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Fast ein halbes Jahrhundert, seit 1971, führte die Familie Ferrara das Ristorante an der Münchener Straße in Weilheim. 
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Mit dem Vulkan Ätna im Hintergrund: Carmela Ferrara in Sizilien, wo er geboren wurde und ein Teil seiner Familie lebt.
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Ferrara in seinem Element: beim Bedienen von Gästen. Inzwischen hat er das Lokal abgegeben, hilft aber noch zeitweise mit. „Der Abschied fällt schwer“, sagt er.
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Auch Carmelo Ferraras wieder in Sizilien lebende Mama Emma war dabei: Mit einer amüsanten Musical-Aufführung und einem festlichen Essen wurde im Juni 2016 im Pfarrheim an der Theatergasse in Weilheim das 45-Jährige des Restaurants „Ferrara“ gefeiert. Es gab sogar eine Wiederholung einige Zeit später. Das Bild zeigt (v.l.) Bürgermeister Markus Loth, Alfia und Carmelo Ferrara sowie Emma Ferrara und ihre Tochter Maria Theresa Ferrara.
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Die Pizza auf der Holzscheibe gab es damals schon im Restaurant „Ferrara“ an der Münchener Straße: Carmelo Ferrara arbeitete auch schon als junger Mann im Familienbetrieb.
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Die Ferraras, umrahmt vom neuen Wirtsehepaar, Maria Antonietta und Vincenzo Carlucci, dessen Kindern Francesco und Laura sowie Koch Antonino Cammaroto, der weiter im Lokal arbeitet.

Eine Ära in Weilheim endete 

Nach 48 Jahren: Carmelo Ferrara nimmt Abschied von seinem Lokal

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Seit 48 Jahren gibt es das „Ferrara“ in Weilheim. Jetzt endete dort eine Ära, denn Carmelo Ferrara hat das Lokal abgegeben. Im Gespräch mit Redakteurin Stephanie Uehlein blickt er zurück. 

Weilheim – Carmelo Ferrara öffnet die Tür seines Hauses in einem ruhigen Teil von Wielenbach und bittet die Journalistin freundlich in den Flur. Dann hebt er verschmitzt lachend den Arm, und sorgt gleich für eine Überraschung: In der Hand hält er – sanft umschlossen – einen grün-roten Sittich. Den Vogel müsse er jetzt erst einmal in seinem Käfig verstauen, sagt Ferrara dann, dazu habe er vor dem Öffnen der Tür keine Zeit mehr gehabt.

So spritzig und humorvoll wie in diesem Beispiel kennen viele Menschen den 67-Jährigen: und zwar als Wirt des italienischen Restaurants „Ferrara“, das es seit 10. Juni 1971 – also seit mehr als 48 Jahren – an der Münchener Straße in Weilheim gibt. 

Dort ist der dreifache Vater und vierfache Großvater zwar auch jetzt noch ab und zu als Unterstützung anzutreffen, aber eigentlich hat er das Lokal an die aus Apulien stammende Familie Carlucci abgegeben.

Der Koch sorgt weiterhin fürs leibliche Wohl 

Am 30. Juni endete die Ära „Ferrara“ in dem Restaurant, das im Grunde ein Bestandteil der Weilheimer Geschichte ist. Koch Antonino Cammaroto, der seit 45 Jahren mit dem Ristorante verbunden ist, sorgt dort aber nach wie vor fürs leibliche Wohl der Gäste.

Während er im roten Poloshirt an einem Tisch im Wintergarten seines Hauses sitzt, spricht Carmelo Ferrara gut gelaunt über seine Anfangsjahre in Weilheim. Damals gab es anstelle des italienischen Lokals an der Münchener Straße noch das Café „Max“ – und Ferrara arbeitete beim Bekleidungshersteller „Hummelsheim“ in dessen Gebäude an der Schützenstraße (heute befindet sich in dem Haus unter anderem die Tanzschule „Tanz-Magie“). 

Dort gab es das Mittagessen für eine Mark, erinnert sich Ferrara. Vor dem Kraut, das immer wieder auf den Teller kam, habe ihm „gegraust“, sagt er – er habe es aber es trotzdem gegessen.

Am 13. August 1966 war er als Jugendlicher aus dem sizilianischen Motta Camastra (im Hinterland von Giardini Naxos, das an der Ostküste der Insel liegt) nach Deutschland gekommen. Sein Vater arbeitete zu dieser Zeit bereits in Weilheim. Er war beim Sägewerk „Fischer“ an der Oberen Stadt beschäftigt.

Weder Pizza noch Lasagne waren damals bekannt 

Doch bald kam der Einstieg der Familie Ferrara in die Gastronomie: Denn Mutter Emma wurde immer wieder zum Kochen in die erste Pizzeria der Stadt geholt, ins inzwischen geschlossene „Rodolfo“ am Bahnhof. Und am Wochenende entlastete Sohn Carmelo seine „mamma“ bei dieser Aufgabe.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Familie kurze Zeit später die Gelegenheit nutzte, aus dem Café „Max“ ein italienisches Lokal zu machen. „Es war schön, weil die Leute nichts gekannt haben“, erinnert sich Carmelo Ferrara an die Bewirtung in der Anfangszeit: Weder Pizza und Lasagne noch Lambrusco-Wein seien damals bekannt gewesen. Das änderte sich aber im Laufe der Zeit. 

