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Das gab‘s noch nie: Elektronischer Mini-Supermarkt in oberbayerischer Stadt eröffnet - er hat immer offen

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Von: Boris Forstner

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Ein Teil der Automaten im Laden ist bereits befüllt, weitere Produkte sollen bald dazukommen.
Ein Teil der Automaten im Laden ist bereits befüllt, weitere Produkte sollen bald dazukommen. © Ralf Ruder

In der Weilheimer Innenstadt gibt es seit einigen Tagen den „Pölti“, einen Mini-Supermarkt ohne Personal, der rund um die Uhr geöffnet ist.

Weilheim – Ein Kaffee- und ein Getränkeautomat, in dem es auch Snacks gibt – viel mehr ist in dem kleinen Raum an der Ecke Pöltner-/Greithertraße noch nicht zu finden. Zwar stehen noch mehrere Schränke dort, doch die sind bis auf einige Stangen Toblerone, die eher zu Deko-Zwecken dort liegen, leer.

Das soll sich aber bald ändern, wenn es nach den Machern geht. Fair gehandelte Waren, viel aus der Region wie das Dachsbräu-Bier, das es schon zu kaufen gibt, dazu soziale Preise wie ein Euro für den Kaffee – das ist der Gedanke, den Felix Schimke-Klubuk (33) zusammen mit seinen Mitstreitern Peter Titze und Florian Menzel verfolgt.

Mini-Supermarkt in Weilheim: Ein „technischer Tante-Emma-Laden“

Eigentlich hatte Schimke-Klubuk ganz andere Pläne mit dem Haus. Nachdem der Laden im Erdgeschoss länger leer stand, wollte er dort drei kleine Wohnungen einbauen, doch das hatte ihm die Stadt verwehrt. Also überlegte er, einen Laden zu eröffnen, aber da legte seine Frau ein Veto ein: „Sie ist Ärztin und hat mir untersagt, in der Corona-Zeit einen Verkäufer in ein Geschäft zu stellen“, sagt er. Weil sie gleichzeitig aber klagte, dass für Bürger, die wie sie im Schichtdienst arbeiten, nachts überhaupt keine Möglichkeit besteht, in Weilheim etwas zu Essen oder Trinken zu kaufen, kam die Idee mit dem elektronischen Kiosk auf – oder „technischen Tante-Emma-Laden“, wie es Schimke-Klubuk nennt.

Felix Schimke-Klubuk
Felix Schimke-Klubuk © Privat

Behilflich war einer der Mitstreiter, der bei der Deutschen Bahn gearbeitet hat und wusste, dass dort schon länger mit vollautomatischen Supermärkten experimentiert wird. „Wir haben beim zuständigen Ministerium angefragt, wie lange so ein Laden ohne Verkaufspersonal offen haben darf, und nach sechs Monaten kam die Antwort: rund um die Uhr“, sagt Schimke-Klubuk.

Elektronsicher Supermarkt Pölti: Wunsch nach günstigen Lebensmitteln, Snacks und Getränken

Um nicht am Bedarf vorbei zu planen, ließen sie die Bürger mitreden – mit einem Briefkasten am Laden und per Postwurfsendungen haben sie zwei Monate lang gefragt, was so ein elektronischer Mini-Supermarkt anbieten soll. Die Resonanz war enorm, „es kamen tatsächlich 500 bis 600 Rückmeldungen“, sagt Schimke-Klubuk. Und der Wunsch war eindeutig: günstige Lebensmittel, Snacks und Getränke in der Innenstadt.

Also legten die Gründer los. Der Name war schnell gefunden, aus der ersten Idee „Emma“ wurde schließlich „Pölti“, was irgendwie niedlich klingt und sich schnell einbürgern dürfte. Ein Mitarbeiter schaut zwei Mal am Tag vorbei, kümmert sich ums Auffüllen der Automaten und sammelt das Geld ein. Verdienen wollen die „Pölti“-Gründer nichts mit ihrem Projekt: „Wenn es sich trägt, werden wir einen möglichen Gewinn beispielsweise an Öko-Projekte spenden“, sagt SchimkeKlubuk.

Mini-Supermarkt Pölti ist Entree zu Kunstgalerie

Um den „Pölti“ weiter zu füllen, sollen auch die Bürger wieder mitreden dürfen. Man sei froh um Angebote: „Wenn jemand seine Töpfer-Waren dort verkaufen will, kann der genauso auf uns zukommen wie jemand, der selbst Pralinen herstellt“, sagt Schimke-Klubuk. Denn schließlich ist der Mini-Supermarkt auch das Entree zu einer Kunstgalerie, in der vermutlich ab Sommer heimische Künstler auf 80 Quadratmetern ihre Projekte ausstellen können.

Dann will Schimke-Klubuk auch wieder in Weilheim sein. Denn derzeit sitzt der 33-Jährige, der internationales Management studiert und in Abu Dhabi schon mal eine Obstsaftfabrik aufgebaut hat, noch in der Ukraine fest. Dort betreibt er seit 2018 eine Firma für Baustoffforschung, „weil es dort im Gegensatz zu Deutschland ausreichend bestens ausgebildete Ingenieure und wenig Auflagen gibt“. Doch wegen der Sicherheitslage könne er derzeit nicht ausreisen. Seinen Lebensmittelpunkt will der Pöckinger dann nach Weilheim verlegen, „weil es einfach eine tolle Stadt ist“. Und mit dem „Pölti“ jetzt ein einzigartiges Projekt hat.

Tipps und Feedback

zum „Pölti“ an Tel. 0171/8911277 oder per E-Mail an poelti@ere.ie

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