Weilheimer Tagblatt und Penzberger Merkur.

„Weilheim klappt die Bürgersteige mal nicht nach oben – endlich, möchte man sagen. Nachdem die Kreisstadt jahrelang vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene in puncto Nachtleben nur wenig zu bieten hatte, hat das „Komod-Festival“ ihr neues Leben eingehaucht. Das vergangene Wochenende hat dabei eines gezeigt: Die Menschen aus Weilheim und Umgebung dürsten nach Veranstaltungen wie dieser. Der enorme Zuspruch zeigt, wie groß die Sehnsucht nach einem neuen, jugendlichen kulturellen Angebot ist. Respekt gebührt den Veranstaltern. Christian Botsch, Navina Pernsteiner, Florian Mangold und ihre 200 Helfer haben gezeigt, was in Weilheim möglich ist. Eine Zukunft des Festivals wäre ein großer Gewinn für den Landkreis.“

Auf die Vorwürfe seitens einiger Leser an den Volontär reagiert Sebastian Tauchnitz, stellvertretender Redaktionsleiter des Weilheimer Tagblatts, so:

Kommentar von Sebastian Tauchnitz

Sebastian Tauchnitz, stellvertretender Redaktionsleiter Weilheimer Tagblatt.

„Was ist die Aufgabe einer Tageszeitung? Sie soll ihre Leser umfassend, aktuell, wahrheitsgetreu und kompetent informieren. Sie soll ihren Lesern allerdings auch helfen, die aktuellen Nachrichten einzuordnen. Deshalb gibt es in Tageszeitungen seit jeher auch den Kommentar als Form der journalistischen Meinungsäußerung. Ein Kommentar – Sie lesen gerade einen – soll dem Leser keine Meinung vorgeben. Vielmehr soll er eine Diskussionsgrundlage bilden, indem ein Journalist, der sich intensiv mit der Materie beschäftigt hat, seine Meinung zu einem Thema äußert. Mein Kollege Simon Nutzinger hat in der Montagsausgabe einen Kommentar zum „Komod“-Festival in Weilheim geschrieben. Er schrieb ihn, nachdem er das ganze Wochenende umfassend und sorgfältig vor Ort auf dem Festivalgelände recherchiert hat. Seine Recherche führte auch zu einem Bericht, in dem er sachlich und ohne jede Meinungsäußerung wiedergab, dass das Fest ein Erfolg war, junge Menschen ausgelassen gemeinsam feierten, dass es es friedlich blieb und die Organisatoren darauf achteten, dass Müll vermieden und die Natur möglichst wenig beeinträchtigt wurde. In seinem Bericht ging er auch darauf ein, dass die Polizei wegen der Lärmbelästigung der Anwohner vor Ort war und was die Veranstalter dazu sagen – nüchtern und sachlich, wie Sie es zurecht von Ihrer Heimatzeitung erwarten. Dazu verfasste mein Kollege auch einen Kommentar, der klar als solcher gekennzeichnet war. Und äußerte in diesem Kommentar seine Meinung. Eine Meinungsäußerung, die für eine umfangreiche und kontroverse Debatte unserer Leser sorgte. Eine Debatte, die wir in den vergangenen Tagen und auf dieser Seite dokumentiert haben. Kollege Nutzinger hat also nicht mehr und nicht weniger gemacht, als das journalistische Handwerk konsequent und regelgemäß anzuwenden. Man muss seine Meinung nicht teilen, man darf, kann und soll ihm widersprechen, wenn man anderer Ansicht ist. Was man indes nicht tun sollte, ist, ihm zu unterstellen, er habe einseitig berichtet, nur weil er einen Kommentar geschrieben hat. Das wäre schlichtweg falsch.“

Auch in den Tagen danach ließ das Thema „Komod-Festival“ den Weilheimern und Menschen aus der Umgebung keine Ruhe. Hier weitere Lesermeinungen:

Ein Auge zudrücken (und vielleicht Ohropax verwenden)

„Ich wundere mich doch jedes Mal, was sich stets beschwert wird, wenn in Weilheim mal was anderes stattfindet als wie die üblichen Veranstaltungen. Ich verstehe es, dass sich manche durch den Bass gestört gefühlt haben – aber muss man deswegen gleich von Körperverletzung schreiben und dass man sich als geschädigte Bürger zusammentun muss, um das nächste Festival zu verhindern? Nein! Es gibt so viele Leute, die das eine tolle Idee fanden, die BEGEISTERT davon waren, dass endlich mal was Neues in Weilheim stattfand und das auch mal eine Tanzmöglichkeit für jedermann dabei war! Es ist doch nur einmal im Jahr, wenn es weiterhin stattfinden sollte, da kann man doch mal ein Auge zudrücken (und vielleicht Ohropax verwenden) und dieses tolle Festival FÜR ALLE weiterhin stattfinden lassen!“

Mareike Heib, Weilheim

Ich empfinde tiefe Wut

„Hallo zusammen, die Online-Überschrift ,Komod-Festival an der Ammer: Elektro-Musik von mittags bis morgens in Naturidylle’ ist eine Frechheit gegenüber den vom Lärm gepeinigten Anwohnern von Weilheim. Musik bis 4 Uhr Früh in der erlebten Lautstärke ist und bleibt Körperverletzung. Familien sind mit ihren Kindern oder auch Hunden mit dem Auto aus Weilheim gefahren, da das Weinen und Bellen nicht mehr auszuhalten war. Es ist sicher wichtig für Weilheim und die Jugend, was zu tun aber muss das so sein, dass die Belange der Anwohner egal sind? Ich empfinde tiefe Wut über die Reaktion der Presse, die das Ganze als romantisches Naturereignis feiert. Der Lärm war mehrere Kilometer zu hören und die Bässe haben fast weh getan. Sich hierüber lustig zu machen oder zu schreiben, ist schlichtweg eine Gemeinheit und frech. Es ist zu vermuten, dass hier Recht gebeugt wurde und das Ganze noch schön verpackt wird. Die Verantwortlichen sind zu finden und gerichtlich zu belangen.“

