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Leere Regale gehören derzeit zum gewohnten Bild in Supermärkten.

Weilheim-Schongau

Hamsterkäufe wegen Corona-Virus: Leere Regale in den Supermärkten

  • Kathrin Hauser
    VonKathrin Hauser
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Gähnende Leere herrscht dieser Tage in vielen Supermarkt-Regalen im Landkreis. Aus Angst vor dem Corona-Virus und seinen Folgen betätigen sich viele als Hamsterkäufer. Insbesondere Desinfektionsmittel und Grundnahrungsmittel fehlen.

Landkreis – Es ist Montag gegen Mittag im „Aldi“ in Weilheim. Eigentlich genau die Zeit, in der viele ihre Wocheneinkäufe erledigen. Doch an diesem Montag stapeln sich die Lebensmittel nicht bergeweise in den Einkaufswägen – die meisten bleiben erstaunlich leer. „Man könnt meinen, der Krieg bricht aus“, sagt eine ältere Frau, die nur wenige Sachen in ihren Einkaufswagen geladen hat. Eigentlich habe sie ihren Monatseinkauf erledigen wollen, erzählt sie: „Aber heute gibt es fast nix.“ Dass sich die Menschen in der Region aus Angst vor einem flächendeckenden Ausbruch des Corona-Virus offensichtlich Vorräte zulegen und Hamsterkäufe machen, könne sie schon ein wenig nachvollziehen, sagt sie: „Wenn man die leeren Supermärkte in Italien sieht ...“ Dennoch habe sie nicht auf Vorrat eingekauft und heute sei das angesichts der vielen leeren Regale auch gar nicht möglich.

Auf dem Parkplatz schiebt eine junge Mutter gerade ihren Wagen zum Auto. Wenn es nach Plan gelaufen wäre, hätte sie am vergangenen Freitag bereits für diese Woche eingekauft, da habe sie allerdings nichts bekommen, sagt sie. Deswegen musste sie am Montag nochmal los. Dass sich die Menschen aus Angst vor dem Corona-Virus mit Lebensmittel-Vorräten eindecken, kann sie nicht verstehen. „Das ist doch irre“, sagt die Frau.

Tomatendosen, Nudeln, Reis, Klopapier und Tiefkühlgemüse sind gefragt

Am Donnerstag sei es mit den Vorratseinkäufen losgegangen, erzählen die Mitarbeiter der Weilheimer Supermärkte. Ludwig Fink, der Geschäftsführer des Edekas an der Kanalstraße in Weilheim, bestätigt das auch für seinen Einkaufsmarkt: „Es war deutlich spürbar, dass in den letzten drei bis vier Tagen Hamsterkäufe gemacht wurden“, sagt er. Deswegen sei nun mehr bestellt worden. In vielen Supermarkt-Regalen im Landkreis herrscht in diesen Tagen gähnende Leere. Tomatendosen, Nudeln, Reis, Klopapier, Tiefkühlgemüse ist entweder so gut wie oder komplett ausverkauft. Auch Toilettenpapier wird teilweise knapp.

Auch im Weilheimer „Rewe-Markt“ ist deutlich erkennbar, dass viele Kunden vorsorgen: Dort, wo sich sonst Nudeln stapeln, ist alles leer, wo sich sonst die H-Milch türmt, liegen noch ein paar Packungen. Das musste auch eine Mutter feststellen, die am Montag den üblichen Wocheneinkauf tätigen wollte. „Ich bin echt erschrocken, was alles fehlt“, sagt sie: „Das ist ein Wahnsinn.“ Sie sei am Wochenende mit dem Zug gereist und habe sich gewundert über die vielen Reisenden, die mit Mundschutz unterwegs gewesen seien. Sie selber habe keine Sorge wegen des Corona-Virus: „Wenn man sich ein bissl an die Maßnahmen hält, die man schon 1000 Mal gehört hat, kann meiner Meinung nach nicht viel passieren“, sagt sie.

„Ich denke, das ist Panikmache“

Auch Tanja Stamm aus Seeshaupt wollte ihren ganz normalen Wocheneinkauf erledigen. „Aber ich habe nicht alles gekriegt“, sagt sie: „Mehl, Nudeln und Tomatensachen waren leer.“ Hamsterkäufe hält sie für übertrieben: „Ich denke, das ist Panikmache“, sagt Stamm. Es gebe so viele Grippefälle jedes Jahr, um die fast kein Aufhebens gemacht werde. Ihrer Ansicht nach ist es vor allem wichtig, sich gesund zu ernähren und ein gutes Immunsystem zu haben.

Auch im „dm“ in Weilheim wird die Angst vor dem Corona-Virus deutlich: Gummihandschuhe und Desinfektionsmittel sind komplett ausverkauft. Dort, wo sie sonst zu finden sind, informiert ein Zettel darüber, dass „aufgrund der aktuellen Situation keine Desinfektionsmittel mehr verfügbar sind. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, dass die Ware bald wieder angeboten werden könne.

Auf den Dörfern sieht es anders aus 

Während in der Kreisstadt manche Lebensmittel schwer oder gar nicht zu kaufen sind, sieht es auf den Dörfern großteils anders aus. Ein Mitarbeiter des Seeshaupter „Edeka“ sagt, dass bei ihm noch alles zu kaufen ist, und auch Maria Klein vom Habacher Dorfladen hat nur beobachtet, dass „ein bissl“ mehr an Nudeln, Mehl und Toilettenpapier verkauft wurde. Auch im Dorfladen in Ingenried ist noch alles zu haben, wie der Leiter Andreas Martin sagt: „Bei uns auf dem Land drehen sie nicht so schnell durch.“

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