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Beeindruckende Eiswelten: Michael Öfele mit seinem „Bock“, wie er sein Fahrrad nennt, am etwa 30 Kilometer langen Perito-Moreno-Gletscher in Argentinien.

Nächste Etappe mit dem Fahrrad

Weilheimer Lehrer auf sechsjähriger Weltreise: Gegen den Wind durch Südamerika

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In Feuerland im Süden Südamerikas ist Michael Öfele (43) zur nächsten Etappe seiner Weltreise aufgebrochen. Orkanböen machten ihm dabei zu schaffen. 

Weilheim – „Sollte es tatsächlich stimmen, dass einem Bergsteiger die Gipfel mit dem schlechtesten Wetter am längsten in Erinnerung bleiben, werde ich mit Sicherheit den Cerro Guanaco nie vergessen“, schreibt Öfele in seinem jüngsten Reisebericht. Denn bei seiner Wanderung auf diesen 954 Meter hohen Berg im Nationalpark Tierra del Fuego in Feuerland habe er „alle vier Jahreszeiten serviert“ bekommen – den Winter genau dann, als er auf dem Gipfel war. Weil die Naturidylle von Touristenmassen getrübt worden sei und er sich wegen der absinkenden Schneefallgrenze und Bodenfrosts im Hochsommer „nicht ausmalen wollte, wie es hier wohl erst im Winter sein möge“, fiel dem Weltbummler der Abschied von der argentinischen Stadt Ushuaia „nicht allzu schwer“.

Bei seiner Weiterfahrt entschied sich Öfele für eine Route auf holprigem Schotter durch eine monotone Hügellandschaft, wie er schreibt. Dafür kam er aber zu einer Kolonie von Königspinguinen „mit einer stattlichen Körpergröße von fast einem Meter und schwarzem ,Frack’“ – so, wie er sich als Kind einen „mustergültigen Pinguin“ vorgestellt hatte.

Orkanböen mit über 100 Stundenkilometern - Fahrradfahren ist da unmöglich

„Bei der Durchquerung Feuerlands von Ost nach West war der permanente Gegenwind mit Orkanböen über 100 Stundenkilometern so heftig, dass es an manchen Tagen keinen Sinn machte, sich aufs Fahrrad zu setzen“, so Öfele. „Doch die weiten Distanzen zwischen den dünn gesäten Lebensmittelläden zwangen mich, dagegen anzukämpfen, so dass ich ausgezehrt über die Magel-lanstrasse nach Punta Arenas übersetzte, wo ich über den ersten Supermarkt wie ein Schwarm Heuschrecken hergefallen bin.“

Zelten vor bizarren Gipfeln: Öfele vor dem Mount Fitz Roy in den Anden. Der Hauptgipfel ist 3406 Meter hoch.

Als der 43-Jährige dann in Chile nach Norden radelte, drehte sich auch der Wind – und Öfele musste erneut gegen diesen ankämpfen. „So glich das Erreichen des 250 Kilometer entfernten Puerto Natales“, schreibt der Weltenbummler, „einem physischen und psychischen ,Arbeitssieg’, der aber beim Anblick der schneebedeckten Gipfel der Anden und der Fjorde“ an der Westküste Chiles „all die Mühen vergessen ließ“.

Majestätische Berge aus Granit

Im Nationalpark Torres del Paine wanderte Öfele zum Base de las Torres, um drei majestätische Berge aus Granit zu bewundern. Weitere Aussichtspunkte lockten ihn auf einen Sechs-Tages-Rundweg, wo er jedoch am zweiten Tag aufgrund fehlender Campingplatz-Reservierung an einer Parkwächter-Station zurückgewiesen wurde. „Rebellierend gegen dieses Reservierungssystem, das die Wetterwechsel dieser instabilen Klimazone komplett ignoriert und lediglich den Touristen zusätzlich zum völlig überhöhten Eintrittspreis das Geld aus der Tasche zieht, verließ ich dieses – viel zu intensiv vermarktete – Weltkulturerbe“, so Öfele.

Zurück in Argentinien schlingerte der 43-Jährige mit verschlissener, quietschender Hinterradnabe zu einer Tankstelle „mitten in der Pampa“, von wo aus er das erste Mal auf seiner Reise trampen musste – zu einem Fahrradladen im 250 Kilometer entfernten El Calafate. Nach einer mehrstündigen Reparatur kehrte er nach zwei Tagen an den Ort der Tour-Unterbrechung zurück.

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Weilheimer Lehrer bewundert die blau leuchtenden Gletscherzungen

Staunend bewunderte er später die fünf Kilometer breite, blau leuchtende Gletscherzunge des Perito Moreno, aus deren 50 bis 70 Meter hoher Eiswand tonnenschwere Brocken mit lautem Krachen in den Lago Argentino stürzten. Und bei einem Abstecher zum Berg Cerro de los Cristales wurde er „mit einem Bilderbuch-Panorama der chilenischen und argentinischen Anden mit den Nationalparks Torres del Paine und Los Glaciares belohnt“.

Hartnäckiger Gegenwind machte ihm auf der Fahrt ins argentinische El Chaltén zu schaffen, wo er sein Rad drei Wochen abstellte, um Exkursionen in die Bergwelt zu unternehmen. „Ausgerüstet mit Klettergurt, begab ich mich auf die Vuelta Huemul, die wohl abenteuerlichste und eindrucksvollste Trekking-Tour meines Lebens“, so der 43-Jährige. „Auf dieser Vier-Tages-Runde, die ich wegen des brillanten Wetters auf sechs Tage ausdehnte, galt es unter anderem, am schaukelnden Drahtseil hängend, zwei reißende Sturzbäche zu überqueren, um zum Paso del Viento zu gelangen, bei dem mir der Atem weniger aufgrund der Anstrengung, sondern vielmehr aufgrund der Aussicht auf den gigantischen Viedma-Gletscher stockte.“ Öfele zeltete mit Blick auf die faszinierende Bergwelt im Bereich des Mount Fitz Roy.

Dann setzte er seinen Weg nach Santiago de Chile fort mit dem Ziel, von dort aus nach Australien zu fliegen.

sts

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