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Neubauten am Öferl: Weilheims Stadtrat sieht noch „Redebedarf“

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Von: Magnus Reitinger

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Um diese Flächen geht es: Das einstige „Deckel-Areal“(rötlich eingefärbt) an der Ecke Hangstraße/Am Öferl in Weilheim.
Um diese Flächen geht es: Das einstige „Deckel-Areal“ (rötlich eingefärbt) an der Ecke Hangstraße/Am Öferl in Weilheim. © Grafik: Bogevischs Büro

Für die umfangreiche Neubebauung des „Deckel“-Areals am Öferl muss der Investor wohl noch mal umplanen. Weilheims Stadtrat hat die endgültige Zustimmung und die Einleitung des Bebauungsplan-Verfahrens überraschend vertagt – weil es noch „Redebedarf gibt“, wie es hieß.

Weilheim – Im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates lief es vor 14 Tagen noch nach Plan für den Investor: Die Mehrheit hatte dem jüngsten Plan-Entwurf des „Immobilien Zentrums Oberbayern“ für die Neubebauung des einstigen „Deckel“-Firmengeländes zugestimmt. Demnach sind an der Ecke Hangstraße/Am Öferl drei größere Komplexe mit zwei bis fünf Stockwerken und bis zu 18,50 Metern Höhe geplant. Die Rede ist von insgesamt rund 80 neuen Wohnungen.

Für ein wichtiges Detail allerdings hatte BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek ihr „Ja“ bereits in der Bauausschuss-Sitzung eingeschränkt: Sollten sich Nachbarn gegen das Vorhaben des Investors aussprechen, den fünfstöckigen Hochpunkt nun – anders, als bisher gedacht – auf der Südseite statt auf der Nordseite der Hangstraße zu platzieren, dann werde auch sie diese Änderung ablehnen. Und genau solche Beschwerden habe es inzwischen gegeben, sagte Holeczek am vergangenen Donnerstag im Stadtrat. Deshalb beantragte sie, „diesen Hochpunkt wieder zu verlegen“ – auf die Nordseite, so wie es ursprünglich vorgesehen war.

Gutachten des Bauausschusses wurde wieder aufgehoben

In diesem Sinne hat der Stadtrat das Gutachten des Bauausschusses einstimmig wieder aufgehoben. Ebenso einmütig wurde die Entscheidung über die endgültige Zustimmung zur Planung des Investors und zur Einleitung der Bauleitplanung vertagt. „Es gibt noch Redebedarf, es sind einfach noch mal Gespräche nötig“, so fasste 2. Bürgermeisterin Angelika Flock (CSU) als Sitzungsleiterin die zahlreichen Wortmeldungen zusammen: „Hier geht es um ein großes Areal, da möchte man ja auch alles richtig machen.“

Aus städtebaulicher Sicht sei es „egal, auf welcher Seite das fünfgeschossige Gebäude steht“ – das hatte zuvor Manfred Stork, der Leiter der städtischen Bauverwaltung, betont. Hintergrund der neuen Eingabe seitens des Investors seien Vorgaben des Freistaats: Um Darlehen und Zuschüsse zu bekommen, müssten alle geförderten Wohneinheiten (also die 30 Prozent der neuen Wohnungen, die laut SoBoN-Regelung der Stadt „ sozial gebunden“ zu vergeben sind) zentral im selben Gebäude untergebracht werden, erläuterte Stork: Deshalb wolle der Investor diese gebündelt auf dem nördlichen Grundstücksteil unterbringen, mitsamt dem geforderten Gewerbe-Anteil von mindestens zehn Prozent. Der Komplex im Süden – wo der Bauwerber auch gern den Hochpunkt hätte –solle dagegen ausschließlich Wohnungen für den freien Verkauf beinhalten.

„Dürfen uns nicht das Messer auf die Brust setzen lassen“

Doch dieser Argumentation wollte der Stadtrat nicht folgen. Man sei „nicht dafür da, das Geschäftsgebaren des Investors zu erfüllen“, erklärte Holeczek. Ihr BfW-Kollege Claus Reindl ergänzte, nach der vorgezogenen Bürgerbeteiligung sei man es den Anwohnern schuldig, von der dort vorgelegten Planung „nicht wieder abzuweichen“. Die Stadt dürfe sich vom Investor „nicht das Messer auf die Brust setzen lassen“, meinte Horst Martin (SPD). Und Brigitte Gronau (Grüne) warnte vor einer „Licht-, Belüftungs- und Wärmesperre“, die der fünfstöckige Hochpunkt auf der Südseite ihrer Meinung nach bedeute.

Auch für Stefan Zirngibl (CSU) wäre es „nicht richtig, jetzt einen anderen Beschluss zu dem Hochpunkt zu fassen, als es den Bürgern vorgestellt wurde“: „Das ist den Anliegern nicht zuzumuten – unabhängig davon, wie das Nutzungs- oder Förderkonzept des Investors aussieht.“ Doch eine grundsätzliche Reduzierung der geplanten Bebauung wäre nun nicht mehr möglich, betonte Zirngibl und erinnerte daran, dass der Bauherr die ursprünglichen Ausmaße nach den Anliegerversammlungen bereits verkleinert habe.

Wertabschöpfungs-Modell ist noch nicht in Sicht

Auf ein grundlegendes Problem seiner Fraktion mit der geplanten Neubebauung verwies erneut Grünen-Sprecher Manuel Neulinger: Angesichts der erheblichen Folgekosten, die auf die Stadt beispielsweise in Sachen Kindertagesstätten und Schulen zukommen, gelte es vor der Bebauungsplan-Aufstellung, ein Wertabschöpfungs-Modell zu entwickeln. Das werde aber „noch einige Zeit dauern“, antwortete Bauverwaltungsleiter Stork; die Stadt lasse dafür aktuell ein Gutachten erstellen.

Auch wenn der Stadtrat die Einleitung der Bauleitplanung „Hangstraße/Am Öferl“ nun vorerst aufschob und neuerliche Gespräche mit dem Investor in Sachen „Hochpunkt“ anberaumte: Die grundsätzliche Entscheidung steht, und das Verfahren wird hier wohl deutlich vor Verabschiedung eines Modells zur Wertabschöpfung beginnen.

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