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Sören Gericke, Leiter der Beratungsstelle, ist von Geburt an taub, kann aber sprechen und Lippenlesen. Für Telefonate nutzt er Online-Gebärdensprachdolmetscher. Diese sehen ihn am Bildschirm und übersetz en sowohl seine Gebärden für den Gesprächspartner in gesprochene Worte als auch die Äußerungen des Gesprächspartners für Gericke in Gebärdensprache. 

Info- und Servicestelle an der Waisenhausstraße in Weilheim

Wenn Menschen mit Hörproblemen Hilfe brauchen

  • Stephanie Uehlein
    vonStephanie Uehlein
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Sören Gericke weiß aus eigener Erfahrung um die Probleme von Menschen mit Hörbehinderung: Der Leiter der Informations- und Servicestelle für Betroffene in Weilheim ist von Geburt an taub. Beim Gespräch mit der Heimatzeitung demonstriert er, wie moderne Technik gehörlosen Menschen ein Telefonat ermöglicht.

Weilheim – Mit Hilfe einer Online-Gebärdensprachdolmetscherin des Unternehmens „TeleSign“ erläutert Sören Gericke gegenüber dem „Weilheimer Tagblatt“ das Angebot der Beratungsstelle an der Waisenhausstraße 1. Und dieses Angebot ist breit gefächert: Die Einrichtung unterstützt Klienten zum Beispiel bei der Beantragung von Sozialleistungen wie Hartz IV, sie hilft aber genauso, wenn etwa ein Spät-Ertaubter unter Identitätsproblemen leidet oder wenn für eine Bürgerversammlung oder einen Arztbesuch ein Gebärdensprach- und/oder Schriftdolmetscher organisiert werden soll. Laut Gericke gibt es Menschen, die nur einmal – etwa wegen eines Hörgerätekaufs – bei dem Büro Rat suchen, aber auch Klienten mit regelmäßigem Unterstützungsbedarf.

Zielgruppe der Beratungsstelle sind Menschen, die taub, schwerhörig oder hör- und sehbehindert bzw. taubblind sind oder unter Tinnitus leiden. Darüber hinaus können sich auch andere Interessierte an Gericke und seine Verwaltungsmitarbeiterin Cornelia Mayr wenden. Angehörige, die zum Beispiel beim Zusammenleben mit einem schwerhörigen Partner vor Problemen stehen, erhalten genauso Tipps wie zum Beispiel Kindergärten, Schulen und Sportvereine, welche um die Integration von Menschen mit Hörbehinderung bemüht sind.

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Träger der Beratungsstelle ist der BLWG-Fachverband für Menschen mit Hör- und Sprachbehinderung. Wer erstmals Kontakt zum Büro in Weilheim aufnehmen möchte, kann normalerweise entweder die „Offene Sprechstunde“ – mittwochs von 10 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr – nutzen oder zu einen anderen vereinbarten Termin dorthin kommen. Aktuell ist aber wegen der Corona-Pandemie auch für die „Offene Sprechstunde“ eine Anmeldung nötig. Außensprechstunden bietet die Beratungsstelle regelmäßig in Penzberg (jeweils am vierten Montag im Monat von 15 bis 17 Uhr), Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz, Holzkirchen und Miesbach an.

Allein im Landkreis Weilheim-Schongau gab es Ende 2018 laut Gericke 975 Menschen mit Hörbehinderung (mit einem Behindertengrad von mindestens 20). Für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen lag diese Zahl bei 630, für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bei 831 und für den Landkreis Miesbach bei 641.

Gericke hat festgestellt, dass während der aktuellen Corona-Krise ältere Menschen seltener persönlich in die Beratungsstelle kommen. Auch in solchen Fällen bewährt es sich, wenn per E-Mail und Telefon Kontakt zu den Klienten gehalten wird.

Das Angebot des Büros ist kostenlos. Kostenträger der Informations- und Servicestelle sind der Bezirk Oberbayern und das Bayerische Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales.

Sören Gericke sieht seinen Beruf als Berufung

Der Leiter der Beratungsstelle sieht seinen Beruf als Berufung, wie er im Gespräch per Online-Dolmetscherin deutlich macht. Seine Aufgabe bedeute für ihn nicht nur Arbeit, sondern mache ihm auch Spaß. Er freue sich immer, wenn Lücken bei der Fürsorge für Menschen mit Hörbehinderung gefüllt werden. „Schritt für Schritt“ ließen sich Verbesserungen erreichen.

Immer größer wird laut Gericke der Bedarf an Gebärdensprach- und Schriftdolmetschern. Das liege auch daran, dass die Menschen im Vergleich zu früheren Zeiten inzwischen mehr für die Probleme von Mitbürgern mit Hörbehinderung sensibilisiert seien.

Kontakt zur Informations- und Servicestelle für Menschen mit Hörbehinderung in Weilheim, Waisenhausstraße 1, unter Telefon 0881/92700549 oder per E-Mail an iss-wm@blwg.de. Die Bürozeiten sind montags, mittwochs und donnerstags von 9 bis 12.15 Uhr.

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