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Weilheim: Weiter Streit um Solarmodule an Fassaden

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Von: Magnus Reitinger

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An der Südfassade dieses Eckhauses will der Antragsteller nach außen gekippte PV-Module anbringen.
An der Südfassade dieses Eckhauses will der Antragsteller nach außen gekippte PV-Module anbringen. © ruder

Solarmodule an der Hausfassade, über die Baugrenzen hinaus nach außen gekippt: Ein Teil des Weilheimer Bauausschusses sieht hier das Stadtbild bedroht – andere halten solche Anlagen für nötig, um die Klimaziele zu erreichen. Eine entsprechende Bauanfrage für ein Haus an der Römerstraße wurde derweil zum zweiten Mal vertagt.

Weilheim – Zunächst geht es um die einzelne Fassade eines Reiheneckhauses am Ende der Römerstraße im Norden der Stadt. Doch ein „Ja“ in diesem Fall hätte Folgen für ganz Weilheim. Würde man der Bauanfrage zustimmen und an dieser Südwand nach außen gestellte Photovoltaik-Module erlauben, so wäre das laut Stadtbauamt eine Grundsatzentscheidung, „die über kurz oder lang die Gestaltung und das Ortsbild von Weilheim beeinflussen und prägen wird“. „Bei aller Liebe zur Energiewende“, so warnte Bauverwaltungsleiter Manfred Stork jüngst im Bauausschuss des Stadtrates: „Ich denke, da brauchen wir über Architektur nicht mehr sprechen, wenn dann solche Anlagen angebracht werden.“

Senkrecht an der Wand könnte sich auch das Stadtbauamt solche PV-Module durchaus vorstellen. Doch um den gewünschten Ertrag zu erzielen, möchte der Bauwerber die Elemente in der oberen Zeile um 30 Grad und in der unteren um 45 Grad nach außen kippen. Gegenüber der ersten Anfrage, die der Bauausschuss im Oktober diskutierte, ist das schon ein Kompromiss: Da war noch ein Ausstellwinkel von 60 Grad avisiert. Doch auch mit der geringeren Neigung bleibt laut Stork das grundsätzliche Problem – und die Tatsache, dass die Konstruktion über die Baugrenzen hinausragen würde.

„Daran gewöhnen, dass sich das Stadtbild ändert“

„Mich würde das überhaupt nicht stören an der Stelle“, betonte Gerd Ratter (ÖDP), als das Gremium in der Novembersitzung erneut über die Anfrage debattierte. Man solle das als Einzelfall zulassen. Doch damit, entgegnete Stork, würde „Tür und Tor geöffnet“ für ähnliche Anlagen quer durch die Stadt.

Horst Martin hätte damit kein Problem; er plädierte klar für Zustimmung. „Wir werden uns daran gewöhnen, dass sich das Stadtbild ändert, auch mit PV-Modulen an Fassaden“, sagte der SPD-Vertreter – und fragte: „Wer entscheidet eigentlich, ob das optisch unverträglich ist? Das liegt immer im Auge des Betrachters.“

„Nicht einfach alles, was der Energiewende dient, durchwinken“

Die Stadt müsse „abwägen, welche Folgen das hat“, hielt Klaus Gast (CSU) dagegen: Man dürfe „nicht einfach nur alles, was der Energiewende dient, durchwinken“, es gelte auch das Stadtbild zu berücksichtigen. Auch hätten solche Fassaden-Anlagen die Folge, dass weniger bepflanzt würde – um die Solarzellen nicht zu verschatten.

„Solaranlagen gehören in erster Linie aufs Dach“, mit diesem Hinweis lehnte Rupert Pentenrieder (BfW) die Anfrage ab. Und genau das soll in diesem Fall erneut geprüft werden. Hieß es im Oktober noch, dass jenes Dach an der Römerstraße wegen seiner vielen Giebel für PV-Module kaum nutzbar sei, so ergibt der „Solarrechner“ des Landkreises laut Stork etwas anderes: Auch die Dachflächen dieses Hauses wären für Solarnutzung geeignet, „man müsste vielleicht gar nicht auf die Fassade gehen“.

„Kleiner, aber nötiger Beitrag zur Klimaneutralität“

Darüber wird mit dem Antragsteller nun verhandelt – mit der klaren Botschaft, dass das Dach zu bevorzugen sei, wie 2. Bürgermeisterin Angelika Flock (CSU) als Sitzungsleiterin sagte. In diesem Sinne hat der Bauausschuss eine Entscheidung erneut einmütig vertagt. „Aber das nächste Mal muss eine Entscheidung her“, so Flock. Und die hieße für 3. Bürgermeister Alfred Honisch notfalls auch pro Fassaden-PV – wenn es auf dem Dach nicht klappt: „Es mag ein kleiner Beitrag sein, aber ohne solche Beiträge schaffen wir die Klimaneutralität nicht“, betonte der Grüne.

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