+
Nicht nur Freude am Wasser  wie hier an den Stromschnellen am Zusammenfluss von Rio Baker und Rio Neff - hatte Michael Öfele auf seiner jüngsten Route.

Früherer Lehrer am Gymnasium Weilheim auf Weltreise mit dem Fahrrad

Michael Öfele und seine Flucht vor dem Wasser in Chile

Fast drei Jahre ist Michael Öfele, ehemals Lehrer am Gymnasium Weilheim, schon mit seinem Fahrrad auf Weltreise. Nun meldete er sich mit einem neuen Bericht aus der Region um Santiago de Chile, nachdem er beim Zelten von Wassermassen überrascht worden war.

Weilheim– Mit seinem „Bock“, wie er sein Fahrrad nennt, ist Öfele 2016 zu seiner Weltreise gestartet, die insgesamt sechs Jahre dauern soll. Von Deutschland aus fuhr er über Frankreich nach Spanien, setzte seine Tour später in Marokko und Portugal fort. Er flog nach Kuba und begann dann, mit seinem Rad Südamerika zu erobern. Nachdem er in Venezuela brutal überfallen worden war, radelte er weiter gen Süden – bis Feuerland. Inzwischen ging die Reise wieder Richtung Norden.

„Mit dem Winter im Nacken gab es für mich in den Anden Patagoniens nur noch eine Marschrichtung: nach Norden – der Sonne hinterher“, schreibt der 43-Jährige in seinem jüngsten Reisebericht. Doch auf der Fahrt von Argentinien nach Chile musste er mit einem beschwerlichen Wanderweg zurecht kommen, auf dessen verwurzelten und engen Steilpassagen er sein ganzes Gepäck abladen musste, um es „Stück für Stück“ vorauszutragen und dann sein Fahrrad hinterherzuschieben.

Nach dieser schweißtreibenden Aktion erreichte Öfele einen Grenzübergang, an dem es nur noch per Boot weitergeht – über den über 500 Meter tiefen Lago O’Higgins zum südlichen Ende der chilenischen Fernstraße Carretera Austral.

Einen Albtraum erlebte Michael Öfele in Venezuela: Auf Radl-Weltreise: Weilheimer Ex-Lehrer brutal mit Macheten überfallen - „Sie wollten mich köpfen“

„Schon gleich von Beginn an war ich fasziniert von diesem circa 1250 Kilometer ,Filetstück’ Chiles, gesäumt von munter plätschernden Wasserfällen, kristallklaren Bächen und Seen in einer Bergwelt, deren Wälder im Indian Summer wie ein orange-rot-gelber Fleckerlteppich leuchteten und einen faszinierenden Kontrast zu den schneebedeckten Gipfeln und dem blauen Himmel erzeugten“, so Öfele über die Carretera Austral.

Der Globetrotter machte einen Abstecher nach Caleta Tortel, um sich mit Proviant einzudecken. Dort genoss er die „traumhafte Aussicht“ auf den von Bergen eingekesselten Fjord, in den der Rio Baker mit seinem Delta mündet. Ab Cochrane folgte der 43-Jährige diesem türkisgrünen Flusslauf mit reißenden Stromschnellen, die an der Confluencia (deutsch: Zusammenfluss) in einen tosenden Wasserfall übergehen, um sich dabei mit dem trüben Rio Neff zu vereinen.

Den immer noch angenehm warmen Sonnentagen folgten laut Öfele sternenklare Nächte, in denen die Temperaturen rasch absackten. Deshalb entfachte der Weltenbummler „an zahlreichen Plätzen, die zum Wildcampen einladen, romantische Lagerfeuer“ und spielte – wie er es formuliert – auf seiner Mundharmonika lauschige „Lieder der Prärie“.

Nach über 400 Kilometern Schotterpiste küsste Michael Öfele den ersten Asphalt

„So startete ich am nächsten Morgen immer sehr entspannt, um auf der traumhaft schönen, aber ab dem ersten Kilometer nur geschotterten Piste weiter zu holpern“, schreibt Öfele, „zum Leidwesen meines ohnehin schon lädierten Gepäckträgers, der nicht nur immer wieder ,’ne Schraube locker’, sondern fast alle Streben gebrochen hatte.“ Diese „bandagierte“ Öfele notdürftig mit Kabelbindern und Ersatzschrauben. Erleichtert küsste er deshalb nach über 400 Kilometern bei Cerro Castillo den lang ersehnten Asphalt. Dieser sei bitter nötig gewesen, „um mit erhöhtem Tempo dem zunehmend instabilerem Wetter zu entrinnen“, so Öfele.

