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Symbolfoto: Hier eine Untersuchung im Geburtshaus in Münster.

Hebammen sind interessiert

Nach Demo: Weilheimerin (32) startet neues Projekt - Die Stadt soll ein Geburtshaus bekommen

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Die Geburtsstation am Weilheimer Krankenhaus ist trotz Proteste nach wie vor zu. Doch eine junge Weilheimerin gibt nicht auf: Die Stadt soll nun ein Geburtshaus bekommen.

Weilheim – Im Oktober 2017 schloss die Geburtshilfe-Station am Weilheimer Krankenhaus – vorübergehend, wie es damals hieß. Im Januar 2018 sollte sie wiedereröffnet werden. Stattdessen blieb der Kreißsaal zu – und ist es bis heute. Die Begründung, damals wie heute: Ärztemangel, Hebammenmangel. 

Katrin Müller, inzwischen Mutter eines vier Monate alten Buben, wollte das so nicht akzeptieren. Hochschwanger organisierte die Weilheimerin (32) mit einem Team anderer Engagierter im März eine Demonstration gegen das Aus der Geburtshilfe. Einfach so als Privatperson, weil sie es als Bald-Mama und Weilheimerin nicht hinnehmen wollte, dass Frauen nur noch in den umliegenden Kliniken entbinden können. 

Seit der Demo hat sich nichts getan

Gut 400 Menschen hatten im März am Kirchplatz demonstriert, Hebammen hatten gesprochen, Vertreter aus Politik und der Krankenhaus GmbH beteuert: Wir sind dran, wir lassen die Geburtshilfe in Weilheim nicht sterben. Passiert ist seither: nichts. Krankenhaus GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann: „Ich habe nach wie vor den politischen Auftrag, in Weilheim eine neue Geburtshilfe zu installieren, aber wir machen keine Experimente – das muss zu 100 Prozent sicher sein, eine Teilzeitöffnung wird es nicht geben.“ 

Müller hat unterdessen neue Pläne geschmiedet: ein Geburtshaus für Weilheim. „Das Krankenhaus schafft es offenbar nicht, eine Geburtshilfe auf die Beine zu stellen. Also brauchen wir eine andere Lösung“, sagt die 32-Jährige. Wobei sie klarstellt: Ein Geburtshaus soll keine Konkurrenz zum Krankenhaus sein, die Geburtenstation gar ersetzen. „Beides kann nebeneinander existieren.“ Es gehe vielmehr darum, dass „Frauen die freie Wahl für ihren Geburtsort haben“. Hier appelliert Müller an die werdenden Eltern. „Es ist an der Zeit, sich bewusst zu werden: Wo und wie will ich mein Kind eigentlich auf die Welt bringen?“ 

Eine Umfrage soll den Bedarf klären

Damit es diese Wahlfreiheit gibt, müssten aber Alternativen zu einer Klinikgeburt – derzeit fernab der Kreisstadt – und einer Hausgeburt geschaffen werden. Eine solche sei ein Geburtshaus. Ganz konkret informiert sich Müller aktuell in alle Richtungen, wie so ein Geburtshaus umsetzbar wäre (siehe unten). Und: Sie steht in engem Kontakt mit zahlreichen Hebammen im Landkreis. Vier haben bereits Interesse an einer Mitarbeit in einem Geburtshaus angemeldet – drei auf freiberuflicher Basis, eine als Angestellte. Ein guter Anfang. Im Geburtshaus in Rosenheim arbeiten beispielsweise ebenfalls vier Hebammen. Das Krankenhaus Weilheim hat außerdem angekündigt, Kooperationsgesprächen „offen gegenüber zu stehen“. 

Als nächsten Schritt planen Müller und das Aktionsteam, den Bedarf bei den Frauen in Weilheim und Umgebung für eine solche Geburtsalternative zu erheben. „In Kürze sollen zum Beispiel bei den Gynäkologen, Hebammen und in den Kindergärten Listen ausliegen, in denen man eintragen kann, ob man in einem Geburtshaus entbinden würde bzw. ob man sich ein solches für Weilheim wünscht.“ Der größte Knackpunkt: Wie findet man geeignete Räumlichkeiten? Und wie lassen sie sich finanzieren? „Wer weiß, vielleicht meldet sich ja irgendein Hausbesitzer und hat Interesse“, sagt Müller. Ihr ist klar: Ein Geburtshaus in Weilheim ist ein gigantisches Vorhaben, das sie nicht allein stemmen kann. „Deshalb soll es ein Projekt für viele werden.“

Wer Interesse hat, bei der „Aktion Geburtshilfe“ und beim Projekt „Geburtshaus für Weilheim“ mitzuwirken, wer Ideen hat, das Projekt unterstützen oder sich engagieren will, meldet sich bitte per Mail an aktion-geburtshilfewm@web.de.

Was ist ein Geburtshaus?

Ein Geburtshaus ist eine sogenannte hebammengeleitete Einrichtung. Die Geburt ist somit allein durch Hebammen geführt, Ärzte sind nicht anwesend. Ziel ist es, eine ruhige und selbstbestimmte Atmosphäre wie bei einer Hausgeburt zu erzeugen, aber dennoch Räumlichkeiten und ein Netzwerk abseits der eigenen vier Wände zu bieten – so gehen die Angebote in einem Geburtshaus durch Schwangerschafts- und Wochenbettbetreuung sowie durch Beratung über die reine Begleitung der Geburt hinaus. Die meisten Geburtshäuser sind über einen Verein organisiert. Die Geburtskosten übernehmen die Krankenkassen – wie bei einer Klinik- oder Hausgeburt. Alle weiteren Kosten (z.B. Einrichtung, Verwaltung) muss das Geburtshaus selbst stemmen. Manche Geburtshäuser haben deshalb eine Zusatzpauschale für Eltern eingeführt. Geburtshäuser gibt es u.a. in Rosenheim, München und Kempten.

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