Manfred Saalfeld, Weilheim

Wer nichts wagt, gewinnt auch nichts

Da gibt es in Weilheim junge, engagierte Leute, die in ihrer Freizeit versuchen, ein Festival auf die Beine zu stellen, das sich sehen und hören lassen kann. Über diese Art der Musik lässt sich streiten beziehungsweise konstruktiv diskutieren. Den Leuten aber dann sofort wieder durch nörgelnde, störende, destruktive Überlegungen den Wind aus den Segeln zu nehmen, finde ich unfair. Ich wohne im Osten von Weilheim und gehöre mit knapp 62 Jahren wohl nicht mehr ganz zu der Festivalzielgruppe. Auch ich wachte beide Nächte auf, allerdings eher wegen der Hitze. Ich habe das Wummern der Bässe (bei offenen Fenstern) ebenfalls vernommen. Allerdings habe ich mich nicht in eine aufgeregte, festivalablehnende Stimmung versetzt – ganz im Gegenteil. Ich habe mich gefreut, dass viele ehemalige Weilheimer das Festival zum Anlass nahmen, sich mal wieder zu treffen. Ich habe mich gefreut, dass viele junge und ältere Teilnehmer dem Festival der etwas anderen Art eine Chance geben. Ich habe mich gefreut,das Themen wie E-Mobilität, Vegetarismus, Yoga, Nachhaltigkeit das Festival ergänzten – und über dieser Freude bin ich dann wieder eingeschlafen. Warum sollten die Veranstalter nicht auch entlohnt werden? Es braucht viel Vorbereitungszeit und Durchhaltevermögen, um so ein Fest zu stemmen. Zudem tragen sie ja auch das Risiko. Wer nichts wagt, gewinnt auch nichts. Die Tiere ,panikten’, das Wummern der Bässe ,grenzt an Körperverletzung’, Gesundheitsschutz geht vor alles – Argumente, die durchaus Berechtigung haben. In einer Zeit, in der wir täglich mit Autolärm und Abgasen, mit Presslufthammerlärm zum Ausbau der Straßen, mit Tierversuchen und Fleischskandalen konfrontiert werden, wäre es wünschenswert, offener zu sein und sich gegenseitig konstruktiv zu stützen.“

Lisa Dreer, Weilheim

Das Komod-Festival in Bildern

Mit weniger Getöse wäre allen Seiten auch gedient

„Liebe Leserbrief-Schreiberin Frau Fottner, natürlich ist es erfreulich, wenn ein Fest friedlich verläuft und ökologisch ausgerichtet ist. Doch wie so oft hört die Ökologie dann bei den Tieren auf – sogar im Naturfreundegebiet. Obwohl Natur, Menschen und Tiere schon durch Hitze geschwächt sind, werden sie noch zusätzlich durch einen behördlich genehmigten Event gestresst. Mit weniger Getöse wäre allen Seiten auch gedient! Zum Schluss noch die Frage: Wie würden Sie den von Ihnen vorgeschlagenen ,Zwei-Nächte-Umzug irgendwo hin, wo es ruhig ist’ für Tiere organisieren?“

Edith & Leonhard Pröbstl, Etting

Kinder sind andere Lautstärken gewöhnt

„Anstatt sich zu freuen, dass es noch junge Menschen gibt, die etwas bewegen wollen, sich engagieren und bis zur Erschöpfung monatelang liebevoll dieses tolle Fest organisieren, gibt es Menschen, die wegen einer unruhigen Nacht auf die Barrikaden gehen. Ich, 59 Jahre, konnte auch nicht schlafen, was aber viel mehr an der momentanen Hitze liegt. Horror für meine Tiere sind Gewitter und Feuerwerke. Zu den ängstlich schreienden Kindern in der Nacht – glauben sie mir, Kinder sind andere Lautstärken gewöhnt (Kindergarten, Freibad usw). Eine Frechheit ist es, Herrn Nutzinger zu unterstellen, sein Bericht sei diktiert worden. Macht weiter ihr tollen Kinder! Lasst euch von den ewigen Nörglern nicht die Freude an eurem Fest nehmen!“

Regina Wiedemann, Peißenberg

Zum nächsten Komod-Festival komme ich!

„Mit 65 gehöre ich sicher nicht zur Kernzielgruppe des Festivals. Trotzdem finde ich es richtig und wichtig, dass so etwas in Weilheim stattfinden darf, ja muss. Dem Veranstaltungsteam gratuliere ich zur friedlichen Veranstaltung und Simon Nutzinger zum gelungen Kommentar und Artikel. Bitte weiter so! Ach ja, die ,wabernden und wummernden’ Bässe habe ich auch gehört. Da war doch was, als ich jung war? Aber jetzt haben ,wir’, wer immer das ist, wieder 362 Tage Ruhe. Zum nächsten Komod-Festival komme ich! Versprochen!“

Hans R. Kopp, Weilheim

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