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In seinem Buch hat Robert Huber die letzten Kriegstage in Weilheim dokumentiert. 

Ein Rückblick mit Autor Robert Huber

Neues Buch über die letzten Kriegstage in Weilheim

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reichs. Interessante Details über die letzten Kriegstage im April 1945 in Weilheim hat Robert Huber jetzt in einem Buch veröffentlicht, das sich teilweise spannend wie ein Krimi liest.

Weilheim – Der Autor konnte nicht nur Aufzeichnungen der damals eingesetzten US-Truppen auswerten, die bis vor kurzem noch als geheim eingestuft waren, sondern auch mit Zeitzeugen sprechen, wie dem 95-jährigen Georg Vollmann. Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche historische Fotos und bisher unveröffentlichte Dokumente aus dem Weilheimer Stadtarchiv sowie durch Kriegstagebuch-Aufzeichnungen der US-Truppenteile.

„Zu meinen Recherchen bin ich eher zufällig gekommen“, sagt Huber. Der ehemalige Oberstleutnant ist heute Lehrer in Lenggries und unterstützte eine Kollegin bei einer Dokumentation, wobei er unter anderem auch auf interessante Informationen aus dem Raum Weilheim/Murnau stieß.

„Dass eine kampflose Übergabe der Stadt Weilheim an die US-Soldaten stattfand, überrascht angesichts des Lagebildes“, so Huber. Denn auf der einen Seite standen fanatische SS-Führer mit der Absicht, buchstäblich bis zur letzten Patrone zu kämpfen, auf der anderen mit hoher Feuerkraft ausgestattete amerikanische Elitetruppen.

In diesem Zusammenhang wurde eine bis dato unbekannte ortsansässige Widerstandsgruppe entdeckt, deren Wirken in letzter Minute ein folgenschweres Feuergefecht verhindern konnte. „Ebenso ist es hauptsächlich dieser Gruppe zuzuschreiben, dass Weilheim in den ersten Nachkriegstagen von Plünderungen weitgehend verschont geblieben ist“, erklärt der Autor.

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Außerdem fand in diesen Tagen der deutsche Raketenpionier Wernher von Braun mit seinem Team sicheren Unterschlupf in der Stadt. Wie er schließlich in amerikanische Obhut gelangte, wird in einem eigenen Kapitel geschildert, ebenso der schwere Bombenangriff auf Weilheim und seinen Bahnhof am 19. April 1945.

„Mit Sicherheit waren die Kriegsjahre 1943/44 für die Bevölkerung alles andere als einfach“, schreibt der Autor. Denn die Versorgung mit Nahrungsmitteln wird auch in Weilheim immer schwieriger, dazu kommen die zwangsweisen Einquartierungen der ausgebombten und flüchtenden Menschen.

US-Soldaten am 29. April 1945 in Weilheim

Viele tausend US-Soldaten durchqueren bis in die Abendstunden des 29. April 1945 Weilheim. Es sind neben der Nachhut der 12. US-Panzerdivision vor allem Angehörige der 36. US-Division, vorneweg das 141. US-Infanterieregiment mit über 3000 Mann.

Hartnäckig hält sich in diesen Tagen das Gerücht über eine Alpenfestung. Fanatische Nazis glauben ebenso daran wie die Alliierten. Hunderte von Militärfahrzeugen, teilweise beladen mit hochgeheimen Unterlagen, machen sich auf den Weg nach Tirol; der vermeintlich sicherste Weg führt nun nicht mehr über Weilheim, sondern über Bad Tölz und den Achenpass.

Trotz des grausamen Krieges gibt es aber auch noch einen Rest von Anstand und Menschenwürde. Dass die Weilheimer ihre französischen Kriegsgefangenen sehr gut behandelt haben, geht aus einem erhalten gebliebenen Dankschreiben an Straßenmeister Wirth hervor: „Sehr geehrter Herr Wirth! Im Augenblick, wo wir nach fünfjähriger Gefangenschaft Deutschland verlassen werden, ist es mir persönlich und im Namen meiner Kameraden ein Bedürfnis, Ihnen zu danken für das teilnehmende Verständnis, das Sie uns entgegengebracht und die wohlwollende Art, mit der Sie uns behandelt haben während der Tage, in denen wir unter Ihrer Aufsicht für die Stadt Weilheim gearbeitet haben.“ Es folgen die Namen und Adressen der französischen Soldaten mit Unterschrift, noch Jahre später bleiben sie in Kontakt.

Am 8. Mai 1945 ist dann endlich das ersehnte Kriegsende Wirklichkeit: Generaloberst Alfred Jodl unterzeichnet in Berlin die bedingungslose Kapitulation für das ganze Reich. Jene US-Soldaten, die ihre schützende Hand über die Stadt Weilheim gehalten haben, drucken eine Sonderausgabe ihrer Divisionszeitung mit einem Bericht über ihren größten Fang, Generalfeldmarschall von Rundstedt, auf der ersten Seite. Tatsächlich hat sich auch der noch von Hitler persönlich entmachtete Hermann Göring Soldaten dieser Division ergeben.

Das Taschenbuch „Kriegesende in Weilheim“ (148 Seiten, ISBN 978-3750423671) ist für 12,80 Euro in Buchhandlungen und über das Internet erhältlich.

Peter Stöbich

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