Dann sagten die Besucher laut Ferrara, sie hätten im Restaurant Urlaubsgefühle. Aber auch das sei heute nicht mehr so, findet der 67-Jährige. „Pizza gibt es inzwischen überall.“

Auch im „Ferrara“ gab es schwere Zeiten 

Nachdem Ferraras Eltern das Lokal bis 1976 geführt hatten, kehrten sie nach Sizilien zurück. Die Geschicke des Restaurants, das zeitweise Tochterbetriebe auf dem Gelände des Tennis-Clubs in Weilheim und auch in Dießen hatte, lenkte Carmelo Ferrara dann gemeinsam mit seinem Bruder. Dieser zog sich 2002 aus dem Lokal zurück.

„Du schaffst diese Arbeit nur, wenn du sie mit Liebe und Seele machst“, sagt Ferrara über seine Zeit als Wirt. Und er lobt seine Frau Alfia, die immer zu ihm gestanden habe – im Lokal sei sie der „Joker“ gewesen, der bei Bedarf zum Einsatz kam. Hauptberuflich arbeitet Alfia Ferrara beim Modehaus „Echter“.

Der oft so fröhliche Carmelo Ferrara wirkt nachdenklich, wenn er auf schwierige Zeiten zu sprechen kommt: Als der Euro eingeführt wurde und in Weilheim eine Reihe neuer italienischer Lokale aufmachte, habe das „Ferrara“ ein Tief erlebt, erklärt er. 

„Und dann habe ich mir auch noch ein Bein gebrochen.“ Doch „mit viel Kampfgeist“ sei das Tief des Restaurants überwunden worden.

Das Lokal beteiligte sich auch an der „Italienischen Woche“

Das „Ferrara“ verfolgte das Ziel, mit der Zeit zu gehen. Es wurden immer wieder neue Gerichte ins Speisenangebot aufgenommen.

Dieses reichte von der auf einer Holzscheibe servierten Pizza über Nudel- sowie Fleisch- und Fischgerichte bis zu Desserts wie der Schaumcreme Zabaglione. So mancher Gast fand ein Lieblingsgericht, etwa die Spaghetti mit Muscheln und das Schnitzel mit Zitronensoße. Das Lokal beteiligte sich zum Beispiel auch an der „Italienischen Woche“ und am „Oberstadtlerfest“ in Weilheim.

Das Ristorante an der Münchener Straße hat zwar nur gut 50 Sitzplätze, doch das reichte sogar, um dort einen venezianischen Fasching zu feiern. Mit den Bildern an den Wänden erinnerte Carmelo Ferrara, der auf die für ihn typische Art voller Elan zwischen den Tischen umher eilte und gern mit den Gästen scherzte, an seine italienischen Wurzeln.

Doch zu Hause fühlt sich der 67-Jährige, der seit fast 40 Jahren in Wielenbach wohnt, in Deutschland. Hier sei es „tranquillo“ (ruhig) und schön. Und obwohl auch seine Mutter in Sizilien lebt, sagt er: „Da unten bin ich fremd nach 50 Jahren.“ 

Auch durch das Tennisspielen mit neuer Heimat verbunden 

Sein Heimatgefühl für die Mittelmeerinsel reiche nur für „zwei bis drei Wochen“ im Jahr, erklärt und lacht wieder auf die für ihn typische, verschmitzte Art. Von seinen 15 früheren Schulkameraden seien nur zwei am Ort geblieben.

Auch wegen seiner Kontakte durchs Tennisspielen fühlt sich Carmelo Ferrara mit seiner neuen Heimat verbunden. Seit 27 Jahren pflegt er diesen Sport, aktuell in der Ü60-Freizeit-Mannschaft des SV Wielenbach. Bei einer Reise mit Tennisfreunden nach Sizilien möchte er diesen seine Heimat vorstellen – in Giardini Naxos wird genauso Station gemacht wie in Cefalù an der Nordküste der Insel.

In Ferraras Wintergarten in Wielenbach gibt es sogar zwei lebendige „Andenken“ an Sizilien: die Schildkröte Carlotta und ihre kleine Schwester namens Silvia. Während des Pressegesprächs wirft der Hausherr immer wieder amüsierte Blicke in den Käfig und freut sich sichtlich, wenn die beiden Tiere gemeinsam ein Salatblatt verzehren.

Carlotta und Silvia haben übrigens schon davon profitiert, dass Ferrara jetzt mehr Freizeit hat: Der 67-Jährige hat für seine Schildkröten nämlich vor kurzem ein Häuschen gebaut.

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