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Veronika Lang in ihrem „La Casa“: Das Geschäft, in dem die 65-Jährige und ihr Team Tafelporzellan und Gläser genauso wie Töpfe und Pfannen anbieten, schließt bald.

In den nächsten Wochen läuft der Räumungsverkauf

„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“: Veronika Lang schließt ihren Laden „La Casa“ in Weilheim

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Wenn Veronika Lang in ihrem Laden „La Casa“ an der Pöltnerstraße zwischen Tellern, Tassen, Thermoskannen und vielem mehr die Kunden berät, dann ist die temperamentvolle Frau sichtlich in ihrem Element. Trotzdem schließt sie ihr Haushaltwarengeschäft im Frühjahr für immer. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt sie.

Weilheim – Auch wenn das Weihnachtsgeschäft 2019 laut Lang das zweitbeste in der 21-jährigen Geschichte des „La Casa“ in Weilheim war – schon ein paar Monate später wird es den Laden mit seinem breiten Haushaltwaren-Sortiment nicht mehr geben. Ende April schließt das Geschäft. Ab dem heutigen Mittwoch läuft der Räumungsverkauf mit reduzierten Preisen.

Der Grund für die Schließung ist laut Veronika Lang ein privater: Die 65-Jährige, die aus Rumänien stammt und seit 33 Jahren in Deutschland lebt, will einfach mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen, der bereits in Rente ist. Künftig möchte sie nicht mehr laufend im Laden stehen. Seit 2008 sei dies aber der Fall gewesen, sagt sie. Bis dahin hatte ihr Mann das Geschäft geführt, das es seit 1999 im Herzen von Weilheim gibt.

Was sie nach der Schließung ihres Ladens vermissen wird, glaubt Lang schon jetzt zu wissen: Es sind die „netten Gespräche mit den Kunden“. „Ich habe versucht, immer richtig zu beraten“, erklärt die gepflegte Frau mit den lebhaften braunen Augen. Ihr sei es wichtig gewesen, den Menschen das zu verkaufen, was wirklich das Passende für sie ist.

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Da kam es zum Beispiel auch vor, dass Lang, weil eine Kundin im Regal vergebens nach den gewünschten Gläsern für den Latte macchiato suchte, ihr Tablet hervorholte. Kurz darauf konnte sie auf dem Display ein Glas präsentieren, das dem Geschmack der Kundin entsprach. Lang orderte die gewünschten Gläser dann kurzerhand bei einem ihrer Lieferanten – in diesem Fall in Frankreich.

Dass sie mit ihrem Laden auch in Zeiten des Internets erfolgreich war, hat nach den Worten der 65-Jährigen verschiedene Gründe. Dazu habe auch die „richtige Auswahl“ an Waren gehört („da muss ich mich jetzt mal selber loben“, so Lang). Bewusst seien ins Sortiment nur kaum Deko-Artikel und Porzellan aufgenommen worden, da diese oft vergleichsweise schnell aus der Mode kommen.

Schon als Kind half Veronika Lang im Tante-Emma-Laden der Großmutter mit

Als gelernte Buchhalterin habe sie das „Gefühl für Zahlen“ mitgebracht, das für das Führen eines Geschäfts wichtig sei, sagt Lang. Für das Metier gelte: „Wenn Sie dieses Gefühl nicht haben, sind Sie sie verloren.“ Viele Läden scheiterten, weil ihre Inhaber mit den Anforderungen in Sachen „Finanzen“ nicht klar kämen.

Mit dem Verkaufen hat sich Lang im übrigen bereits früh vertraut gemacht: In ihrer Heimat Rumänien half sie als Kind schon im Tante-Emma-Laden ihrer Großmutter mit – als einziges von vielen Enkelkindern, wie sie sich erinnert.

Bei ihren „La Casa“-Kunden hat die 65-Jährige einen Wandel festgestellt: „Sie kaufen bewusster ein als früher“, sagt Lang und weist noch auf einen weiteren Trend hin, der ihr bei ihrer Arbeit aufgefallen ist: „Die Leute kochen und backen viel mehr als noch vor drei Jahren.“

Der Versuch, jemanden zu finden, der das „La Casa“ übernimmt, blieb laut Lang erfolglos. So wird sich in den nächsten Wochen das Geschäft immer weiter leeren.

Die Entscheidung, den Laden aufzugeben. sei ihr zwar nicht leicht gefallen, sagt die 65-Jährige, doch diese schwierige Phase habe sie inzwischen hinter sich. Sie kann sich nun auf mehr Zeit mit ihrem Mann freuen, in der es auch in die Ferne gehen soll. Das Paar hat eine Anlaufstelle in den USA, wo es künftig teilweise leben will. sts

Über diese Ladenschließung berichteten wir 2017:  Geschäftsaufgabe in Weilheim - Jetzt schließt auch Spielwaren „Pallmer“

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