Die Weilheimer Agenda 21 nennt diesen Fußweg am Gögerl längst „Gretl-Lindner-Weg“.
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Die Weilheimer Agenda 21 nennt diesen Fußweg am Gögerl längst „Gretl-Lindner-Weg“. Jetzt soll er offiziell seitens der Stadt diesen Namen bekommen – anstelle eines Platzes im Zentrum, wie es SPD-Stadträtin Petra Arneth-Mangano gefordert hatte.

Kontroverse Debatte im Hauptausschuss

Lieber ein Weg als ein Platz für Gretl Lindner in Weilheim

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Es wird keinen Gretl-Lindner-Platz in der Weilheimer Altstadt geben, stattdessen trägt ein Fußweg am Gögerl künftig offiziell den Namen der 2010 verstorbenen Agenda 21-Aktiven. Das hat der Hauptausschuss des Stadtrates entschieden – nach einer kontroversen Debatte.

Weilheim – Als Aktive im Arbeitskreis „Natur“ der Weilheimer Agenda 21 hat Gretl Lindner (1929-2010) zahlreiche Baumpflanzungen im Stadtgebiet ermöglicht – und dafür gesorgt, dass in der Kreisstadt „der Umgang mit dem Stadtgrün einen neuen Stellenwert erhielt“. Deshalb, so der Antrag von SPD-Stadträtin Petra Arneth-Mangano, solle ein Platz in der Innenstadt den Namen dieser Weilheimerin tragen, die stets „freundlich, diplomatisch und konstruktiv“ gewesen sei und vor ihrem Agenda-Engagement als Chefin einer Drogerie und Parfümerie an der Admiral-Hipper-Straße bekannt und erfolgreich war.

Nachdem der Hauptausschuss das Thema im Mai vertagt hatte (wir berichteten), fand Arneth-Manganos Vorstoß in der entscheidenden Juli-Sitzung nun keine Freunde – jedenfalls, was den Ort betrifft. Nur die Antragstellerin selbst war letztlich dafür, den vor einiger Zeit neu gestalteten Platz an der Ecke Cavaliergasse/Herzog-Christoph-Straße nach Lindner zu benennen. Der Alternativvorschlag, ihr den kleinen (noch zu gestaltenden) Platz am Ende der Eisenkramergasse zu widmen, wurde gar einhellig abgelehnt. Und gar nicht erst abgestimmt wurde über den Vorschlag des Agenda-Aktiven Kurt Dörr, den kleinen Platz an der Ecke Ammer-/Wessobrunner Straße nach Lindner zu benennen. Dieser, so hieß es, sehe derzeit zu „heruntergekommen“ aus und müsste erst „sehr aufgehübscht“ werden.

Stets aktiv und bescheiden: So ist Margarethe „Gretl“ Lindner, die 2010 im Alter von 80 Jahren gestorben ist – vielen Weilheimern in Erinnerung.

Einstimmig beschlossen wurde stattdessen, den Fußweg zwischen Sportplatz und Wanderparkplatz am Gögerl nun offiziell „Gretl-Lindner-Weg“ zu nennen – so wie er inoffiziell bereits von der Agenda 21 getauft wurde. Für diesen Vorschlag hat Ordnungsamtsleiter Andreas Wunder geworben. Lindner, habe die dortige Allee „mit bepflanzt und gesponsert“, erklärte der Verwaltungs-Vertreter: „Und sie würde sich, glaube ich, freuen und wäre stolz drauf, wenn dieser Weg nach ihr benannt würde.“

Auch für CSU-Stadtrat und Kreisheimatpfleger Klaus Gast ist dieser Weg „absolut prädestiniert“, Lindners Namen zu tragen. Deren Engagement habe vor allem „dem Grün, den Bäumen und insbesondere dem Gögerl“ gegolten, so Gast: „Ihr einen steinernen Platz wie vor dem Sonnenstudio zu widmen, wäre fast ein Affront.“ Damit war der von Arneth-Mangano favorisierte Platz bei der Cavaliergasse gemeint. Die Geschäftsinhaber im dort stehenden Haus Herzog-Christoph-Straße 7 hätten laut Stadtverwaltung übrigens nichts gegen eine Umbenennung dieses Platzes – sofern damit für sie keine Adressänderung verbunden wäre.

Doch dieser Standort ist nun vom Tisch, auch wenn Arneth-Mangano leidenschaftlich dafür kämpfte: Gretl Lindner sei „eine Symbolfigur“, und es gehe um „eine Würdigung mitten in der Stadt“ – gerade, weil Lindner „ohne politische Ambitionen und trotzdem aktiv“ gewesen sei. Die Agenda-Arbeit gehöre bei Platzbenennungen berücksichtigt, und insbesondere gelte es, mehr Frauen auf diese Weise zu würdigen, so Arneth-Mangano: „Wir sind nicht mehr ein historischer Altherrenverein, und zum Charakter Weilheims gehört auch die Agenda.“

Ob es in Lindners Fall „eine Straße oder ein Platz sein muss“, stellte Rüdiger Imgart (AfD) als Stadtratsreferent für Straßen und Gehwege in Frage: „Es gibt zwei wunderbare Linden in der Admiral-Hipper-Straße, wo eine Hinweistafel den Zweck vielleicht auch oder sogar noch besser erfüllen würde.“ Generell gelte es eine Liste mit verdienten Persönlichkeiten zu erstellen, die man bei künftigen Platz- oder Straßenbenennungen berücksichtigen wolle, so Imgart. Sei eine Persönlichkeit einer Straße würdig, so dürfe eine (Um-)Benennung nicht am Geld oder an nötigen Adressänderungen scheitern.

Nach Gretl Lindner wird nun aber der Fußweg am Gögerl benannt. Das passte für Grünen-Stadträtin Brigitte Gronau ebenso wie für CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder („Das ist ein Glücksfall, wenn man dort einen Ort nach jemanden benennen kann, wo er wirklich aktiv war“). Ähnlich BfW-Vertreter Tillman Wahlefeld: Die Bürger hätten den Ausschuss ohnehin „schon überholt“, indem sie diesem Weg inoffiziell Lindners Namen gaben.

Andreas Halas (ÖDP) hatte zuvor beantragt, die Entscheidung erneut zu vertagen, „um noch mal genauer zu schauen“, wo in der Stadt Bezug zu Gretl Lindner bestehe. Das lehnten die Ausschuss-Kollegen jedoch ab. Halas fand die Debatte dennoch gut: Wie bedeutsam und emotional aufgeladen Straßennamen sein können, zeigten derzeit ja weltweit Forderungen, Straßen umzutaufen, die etwa nach Kolonialherren benannt sind – bis hin zu Denkmalstürzen.

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