„Auf der beherzten Flucht vor dem Regen reduzierte sich mein Anspruchsniveau (wenn nicht gar die nötige Vorsicht) bei der Auswahl meiner ,Campingplätze’“, schreibt der Globetrotter weiter, „so dass ich bei Hornopirén mein Lager am Ufer des benachbarten Flusses bereitete, dessen Rauschen beim Abendessen nachließ und später sogar verstummte.“ Öfele ahnte nicht, welche Gefahr auf ihn zukam, bis sich auf einmal der Zeltboden unter ihm wie ein Wasserbett bewegte.

In panischer Eile versuchte der von dem herbeiströmenden Wasser überraschte 43-Jährige seine Ausrüstung auf eine Anhöhe zu retten. Dies gelang ihm nur teilweise, denn der Wasserpegel stieg so rasch, dass sein Zeltplatz – wie er berichtet – in wenigen Minuten einen Meter unter Wasser stand. „Am nächsten Morgen wurde mir beim Anblick des nahe gelegenen Fjordarms, der bei Flut den darin mündenden Fluss zurückstaut, der Grund dieser ,ganz persönlichen Katastrophe’ klar“, erklärt Öfele.

Trotz des Verlustes einiger Reiseutensilien und schweren Schadens an seiner Kamera habe er Glück im Unglück gehabt. Der 43-Jährige setzte dann die Reise mit seinem „Bock“ nach Puerto Montt, dem „Kilometer 0“ der Carretera Austral, und nach Santiago de Chile, fort.

Am Sonntag fliegt der Globetrotter dann nach Australien, um auch den „Fünften Kontinent“ mit seinem „Bock“ zu erkunden.

Stephanie Uehlein

Etwas über Michael Öfeles vorletzte Reise-Etappe gibt es hier: Weilheimer Lehrer auf sechsjähriger Weltreise: Gegen den Wind durch Südamerika

Auch da gab es spannende Erlebnisse für Michael Öfele: 

Ehemaliger Lehrer des Gymnasiums Weilheim ist mit dem Fahrrad auf Weltreise: In Portugal wurde er zum Lebensretter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Seniorenzentrum in Penzberg: Novita geht, AWO München kommt
Im Streit um das Seniorenzentrum in Penzberg ist es zu einer überraschenden Einigung gekommen. Novita verlässt das Altenheim, die AWO München kommt - und zwar bald.
Seniorenzentrum in Penzberg: Novita geht, AWO München kommt
Nach fünf Jahren gibt es wieder ein Strandbad „Lidl“ in Seeshaupt
Nach einer Pause von fünf Jahren hat das Strandbad „Lidl“ seinen Betrieb wieder aufgenommen. Es kann auf eine lange Tradition zurückblicken.
Nach fünf Jahren gibt es wieder ein Strandbad „Lidl“ in Seeshaupt
Vor zehn Jahren zerstörte ein Brand das Penzberger Rathaus: „Es war ein Drama“ - wie sich Zeitzeugen erinnern
Am Sonntag vor zehn Jahren zerstörte ein Brand das Penzberger Rathaus. Über 260 Feuerwehrleute waren stundenlang im Einsatz. Danach dauerte es über zwei Jahre, bis das …
Vor zehn Jahren zerstörte ein Brand das Penzberger Rathaus: „Es war ein Drama“ - wie sich Zeitzeugen erinnern
Landkreis Weilheim-Schongau will besser abschneiden: Schon jetzt das „Stadtradeln 2020“ im Blick
Kaum ist das „Stadtradeln“ beendet, richtet das Landratsamt den Blick schon auf die nächste Aktion im kommenden Jahr. Es möchte, dass der Landkreis Weilheim-Schongau …
Landkreis Weilheim-Schongau will besser abschneiden: Schon jetzt das „Stadtradeln 2020“ im Blick

Kommentare