Karlsruhe erlaubt G20-Protestcamp - aber stark eingeschränkt

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Sein Ein-Mann-Radio präsentierte der Innsbrucker Kabarettist Ludwig W. Müller am Freitag im Stadttheater. 

Weilheim

Sendereifer Klamauk

Weilheim - Ludwig W. Müller bot beim „Kabarett-Abo“ im ausverkauften Weilheimer Stadttheater ein entspanntes Vergnügen.

Die Idee ist bestrickend, die Umsetzung gelungen: Nach einer Tischlerlehre, Jurastudium („Wer zwei linke Hände hat, sollte die Rechte studieren!“), Jobs als Werbetexter und Pharmareferent schlägt sich unser Protagonist als Moderator beim Business-Radio im Einkaufszentrum durchs Leben. „Innwelle“ heißt der Sender in der tiefsten Provinz, dort „wo Österreich noch Bayern ist und umgekehrt“. Ein „grenzüberschreitendes Radioprogramm“ soll er dort kreieren, Montag bis Samstag von 9 bis 20 Uhr auf Sendung, das Ganze „auf 400-Euro-Basis“. Also macht der Moderator alles selber: Er ist Nachrichtensprecher, er interviewt sich selbst in wechselnden Rollen, er gestaltet die besinnliche Stunde mit „Pater Korbinian“.

Das macht Ludwig Wolfgang Müller, laut eigener Beschreibung „Wordaholic, Selbstdarsteller und Kabarettist“, ganz hervorragend; in fliegendem Wechsel lässt er beim „Kabarett-Abo“ im Weilheimer Stadttheater das gesamte Personal Gestalt annehmen, trifft zur Charakterisierung bestimmter Typen jeweils genau den richtigen Ton. So auch beim Ex-Ski-Star und jetzigen Motivationstrainer, den Tiroler Hansi, der sich selbst „Han-Sei“ nennt und unerträglich blödsinnige Lebensweisheiten verkündet.

Zu diesem hat ihn sein Sachbearbeiter der Arbeitsagentur geschickt, nachdem er seinen einträglichen Job als Pharmareferent verloren hat, weil er beim Ärztekongress ein paar Chefärzte in Rage gebracht hatte („Yeah, Dokta, sei ka Depp: Listen to the message of the Referenten-Rap“). Nun ist er ganz unten, wird von seiner Chefin schikaniert, von seiner Familie, der er den beruflichen Abstieg verschwiegen hat, mit immer neuen Forderungen in Bedrängnis gebracht (ein Skikurs für den Sohn, das neueste iPhone für die Tochter) und soll schließlich neben den Bayern und Österreichern mit vielsprachigen Moderationen weitere Hörergruppen ansprechen.

Die daraus resultierende Sprachakrobatik ist äußerst vergnüglich. Überhaupt kann man sich bei Müller entspannt zurücklehnen: Seine Komik tut niemandem weh, das Publikum im ausverkauften Theater darf sich einfach nur amüsieren. Als ihm bei Verkehrsmeldungen schließlich komplett der Gaul durchgeht (aus der Meldung „dichter Verkehr“ entwickelt er einen grandiosen „Dichter-Verkehr“ mit herrlichen Wortspielen), steht auch die Radiokarriere vor dem Aus. Da taucht die Gattin im Studio auf: Sein Zimmer hat sie schon gekündigt, zur Radio-Chefin eilt sie danach. Ihm bleibt nur die Kapitulation: „Dann gehe ich jetzt einmal mit. Und du hast hundertprozentig recht…“.  Ein betrüblicher Abgang, den die Zugabe wieder rausreißt: Müller spielt den Vorsitzenden bei der Jahresversammlung des Trachtler- und Brauchtumsvereins, der ob neuer EU-Vorgaben die Sitzung dreisprachig leiten muss. Herrlicher Klamauk als Rausschmeißer!

Nächster Termin beim „Kabarett-Abo Weilheim“ im Stadttheater: Josef Brustmann am Freitag, 18. November, 20 Uhr (Vorstellung ist bereits ausverkauft).

Text: Sabine Näher

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