Beliebte Sitzplätze, nicht nur in der Mittagspause: Bei den Bänken an der Stadtmauer am Oberen Graben will die Stadt einige Abfalleimer versuchsweise mit „Pfandringen“ ausstatten, damit Pfandgut nicht im Müll landet.
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Beliebte Sitzplätze, nicht nur in der Mittagspause: Bei den Bänken an der Stadtmauer am Oberen Graben will die Stadt einige Abfalleimer versuchsweise mit „Pfandringen“ ausstatten, damit Pfandgut nicht im Müll landet.

Auf Antrag der Agenda 21

Weilheim probiert „Pfandringe“ aus

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
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Die Stadt Weilheim will versuchsweise an drei bis vier öffentlichen Mülleimern im Zentrum „Pfandringe“ anbringen, in denen Passanten Leergut abstellen können. Damit kommt sie einem Antrag des Agenda-Arbeitskreises „Junges Leben“ nach. Doch es gibt auch Zweifel an der Sinnhaftigkeit.

Weilheim – Im Bauausschuss des Stadtrates gab es am Dienstag durchweg Lob für die Initiative des neu gegründeten Arbeitskreises „Junges Leben“ der Weilheimer Agenda 21. Dieser hatte beantragt, die öffentlichen Mülleimer im Stadtgebiet mit „Pfandringen“ zu versehen. Das wäre eine „Win-Win-Win-Situation“, argumentierten die Sprecher Florian Kling und Xaver Winter: Denn damit würde nicht nur den von Armut betroffenen Pfandsammlern Gutes getan, die in Mülleimern nach Pfandflaschen wühlen und auch in Weilheim vermehrt zu bemerken seien. Dass Flaschen und Dosen im Recyclingkreislauf bleiben, sei auch ein Beitrag zum Umweltschutz. Und es entstünden weniger Glasscherben, was weniger Reinigungsaufwand bedeute.

Bürgermeister Markus Loth (BfW) dankte dem Agenda-AK in der Ausschuss-Sitzung ausdrücklich für diesen Antrag, auch CSU-Vertreter Klaus Gast nannte die „Pfandringe“ „eine sehr gute Geschichte“. Die Stadt solle das Ganze „einfach mal ausprobieren“. Und das tut sie jetzt auch: Der Bauausschuss hat einstimmig beschlossen, versuchsweise drei oder vier öffentliche Mülleimer „im Kernstadtbereich“ mit solchen Vorrichtungen auszustatten, voraussichtlich am Marienplatz und bei den Bänken in der Grünanlage „Am Riss“ am Oberen Graben, die insbesondere in der Mittagspause viel besucht sei.

Ein Beispiel für einen Abfalleimer mit „Pfandring“, einem Zusatz zum Abstellen und Einsammeln von Pfandflaschen. Nach Angaben der Erfinder-Firma nutzen zurzeit von rund 90 Kommunen in Deutschland das System, unter anderem Herrsching und Starnberg.

Mehr sei finanziell derzeit nicht drin, wie betont wurde: Im ohnehin angespannten Haushalt für 2021 seien dafür keine Gelder eingeplant, und ein „Pfandring“ schlage immerhin mit 100 bis 200 Euro zu Buche. Laut Bauverwaltungsleiter Manfred Stork werden die Vorrichtungen aktuell nur von der Erfinder-Firma „Pfandring“ des Kölner Designers Paul Ketz angeboten. Mit dieser will man sich jetzt in Verbindung setzen – denn selber welche anzufertigen, wäre auch nicht billiger.

Wenig ermutigende Erfahrungen am Dietlhofer See

Andere Kommunen hätten „je nach Standort teilweise gute, teilweise schlechte Erfahrungen“ mit „Pfandringen“ gesammelt, berichtete Stork. Das haben Recherchen der Stadtwerke Weilheim ergeben, deren Betriebshof die rund 100 öffentlichen Mülleimer der Stadt leert und wartet. Probleme bereite in einigen Städten zum Beispiel, dass Passanten teils anderen Müll, vor allem Pappbecher, in die Ringe stopfen – was zusätzlichen Aufwand bei der Leerung bedeute, wie Stadtwerke-Vorstand Peter Müller schreibt. Auch die nötige Reinigung der „Pfandringe“ sei aufwendiger. Weil dennoch auch Pfandgut in den Abfalleimern lande, würden diese oft weiterhin von Flaschensammlern durchsucht. Umgekehrt ist laut Müller fraglich, ab wann ein Stadtwerke-Mitarbeiter den Ring leeren darf, wenn keiner die Pfandflaschen mitnimmt.

Gegen einen Versuch an geeigneten Stellen hat freilich auch der Stadtwerke-Chef nichts – wenngleich ihn die Erfahrungen mit der oft nicht eingehaltenen Mülltrennung am Dietlhofer See wenig optimistisch stimmen. Der Erfolg oder das Scheitern der „Pfandringe“ hänge letztlich vom Verhalten der Menschen ab, so Müller: „Die Idee ist vielleicht gut, aber die Menschheit nicht immer bereit.“

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